Luftfahrt

Tarifeinigung am Flughafen – doch noch keine Entwarnung

Christian Noack hockt in der Ladeluke eines Flugzeugs. Er ist Geschäftsführer der Flughafen-Tochter HAM Ground Handling.

Christian Noack hockt in der Ladeluke eines Flugzeugs. Er ist Geschäftsführer der Flughafen-Tochter HAM Ground Handling.

Foto: Andreas Laible

Mit der Gewerkschaft DBB/Komba ist der Streit beigelegt – mit Ver.di noch nicht. Sieben Prozent mehr Lohn für Bodenverkehrsdienste.

Hamburg.  Viele Flugreisende in Hamburg dürften sich bei dieser Nachricht auf den ersten Blick freuen: Es gibt eine Einigung am Helmut-Schmidt-Flughafen im Tarifstreit für die Bodenverkehrsdienste (BVD). Allerdings dürfte die Freude bei näherem Hinsehen wieder getrübt werden. Die für diesen Bereich zuständige Flughafen-Tochter HAM Ground Handling konnte den Tarifkonflikt mit der Gewerkschaft DBB/Komba beilegen. Mit der Dienstleistungsgewerkschaft Ver.di schwelt der Streit weiter – also steht auch immer noch die Drohung weiterer Warnstreiks im Raum.

Die Tarifeinigung sehe im Wesentlichen eine Lohnerhöhung von mehr als sieben Prozent und einen Einstiegslohn von zwölf Euro pro Stunde vor, der während der Vertragslaufzeit erreicht werde, teilte Hamburg Airport am Freitag mit. Für wie viele Monate der Abschluss gilt, wurde nicht mitgeteilt. Weiterhin seien zusätzliche Vereinbarungen zur Absicherung außertariflicher Sozialleistungen getroffen worden, hieß es. Die Mitglieder der Gewerkschaft Deutscher Beamten Bund (DBB) und Komba müssen dem Kompromiss noch zustimmen.

Arbeitgeber: "Bis an die Grenze gegangen"

„HAM Ground Handling ist bis an die Grenze dessen gegangen, was bei den Bodenverkehrsdiensten in dem derzeitigen Luftverkehrsmarkt wirtschaftlich leistbar ist“, sagte Christian Noack, Geschäftsführer von HAM Ground Handling. „Wenn wir noch einen Schritt weitergegangen wären, könnten wir das Geschäft wirtschaftlich so nicht mehr betreiben.“ Noack lobte den mit den Sozialpartnern eingeschlagenen Weg, trotz finanziell angespannter Lage den Beschäftigten auch zukünftig gute Beschäftigungsbedingungen bieten zu können. Ihm sei besonders wichtig, „dass alle Beschäftigtengruppen finanziell an der Einigung partizipieren“.

Erst am Donnerstag hatte es am Flughafen erneute Arbeitsniederlegungen gegeben. Daraufhin waren mehr als 50 Ankünfte und Abflüge ausgefallen. Rund 150 Beschäftigte der Bodenverkehrsdienste – die Mitarbeiter be- und entladen das Gepäck, reinigen die Flugzeuge und fahren die Busse auf dem Gelände – versammelten sich am Donnerstagnachmittag auf dem Gänsemarkt zu einer Demonstration. Ver.di-Verhandlungsführerin Irene Hatzidimou forderte von der Arbeitgeberseite ein neues, höheres Angebot.

„Alles weitere ist davon abhängig. Die Tarifkommission wird versuchen, die Öffentlichkeit rechtzeitig zu informieren, sollte es zu weiteren Warnstreiks kommen“, sagte Hatzidimou am Donnerstag. Ob sich durch die Einigung mit DBB/Komba eine neue Lage ergibt, ist unklar. Eine entsprechende Anfrage des Abendblatts blieb bis Redaktionsschluss unbeantwortet. Die nächste Verhandlungsrunde findet am 20. März statt. Insgesamt arbeiten für die BVD rund 950 Festangestellte.