Hamburg

Muttergesellschaft der Agentur Nordpol ist insolvent

St. Pauli: Der geplante begrünte Bunker an der Feldstraße.

St. Pauli: Der geplante begrünte Bunker an der Feldstraße.

Foto: Planungsbüro / planungsbüro

Hauptursache ist offenbar das grüne Bunkerprojekt auf dem Heiligengeistfeld. Was wird nun aus "Hamburgs Silicon Valley"?

Hamburg. Die Muttergesellschaft der renommierten Hamburger Agentur Nordpol ist insolvent. In der vergangene Woche wurde vom Amtsgericht Berlin, wohin die HH2O GmbH vor vier Jahren ihren Sitz verlagert hatte, ein Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung eröffnet. Hauptursache für die Schieflage ist offenbar das grüne Bunkerprojekt auf dem Heiligengeistfeld, das der Investor Thomas Matzen nach einem Zerwürfnis nun in Eigenregie umsetzt.

Vor Gericht konnte die Agenturgruppe aber nur einen Teil der Investitionskosten einklagen. Das Branchenmagazin "Horizont" sieht aber auch „Überschätzung der eigenen Leistungsfähigkeit“ und „handfeste Fehlentscheidungen“ als verantwortlich für die Insolvenz.

So sei zuletzt ein Firmengewirr entstanden, das nun gelichtet werden muss. Nicht betroffen von der Insolvenz ist die Agentur Nordpol mit Manfred Schüller an der Spitze, die profitabel arbeitet. Nordpol, die Digitalmarke I-Pol und die profitablen Bereiche des Architekturteams sollen in dem neuen Modell erhalten oder sogar weiter ausgebaut werden. "Horizont" berichtet weiter, dass ein neuer Gesellschafter an Bord kommen soll, um Nordpol künftig stabiler aufzustellen. Dazu laufen Gespräche mit dem Hamburger Medienunternehmer Frank Otto.

Gründer Müller-Using verlässt die Firma

Hingegen wird Mathias Müller-Using, Co-Gründer der Muttergesellschaft, das Unternehmen nach Abschluss des Sanierungsverfahrens verlassen. Er war der kreative Ideengeber für das Bunkerprojekt und einer der Initiatoren des digitalen Campus „ Hammerbrooklyn“.

Der Traum vom „Silicon Valley“ an der Elbe hatte aber zuletzt an Strahlkraft verloren, weil sich die drei Initiatoren des digitalen Vorzeigeprojekts — Henning Vöpel vom HWWI, Digitalexperte Björn Bloching, Senior Partner bei Roland Berger und Müller-Using — überworfen hatten. Nun wechselt Müller-Using zum Immobilienentwickler Art Invest, der privatwirtschaftlich das Projekt Hammerbrooklyn am Stadtgraben vorantreibt. „Ich freue mich, an dieser Stelle dieses für die Stadt so wichtige Projekt vorantreiben zu können“, sagte Müller-Using dem Abendblatt.