Abendblatt-Serie

Sparzinsen werden steigen – ganz langsam

Die Europäische Zentralbank in Frankfurt

Die Europäische Zentralbank in Frankfurt

Foto: picture alliance / Daniel Kalker

Teil 1 Wie lege ich mein Geld 2019 an? Bessere Konditionen für Tages- und Festgeld – aber Baukredite werden teurer.

Hamburg.  Sehnsüchtig warten die Sparer auf ein Ende der Niedrigzinspo­litik der Europäischen Zentralbank (EZB). Schon seit Jahren werden sie von ihren Hausbanken mit Minizinsen abgespeist. Wer Geld auf Konten parkt, macht unter dem Strich einen Verlust. Denn die Inflationsrate ist mit zuletzt 2,3 Prozent deutlich höher als die Sparzinsen. Was die einen ärgert, freut andere: Wer derzeit eine Immobilie finanzieren will, kann sich weiter über historisch niedrige Zinsen freuen. Bleibt das so, oder kommt 2019 die Zinswende? Was müssen Sparer und Baufinanzierer beachten? Welche Banken zahlen vergleichsweise hohe Zinsen? Wie sicher sind ausländische Banken? Das Abendblatt sprach mit Experten und beantwortet im ersten Teil seiner Serie zur Geldanlage 2019 die wichtigsten Fragen zur Zinsentwicklung.


Wie werden sich die Zinsen 2019 entwickeln?
„Es zeichnet sich eine Zinswende ab, wenn sich die Europäische Zentralbank (EZB) tatsächlich von ihrer Niedrigzinspolitik verabschiedet“, sagt Max Herbst von der FMH Finanzberatung. So wird die EZB die Ankäufe von festverzins­lichen Wertpapieren zum Jahresende 2018 einstellen. Mit einer Zinserhöhung wird aber erst im weiteren Jahresverlauf 2019 oder sogar erst 2020 gerechnet. „Ein wichtiger Schritt wäre, dass die EZB ihren Einlagenzins von minus 0,40 Prozent, der die Banken stark belastet, zurücknimmt“, sagt Experte Herbst.

In der Folge müsste der Leitzins wieder von null Prozent auf wenigstens 0,25 Prozent angehoben werden, damit Bewegung in die Zinskonditionen kommt. „Ich glaube nicht, dass das alles in einem Schritt passiert“, sagt Bernd Schimmer, Wertpapierstratege der Hamburger Sparkasse (Haspa). Er rechnet damit, dass der negative Einlagezins für die Banken im nächsten Jahr in einem ersten Schritt auf minus 0,25 Prozent gesenkt wird. „Mit der Anhebung des Leitzinses rechne ich erst im Jahr 2020“, sagt Schimmer. Die EZB bestätigte, dass sie ihre Schlüsselzinsen noch bis mindestens über den Sommer 2019 hinaus nicht anheben will. Der Leitzins zur Versorgung der Geschäftsbanken mit Geld liegt bereits seit dem März 2016 auf dem Rekordtief von null Prozent.


Was bedeutet das für Sparer?
„Wenn die EZB die Zinsen erhöht, werden davon vor allem die Konditionen von Tagesgeld und Festgeldangebote bis zu einem Jahr profitieren“, sagt Herbst. Im Schnitt gibt es für Tagesgeld nur 0,04 Prozent Zinsen, ergab eine Auswertung des Vergleichsportals Veri­vox. In diesem Bereich sind erste leichte Zinsanhebungen zu erwarten. Entscheidend ist, wie schnell sich die EZB vom negativen Einlagezins verabschiedet. Für Festgeld bis zu einem Jahr liegt der Zins aktuell bei 0,21 Prozent. „Aber es ist nur mit kleinen Anhebungen zu rechnen“, sagt Herbst. „Die Konditionen werden sich nicht so verbessern, dass sie die Inflationsrate ausgleichen.“


