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Abendblatt-Test: Kaffee mit extra viel Koffein

Niklas Geyer und Massimiliano Amato mit ihrem „Herr Wach’s Coffee Guaraná“

Niklas Geyer und Massimiliano Amato mit ihrem „Herr Wach’s Coffee Guaraná“

Foto: ANDREAS LAIBLE

Firmen aus der Region überraschen mit neuen Produkten. Wir prüfen, wie gut sie sind. Heute: Herr Wach’s Coffee Guarana.

Hamburg. Es war, wie es so oft ist: Die Idee für das Produkt entstand aus einer persönlichen Erfahrung. „Wir sind beide nicht so die großen Auswendiglerner“, sagt Niklas Geyer (27) über sich und seinen Freund und Geschäftspartner Massimiliano Amato (28).

Kennengelernt haben sie sich während der dualen Ausbildung zum Betriebswirt im Außenhandel in Unternehmen der Chemiehandelsbranche. Und weil das mit dem gemeinsamen Lernen vor der Abschlussprüfung so eine Sache war, griffen die jungen Männer zu allerlei Hilfsmitteln. „Alle möglichen Energydrinks, bis zu zwei Liter Kaffee pro Tag. Das hatte irgendwann Nebenwirkungen wie Schlafstörungen, Sodbrennen und Unwohlsein“, erinnert sich Amato an diese „sehr intensiven Wochen“.

Herr Wach's Coffee Guarana: Kaffeepulver mit einem Extraschuss Koffein

Das war 2014 und zugleich die Initialzündung für ein Lebens- und Genussmittel, das seit wenigen Monaten auf dem Markt und im Handel ist: Herr Wach’s Coffee Guaraná. Es ist ein Filterkaffeepulver mit einem ordentlichen Extraschuss Koffein. Der stammt aus den Samen der in Südamerika wachsenden Guaraná-Pflanze. Geyer und Amato mischen reichlich Guaraná-Pulver in Herr Wach’s Kaffee. Mehr als zehn Prozent davon enthält ein 250-Gramm-Beutel. Zudem jeweils eine Prise der sogenannten Superfoods Acai, Moringa und Lucuma.

„Kaffee gibt einen Koffein-Kick, der schnell wieder nachlässt. Die Wirkung von Guaraná hält deutlich länger an, bis zu mehreren Stunden“, sagt Niklas Geyer. Dem Wirkstoff aus der roten Beere, die den Früchten des Kaffeestrauchs ähnelt, wird nachgesagt, die Ausdauer zu fördern. Eine ganze Reihe von Energydrinks enthält Guaraná. Bio-Cola mit Guaraná ist ebenso auf dem Markt wie Fruchtgummi und -riegel mit dem Stoff. Zudem ist es als Nahrungsergänzungsmittel zumeist als Pulver im Handel. Das Problem: Guaraná riecht übel und schmeckt ziemlich scheußlich. Das pure Pulver wird daher oft in Orangensaft aufgelöst – und in einem Zug heruntergestürzt, um die Geschmacksnerven nicht allzu sehr zu strapazieren.

Herr Wach's ist bereits der zweite Anlauf der Gründer

Kaffee mit Guaraná? „Wir haben intensiv danach gesucht, aber bislang nichts Vergleichbares gefunden“, sagt Geyer. Das Gründer-Duo in spe besorgte sich ein Paket von dem Pulver und begann zu experimentieren. Der Kaffee stammt sozusagen aus der Familie: Massimiliano Amatos Vater betreibt in Bad Oldesloe ein Unternehmen, das unter anderem Kaffee aus Bohnen, die in einer mittelständischen Familienrösterei in der Nähe von Neapel veredelt werden, importiert. Mittlerweile hat der Sohn die Kaffeesparte übernommen und beliefert mehrere Dutzend Gastronomen und Unternehmen im Norden mit langzeitgeröstetem Espresso.

Herr Wach’s ist der zweite Anlauf der beiden, einen Guaraná-Kaffee auf den Markt zu bringen. Der erste startete – gemeinsam mit zwei Partnern – bereits 2016. „Das lief ein Jahr lang ganz gut, dann gab es Meinungsverschiedenheiten“, sagt Amato. Er und Geyer hatten ihre Produktidee 2015 bei einem Gründer-Workshop präsentiert. Dessen Veranstalter sahen Marktchancen, gemeinsam gründete man eine Firma und brachte den sogenannten Nuu Coffee auf den Markt. Doch über die Strategie kam es zum Streit. „Unsere Partner haben allein auf den Onlinevertrieb gesetzt. 120 Gramm kosteten 25 Euro. Das war für uns nicht tragbar“, sagt Geyer. Die Firma wurde eingestellt.

Gut 20 Hamburger Edekas haben Herr Wach’s im Regal

Das kostspielige Guaranápulver wird aus Brasilien importiert, der Rohkaffee aus dem mittelamerikanischen Guatemala. Geröstet und gemahlen wird er bei Neapel, gemischt und abgefüllt bei einem Partnerunternehmen in Regensburg. Auch das hat seinen Preis. Die unverbindliche Preisempfehlung für einen 250-Gramm-Beutel Herr Wach’s lautet 9,95 Euro. Gekauft werden kann er unter anderem im Onlineshop der Wachmacher GmbH mit Sitz in Sasel oder über Amazon. Derzeit stößt der Kaffee in den Lebensmittel-Einzelhandel vor. Mehr als 20 Edeka-Märkte in Hamburg und insgesamt mehr als 60 vorwiegend in Norddeutschland haben die roten Beutel mit dem Markengesicht Herr Wach im Regal. Im März soll eine Kooperation mit Rewe Nord starten, sagen die Gründer und Hauptgesellschafter. Von den zunächst 10.000 Packungen, die sie haben produzieren lassen, seien bislang 3500 verkauft.

„Unser Ziel ist, Lebensmittel wie Kaffee und Tee weiterzuentwickeln, ihnen einen zusätzlichen Nutzen zu geben“, sagt Niklas Geyer, der sich derzeit ganz auf Herr Wach’s konzentriert und „von 400 Euro im Monat“ lebt. Das Kaffeepulver soll nur der Anfang sein. Im Laufe diese Jahres wollen die Gründer noch mindestens zwei weitere Produkte auf den Markt bringen. Unter anderem einen Cold Brew Kaffee – mit Guaraná und Superfoods.

Der Abendblatt-Test – jeden Dienstag im Wirtschaftsteil. Alle bisherigen Folgen gibt es online unter abendblatt.de/testserie