Niendorf

Hamburger Altenheim holt Pfleger aus Albanien

Eine Pflegerinn begleitet in Hamburg Bewohner eines Seniorenwohnheims in einen Gruppenraum für Bewegungsübungen (Symbolfoto).

Eine Pflegerinn begleitet in Hamburg Bewohner eines Seniorenwohnheims in einen Gruppenraum für Bewegungsübungen (Symbolfoto).

Foto: Christian Charisius/dpa

25 Pflegeplätze im Elim Seniorencentrum können aus Personalmangel nicht besetzt werden. Haus geht einen ungewöhnlichen Weg.

Hamburg.  Im vergangenen Jahr hat das Elim Seniorencentrum Niendorf seine Kapazitäten von 100 auf 120 Pflegeplätze aufgestockt. „Aber knapp 25 Plätze können nicht besetzt werden, weil das Personal dafür fehlt“, sagt Stefan Warnke, Vorstandsmitglied der Stiftung Freie evangelische Gemeinde in Norddeutschland (FeGN), zu der das Niendorfer Haus gehört. „Wir haben alles versucht, aber auf dem Arbeitsmarkt in Deutschland hatten wir keinen Erfolg.“

Aus diesem Grund gehen die Niendorfer jetzt einen außergewöhnlichen Weg: Sie setzen qualifiziertes Pflegepersonal aus Albanien ein. Sechs Personen hat man bereits eingestellt, eine erste neue Kollegin aus dem Balkanstaat ist seit wenigen Wochen im Dienst.

Pflege ist in Albanien ein Studiengang

„Die Qualifikation ist sehr hoch, denn die Pflege ist in Albanien ein Studiengang“, sagt Warnke. Weil die Bevölkerung dort aber im Schnitt sehr jung sei, werde über den eigenen Bedarf des Landes hinaus ausgebildet. „Das war uns sehr wichtig“, sagt Reinhard Spincke, der Vorstandsvorsitzende der Stiftung: „Wir wollten nicht qualifiziertes Pflegepersonal aus einem Staat holen, das diese Arbeitskräfte selber dringend braucht.“

Die Pfleger aus Albanien haben alle einen Deutschkurs der Stufe B2 absolviert, somit können sie sich hier gut verständigen. Von einer Tochterfirma der Prüfgesellschaft Dekra werden sie zudem mehrere Monate lang auf den deutschen Arbeitsmarkt vorbereitet. „Wir zahlen für diese Teile der Ausbildung“, sagt Spincke. Mit dem Personal aus Albanien betritt die kirchliche Stiftung nicht etwa völliges Neuland in der Branche: „Wir waren in Kontakt mit anderen Einrichtungen, die damit schon gute Erfahrungen gemacht haben.“ Spincke ist daher überzeugt: „Das ist erst der Anfang.“

Die neuen Mitarbeiter werden intensiv vorbereitet

Denn die Lücke zwischen dem Personalbedarf in der Altenpflege und dem Angebot an entsprechend qualifizierten Beschäftigten werde eher noch zunehmen. „Dabei sind die Gehälter gar nicht so niedrig“, sagt Spincke. Doch die physische und psychische Belastung sei hoch, zumal die Mitarbeiter in der Pflege immer häufiger auch mit dementen Menschen konfrontiert würden, was die Anforderungen noch steigen lasse. „Vor allem aber fehlt es an Wertschätzung in der Öffentlichkeit für diesen Beruf“, findet Spincke.

Außer dem Elim Seniorencentrum Niendorf betreibt die Stiftung weitere Pflegeheime in Bergedorf (128 Plätze) und in Eppendorf (62 Plätze), hinzu kommt ein Mutter-Kind-Haus in Schwarzenbek. Auch diese Einrichtung wird erweitert, demnächst soll es dort zwölf anstatt wie bisher fünf Plätze geben. Insgesamt arbeiten gut 500 Mitarbeiter für die Stiftung.

Ambulante Pflege wird ausgebaut

Entsprechend dem von der Bundesregierung vertretenen Grundsatz „ambulant vor stationär“ weite die Stiftung derzeit auch ihr Angebot für die ambulante Pflege aus und suche dafür weitere Mitarbeiter, sagt Spincke. „In diesem Bereich ist es aber nicht ganz so schwierig, das benötigte Personal zu finden, weil hier flexible Arbeitszeiten möglich sind.“ Für dieses Jahr ist bei der Stiftung der Aufbau von zwei neuen ambulanten Pflegediensten geplant.