Abendblatt-Serie

Was lohnt eher: In Betongold oder echtes Gold investieren?

So sieht eine ein Kilogramm schwere Feingoldmünze aus. Ihr Name: Elizabeth II Australia - ( Australian Nugget ) im Tresorraum des pro aurum Goldhaus in München.

So sieht eine ein Kilogramm schwere Feingoldmünze aus. Ihr Name: Elizabeth II Australia - ( Australian Nugget ) im Tresorraum des pro aurum Goldhaus in München.

Foto: PICTURE ALLIANCE/ULRICH BAUMGARTEN

Teil 4 Wie lege ich mein Geld an? Vieles spricht für höhere Preise des Edelmetalls. Was beim Kauf zu beachten ist.

Hamburg.  Wenn es an den Aktienmärkten abwärtsgeht, profitiert Gold. Die Kurseinbrüche zum Jahresende bei den Wertpapieren sorgten so noch für eine überraschend positive Bilanz des Edelmetalls. Während deutsche Aktienanleger ein Minus von rund 18 Prozent verkraften mussten, schaffte das Edelmetall – in Euro gerechnet – ein leichtes Plus von drei Prozent im vergangenen Jahr. In Dollar schnitt Gold aber mit einem Minus von zwei Prozent ab. Ende 2018 kostete die Feinunze Gold (31,1 Gramm) 1280 Dollar.

Obwohl es weltweit viele Krisenherde wie den Handelskonflikt zwischen den USA und China gibt, konnte Gold 2018 davon nicht nachhaltig profitieren. Lohnt das Edelmetall noch? Welche Perspektiven hat es 2019? Im vierten Teil der Serie geht es um Edelmetalle. Das Abendblatt sprach mit Experten und beantwortet wichtige Fragen.


Was beeinflusste den Goldkurs 2018?
Das Edelmetall startete 2018 gut und erreichte schnell einen Kurs von 1350 Dollar je Feinunze. Doch dann ging es bergab. Weder der Handelskrieg zwischen den USA und China, eine steigende Inflationsrate in der Eurozone oder die Gefahr einer erneuten Eurokrise durch die Haushaltspolitik in Italien konnten dem Goldpreis zum Durchbruch verhelfen. „Erfahrungsgemäß profitiert der Goldpreis von einem schwächeren Dollar und sinkenden Zinsen“, sagt Jochen Intelmann, Chefvolkswirt der Hamburger Sparkasse.

Doch diese Faktoren waren 2018 in den USA nicht gegeben. „Erst die Talfahrt an den Aktienmärkten sorgte für neues Interesse am gelben Metall“, sagt Intelmann. Im dritten Quartal 2018 zeichnete sich eine Wende ab. Allein die Nachfrage der Juweliere für Goldschmuck stieg in diesem Zeitraum um sechs Prozent. Die Käufe von Barren und Münzen zogen im dritten Quartal sogar um 28 Prozent an. „2019 erscheint eine Fortsetzung der Erholung des Goldpreises realistisch“, so Intelmann.


Was lohnt eher: Betongold oder
„richtiges“ Gold?

Angesichts der seit Jahren steigenden Immobilienpreise in Hamburg liegt dieser Vergleich nahe. Deshalb hat das Abendblatt den Quadratmeterpreis für eine Eigentumswohnung aus dem Bestand mit dem Preis für die bekannteste Goldmünze, den Krügerrand, langfristig verglichen. Während sich die Immobilienpreise um 126 Prozent erhöhten, ist der Krügerrand jetzt 95 Prozent mehr wert als Anfang 2008.

Für Betongold spricht, dass die Immobilienpreise von Jahr zu Jahr gestiegen sind, während das Edelmetall nach Jahren des Anstiegs auch herbe Verluste verkraften musste. Doch direkt vergleichbar sind die beiden Anlagen nicht. Während der Krügerrand weltweit jederzeit zu Geld gemacht werden kann, lässt sich eine Eigentumswohnung nicht so schnell und unproblematisch verkaufen. Der Gewinn aus dem Goldverkauf ist nach einem Jahr Haltedauer steuerfrei. Bei einer Immobilie ist das erst nach zehn Jahren der Fall. „Gold hat seine Funktion als Wertspeicher seit mehr als 5000 Jahren bewiesen“, sagt Robert Hartmann, Geschäftsführer des Edelmetallhändlers Pro Aurum, der auch in Hamburg eine Filiale hat. Unabhängig von den Wertschwankungen werde das Edelmetall von vielen Anlegern als solide und konservative Vermögensanlage gesehen. Gold erzielte seit 1971 eine durchschnittliche Wertsteigerung von knapp acht Prozent (in Dollar gerechnet), ermittelte die Haspa.


Was erwarten Experten für 2019?

Die Mehrheit der Experten rechnet mit einem steigenden Goldpreis in Dollar. Wertet der Dollar allerdings gegenüber dem Euro ab, dann profitieren die deutschen Anleger nicht voll von dem erwarteten Preisanstieg. „Wenn sich das US-Wachstum 2019 wie erwartet verlangsamt, dann dürfte Gold von einer höheren Nachfrage profitieren“, sagt Jeffrey Currie von Goldman Sachs. Die Bank rechnet mit einem Kurs von 1350 Dollar pro Feinunze.

