Schifffahrt

Hamburger Reederei Hapag-Lloyd kürzt Zahlungen an die Stadt

Hapag-Lloyd Chef Rolf Habben Jansen ist seit fünf Jahren bei Hapag-Lloyd. Er will konsequent Schulden abbauen

Hapag-Lloyd Chef Rolf Habben Jansen ist seit fünf Jahren bei Hapag-Lloyd. Er will konsequent Schulden abbauen

Foto: Marcelo Hernandez

Um Schulden abzubauen, reduziert die Reederei ihre Dividende. Hamburg fehlen so mehr als elf Millionen Euro. FDP fordert einen "Hexit".

Hamburg. Knapp fünf Jahre ist Rolf Habben Jansen bei Hapag-Lloyd, da werden Bilanzpräsentationen langsam zur Normalität. Eine Viertelstunde vor Veranstaltungsbeginn kommt der Vorstandschef in den Saal im Hauptgebäude der Traditionsreederei am Ballindamm geschlendert, begrüßt die Journalisten mit Handschlag. Habben Jansen kann mit dem abgelaufenen Geschäftsjahr 2018 zufrieden sein, und so präsentierte er auch gut gelaunt die neuesten Zahlen.

Zwei Millionen Container mehr transportiert

Den Hamburgern ist es gelungen, das Transportvolumen um mehr als zwei Millionen Standardcontainer zu steigern. Der Umsatz wuchs gegenüber 2017 um 15 Prozent auf 11,51 Milliarden Euro, der operative Gewinn um 7,8 Prozent auf 1,1 Milliarden Euro, und unterm Strich blieben 46 Millionen Euro übrig – 39 Prozent mehr als im Vorjahr.

Vergessen, dass Hapag-Lloyd mit einer Gewinnwarnung ins Jahr gestartet war. Vergessen auch, dass die Reederei nach sechs Monaten einen Fehlbetrag von 100,9 Millionen Euro aufwies, 58,2 Millionen Euro weniger als im gleichen Vorjahreszeitraum. In der zweiten Jahreshälfte haben die Schifffahrtskaufleute vom Ballindamm dies wieder aufgeholt, weil sie von höheren Transportmengen weltweit profitierten, von besseren Frachtraten und niedrigeren Kosten. „In Summe sind wir mit den Ergebnissen für das Jahr 2018 zufrieden,“ bilanzierte Habben Jansen. Später fügte er hinzu: „Es wird zuviel über die Schifffahrtskrise geredet. Wir sehen, dass sich die Schifffahrtsmärkte wieder normalisieren.“

Dividende wird kräftig gekürzt

Normalisieren soll sich laut Habben Jansen auch der Dividendenvorschlag an die Hauptversammlung, der trotz einer deutlichen Gewinnsteigerung um 75 Prozent geringer ausfällt als im vergangenen Jahr. Die Aktionäre sollen sich mit einer Ausschüttung von 15 Cent begnügen. Im vergangenen Jahr gab es mit 57 Cent je Aktie erstmals seit dem Börsengang 2015 überhaupt eine Ausschüttung.

Die Dividende war in Summe dreimal so hoch wie der Nettogewinn. „Im vergangenen Jahr hatten wir eine außergewöhnlich hohe Dividende. Sie war ein Dankeschön an unsere Eigentümer, die uns immer sehr unterstützt haben. Jetzt bewegt sich die Dividende wieder im normalen Bereich“, so Habben Jansen zur Erklärung. Mit 57 Prozent des Konzernergebnisses liege sie nun aber immer noch deutlich über den üblichen Ausschüttungen.

Stadt hatte 15 Millionen Euro eingeplant

Die Anleger, die über die Dividendenkürzung bereits am Vortag informiert worden waren, hatten den ersten Schock schnell überwunden. Nachdem die Aktie zunächst am Donnerstag um mehr als zwei Prozent nachgegeben hatte, erholte sie sich am Freitag wieder und notierte am Nachmittag mit 1,5 Prozent im Plus bei 25,84 Euro. Im Oktober hatte der Kurs noch bei gut 35 Euro gelegen, war dann aber zeitweise auf fast 21 Euro gefallen. Nun erholter sich langsam wieder.

Erholen muss sich von der Dividendenankündigung wohl auch die Stadt Hamburg. Sie hält immerhin 13,86 Prozent an Hapag-Lloyd und wird für ihre 24,36 Millionen Stückaktien nun nur noch 3,65 Millionen Euro einstreichen. Im vergangenen Jahr waren es zehn Millionen mehr. Noch größer waren die Erwartungen der Finanzbehörde an die Ausschüttungen der Reederei: Im aktuellen Haushaltsplan hat die Behörde sogar 15 Millionen Euro aus Hapag-Lloyd-Dividenden eingeplant, von denen jetzt mehr als elf Millionen Euro fehlen.

Die Finanzbehörde räumte ein, aufgrund von Analysteneinschätzungen eine entsprechende Dividende über 15 Millionen Euro eingeplant zu haben. Es werde aber erwartet, dass der Minderertrag durch bessere Ergebnisse bei anderen städtischen Gesellschaften kompensiert wird

FDP fordert den „Hexit“

„Offenbar fehlt es im rot-grünen Senat an kaufmännischer Weitsicht und an Abstimmung mit dem eigenen öffentlichen Unternehmen“, sagte hingegen der FDP-Fraktionschef Michael Kruse. Er plädierte erneut für den Ausstieg aus Hapag-Lloyd und prägte in Anlehnung an den Brexit gleich einen neuen Begriff: „Es wird Zeit, dass Bürgermeister Tschentscher den geordneten ‚Hexit‘ einleitet.“

Gewinn verdoppelt sich 2019 bestenfalls

Von dieser Forderung lässt sich die FDP auch nicht durch den sehr positiven Ausblick abbringen, den Habben Jansen an den Schluss seiner Ausführungen stellte: Demnach geht er von einer leichten Zunahme der Transportmengen und der Frachtraten aus und traut seinem Unternehmen im besten Fall sogar eine Verdoppelung des Betriebsgewinns (Ebit) zu. Nach 443 Millionen Euro 2018 soll er in diesem Jahr zwischen 500 bis 900 Millionen Euro liegen. Die Berenberg Bank riet zum Kauf der Aktie.