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Abendblatt-Test: Yogi-Tee mit ätherischen Ölen

Geschäftsführer Sat Dharm Singh Khalsa mit besonderen Inhaltsstoffen für seinen Tee. Yogi Tea hat eine neue Teelinie mit ätherischen Ölen entwickelt.

Geschäftsführer Sat Dharm Singh Khalsa mit besonderen Inhaltsstoffen für seinen Tee. Yogi Tea hat eine neue Teelinie mit ätherischen Ölen entwickelt.

Foto: ANDREAS LAIBLE

Firmen überraschen mit neuen Produkten. Wir erzählen die Geschichte und prüfen, wie gut sie sind. Heute: Neues von Yogi Tea.

Hamburg. Als Yogi Bhajan, indischer Lehrmeister des Kundalini-Yoga, Ende der 1960-er Jahre seinen westlichen Schülern bei den Yoga-Stunden einen aromatischen Gewürztee servierte, sollte der vor allem die Reinigung des Körpers von Giftstoffen unterstützen. Es war nicht nur die Geburtsstunde der Marke Yogi Tea, sondern auch eines Konzepts.

Von wegen abwarten und Tee trinken. „Wir versuchen gesellschaftliche Entwicklungen zu reflektieren und verwandeln sie in Teemischungen“, sagt Geschäftsführer Sat Dharm Singh Khalsa. Das klingt kompliziert. Aber in Namen wie Frauen Tee, Lebensfreude, Detox – Deine Seele, Klarer Geist spiegelt sich der wechselnde Zeitgeist wider. „Inzwischen sind wir im Zeitalter der Reiz- und Informationsüberflutung angekommen“, sagt Khalsa. „Da wird als Gegengewicht etwas Kräftigeres gebraucht.“

Alles ist intensiver als bei anderen Tees

So ist die Idee für eine neue Teelinie entstanden, in der ätherische Öle zugesetzt werden. Lavendelöl, Zitronenöl, Pfefferminzöl, Krauseminzöl – jeweils in winzigen Dosen – verstärken nicht nur den Duft, auch Geschmack und Farbe sind intensiver als bei anderen Tees. Die Essenzen sprechen das limbische System an, sollen das Wohlbefinden fördern und können im besten Fall auch heilende Wirkung haben. „Wir haben uns von der Aromatherapie inspirieren lassen“, sagt Generalmanager Heiko Hintze.

Zusammen mit Khalsa steht er in der sogenannten Teeküche des Unternehmens im Burchardt-Hof in der Hamburger Altstadt. In den Regalen sind bis unter die Decke Dosen und Gläser mit Hunderten verschiedener Zutaten angeordnet: Aloe Vera und schwarzer Pfeffer, Gänseblümchen und Koriander, Brennnessel und Himbeerblätter. „Hier entstehen alle unsere Produkte“, sagt Sat Dharm Singh Khalsa, der mit bürgerlichem Namen Michael Garcia Heermann heißt.

Ein Jahr hat die Entwicklung der vier neuen Teesorten gedauert. Die ätherischen Öle werden fein vernebelt in einem geschlossenen Mischprozess aufgetragen beziehungsweise aufgesprüht. „In Deutschland gibt es derzeit keinen Wettbewerber mit einem ähnlichen Konzept im Markt“, so der 52-Jährige, der vor mehr als 20 Jahren von Yogi Bhajan persönlich in die Geschäftsführung der Tee-Marke beordert wurde. Bis heute beeinflussen Ausrichtung und Lebensweise der Gründungszeit die Firmenphilosophie.

Zunächst in den USA, aber schnell auch in Europa entwickelten sich zwei Schwesterunternehmen, die die Rezepte des Spiritus Rector an die jeweiligen Geschmäcker anpassten und mit dem Verkauf unter anderem die Yoga-Community unterstützten. Das sei bis heute so, betont Khalsa, der selbst zur Glaubensgemeinschaft der Singh gehört.

Seit dem Umzug aus Amsterdam 2008 ist Hamburg Sitz der Europa-Zentrale. „Deutschland ist unser Hauptmarkt“, sagt Hintze. Zudem gebe es in der Hafenstadt zahlreiche Partner für den Rohwaren-Einkauf. Am Standort arbeiten 60 Mitarbeiter, in der Teeherstellung in Norditalien sind weitere 80 Männer und Frauen beschäftigt. Der Umsatz liegt nach Angaben von Hintze im mittleren zweistelligen Millionenbereich.

An jedem Teebeutel hängt ein Sinnspruch

Die bunten Pappschachteln stehen in vielen Super- und Drogeriemärkten und im Bio-Fachhandel. 50 Kräuter- und Gewürztees werden angeboten, alle nach ayurvedischen Rezepten und mit bis zu 16 verschiedenen Zutaten aus biologischem Anbau. Gratis, quasi als spirituelle Dreingabe, hängt an jedem Teebeutel ein Sinnspruch des Gründers. Nummer eins ist der erste Yogi Tea, der unter dem Namen Classic verkauft wird. In Deutschland gehören Halswärmer, Ingwer Zitrone und Abendtee zu den Bestsellern. „Wir tauschen immer wieder Sorten aus“, sagt Khalsa.

Kräuter- und Früchtetee werden immer beliebter. Das Segment ist ein Wachstumsmarkt. 16,4 Milliarden Tassen trinken die Deutschen nach Zahlen der Wirtschaftsvereinigung Kräuter und Früchtetee e. V. pro Jahr und geben sich längst nicht mehr mit Kamille, Pfefferminz oder Fenchel zufrieden. War Yogi Tea in der Anfangszeit ein Pionier mit seinem Angebot, ist die Konkurrenz inzwischen groß. Zahlreiche Tees anderer Hersteller werben mit Produktversprechen wie Gelassenheit, Ruhe oder Balance.

Zeit nehmen in einer schnellen Welt

Auch um sich für neue und vor allem jüngere, Kundengruppen zu öffnen, verkauft Yogi Tea inzwischen auch ein Teekaltgetränk in kleinen Glasflaschen und verschiedenen Geschmacksrichtungen. „Es läuft ganz gut an“, sagt Hintze, der vor fünf Jahren in das Unternehmen gekommen war. Bald soll es Ein-Liter-Verpackungen geben.

Mit der neuen Produktreihe, die vor allem die Sinne ansprechen soll, bleibt Yogi Tea der eigenen Linie treu. „Eine Tasse Tee zu trinken“, sagt Sat Dharm Singh Khalsa, „bietet die Chance, sich in einer immer schneller werdenden Welt einen Moment Zeit zu nehmen und zur Ruhe zu kommen.“

Der Abendblatt-Test – jeden Dienstag im Wirtschaftsteil. Alle bisherigen Folgen gibt es online unter www.abendblatt.de/testserie