Noch optimistischer sind Institute wie ABM Amro, die einen Goldkurs von 1400 Dollar erwarten (siehe Grafik). „Wir rechnen mit einem Goldpreisanstieg auf 1350 Dollar je Feinunze bis Ende 2019“, sagt Eugen Weinberg von der Commerzbank. „Das Ende der Zinserhöhungen der Notenbank in den USA und die damit ausgelöste Abwertung des Dollar dürften dem Goldpreis 2019 Auftrieb geben.“ Skeptisch gegenüber Gold ist die Deutsche Bank. „Ich sehe derzeit zu wenig Preispotenzial für einen Einstieg“, sagt Ulrich Stephan, Chef-Anlagestratege für Privat- und Firmenkunden der Deutschen Bank. Seine Prognose für 2019 lautet: 1200 Dollar je Feinunze. Das liegt noch unter dem aktuellen Kurs von 1282 Dollar.


Was spricht für steigende Goldpreise?

„Die Einbahnstraße nach oben ist an den Aktienmärkten wohl vorbei“, sagt Hartmann. „Vor diesem Hintergrund geraten alternative Anlageklassen wie Edelmetalle wieder verstärkt in den Fokus der Anleger.“ Auch 2019 gibt es viele Krisenherde, die die Haushaltspolitik der Staaten und ihre Konjunktur gefährden. Dazu gehören die Proteste in Frankreich ebenso wie die Folgen eines ungeregelten Brexit. Die Commerzbank erwartet 2019 eine stärke Goldnachfrage aus China und Indien, die weltweit für die Hälfte der Nachfrage nach Goldschmuck, -münzen und -barren stehen. „Auch die chinesische Zentralbank dürfte früher oder später ihre Goldkäufe wieder aufnehmen“, sagt Weinberg.


Was ist beim Goldkauf zu beachten?

Je kleiner die Stückelung von Münzen, desto größer sind die Unterschiede zwischen An- und Verkaufspreis, und desto teurer kauft man Gold ein. So liegt der Unterschied zwischen An- und Verkaufspreis der Ein-Zehntel-Unze (Krügerrand) zwischen acht und 14 Prozent, bei einer ganzen Unze liegen die Aufschläge je nach Händler mur noch zwischen 2,3 und 3,8 Prozent.

Es lohnt auch ein Preisvergleich bei den verschiedenen Anbietern wie Westgold, Pro Aurum oder Degussa unter diesem Aspekt. Auch für Barren gilt: Je kleiner, desto höher ist der Preis pro Gramm Gold. Im Trend bei den Kunden liegen Ein-Gramm-Barren, doch der Unterschied zwischen An- und Verkaufspreis beträgt 25 Prozent. Je größer der Barren, desto geringer der Aufpreis. Der Unterschied zwischen Ankaufs- und Verkaufspreis für einen 100-Gramm-Barren liegt bei rund zwei Prozent.


Welches Edelmetall schnitt besser ab?

Als einziges Edelmetall lag Palladium 2018 deutlich mit 16 Prozent im Plus. Gleichzeitig ist Palladium erstmals seit Oktober 2002 teurer als Gold. 80 Prozent des Palladiums werden von der Automobilindustrie nachgefragt. Das Edelmetall wird hauptsächlich in Katalysatoren für Benziner eingesetzt. Aufgrund vieler Unsicherheiten in der Autoindustrie rechnet die Commerzbank 2019 mit einem fallenden Palladiumpreis.


Wie schneidet Silber ab?

Silber weist unter den Edelmetallen die schlechteste Preisentwicklung im Jahr 2018 auf. In Euro gerechnet verlor das Edelmetall acht Prozent. Es ist stärkeren Kursschwankungen ausgesetzt, da die Verwendung in der Industrie mehr als 50 Prozent der gesamten Silbernachfrage ausmacht. „Die Marktlage für Silber wird sich 2019 nicht spürbar ändern“, sagt Experte Weinberg. Dennoch kann sich der Silberpreis im Schlepptau von Gold 2019 erholen.


Wie kann man als Anleger von
Edelmetallen profitieren?

Eine Anlage in Edelmetallen ist risikoreich. In einem breit aufgestellten Depot können sie aber mit einem Anteil von fünf bis zehn Prozent eine sinnvolle Ergänzung sein. So wie man sich über Exchange Traded Funds (ETFs) an kompletten Aktienindizes wie dem Deutschen Aktienindex (DAX) beteiligen kann, gibt es für Edelmetalle Exchange Traded Commodities (ETCs), die den Preis von Gold, Silber und Palladium abbilden. Sie werden an der Börse gehandelt. Die Preisspanne zwischen An- und Verkauf dieser Papiere ist geringer als beim Erwerb der Edelmetalle in physischer Form.