Werden Baufinanzierungen teurer?
Experte Herbst rechnet mit einem geringen Anstieg um 0,25 bis 0,50 Prozentpunkte. Aktuell sind die Konditionen für Bauherren besonders günstig. Im Schnitt müssen für eine zehnjährige Zinsbindung nur 1,35 Prozent Zinsen bezahlt werden. Bei 15 Jahren beträgt der Zinssatz 1,80 Prozent. „Viele Anleger auch im Ausland flüchten wegen der Unsicherheiten in der Euro-Zone und der Handelskonflikte in deutsche Staatsanleihen, an denen sich auch die Baugeldkonditionen orientieren“, sagt Herbst. Im Dezember erreichte die Rendite zehnjähriger deutscher Staatsanleihen mit nur noch 0,25 Prozent den bisher tiefsten Stand des Jahres 2018. „Wenn die Gelder wieder abfließen, kann auch Baugeld teurer werden“, sagt Herbst. Auch die Postbank rechnet mit leicht steigenden Baugeldzinsen.


Wie lange müssen sich Sparer noch mit sehr niedrigen Zinsen abfinden?
Nach Einschätzung des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) werden die Sparer auch in den nächsten Jahrzehnten kaum Grund zur Freude haben. Das liegt nicht nur an der Niedrigzinspolitik der EZB. Der wichtigste Grund ist der demografische Wandel. Seit Jahrzehnten steigt die Lebenserwartung in Industrienationen wie Deutschland. Immer mehr Menschen bereiten sich auf ein langes Leben vor und sparen deshalb mehr als die Generationen vor ihnen. Das lässt die Zinsen sinken. „Dieser demografische Trend lässt sich in den kommenden Jahrzehnten nicht aufhalten“, sagt IW-Ökonom Markus Demary. Es führe dazu, dass die Zinsen auch in absehbarer Zeit nicht nennenswert steigen. „Real, also nach Abzug der Inflationsrate werden die langfristigen Zinsen – gemessen an zehnjährigen deutschen Staatsanleihen – bis 2025 auf 1,30 Prozent steigen“, sagt Demary dem Abendblatt. Danach würden sie bis 2050 wieder fallen – auf real null Prozent. „Grundsätzlich sollten Privatleute überprüfen, ob sie langfristig auf Niedrigzinsen eingestellt sind“, sagt Demary.


Wo gibt es noch relativ hohe Zinsen?
Das Vergleichsportal Verivox hat die Konditionen von mehr als 750 Tagesgeldkonten unterschiedlicher Anbieter getestet (siehe Grafik). Bewertet wurden der Zins seit 2015 und die Einlagensicherung. Das wichtigste Testkriterium war der angebotene Zins. Er macht 80 Prozent des Gesamtergebnisses aus. „Viele Anleger schätzen Kontinuität“, sagt Oliver Maier, Geschäftsführer der Verivox Finanzvergleich GmbH. „Sie wollen nicht permanent ihr Tagesgeldkonto wechseln, sondern suchen einen Anbieter, der konstant gute Zinsen zahlt.“ Am besten schnitt dabei die schwedische TF Bank ab, die 0,65 Prozent Zinsen für Tagesgeld zahlt. Ein sehr gutes Ergebnis erreichte auch das Angebot der HSH Nordbank. Sie zahlt 0,52 Prozent Zinsen. Manche Institute haben keine eigene Niederlassung in Deutschland. Ihre Angebote sind nur über Vermittlungsplattformen wie Zinspilot oder Weltsparen zu nutzen. Für ein Festgeld über zwei Jahre gibt es noch Zinsen von gut einem Prozent.


Wie sicher sind Einlagen bei ausländischen Banken?
Grundsätzlich sind Einlagen bis zu 100.000 Euro pro Person abgesichert. Im Pleitefall soll der Kunde spätestens nach sieben Tagen sein Geld zurückhaben. Sparer müssen sich bei einer Bankpleite nicht mit der Entschädigungseinrichtung im Ausland auseinandersetzen. Rückzahlungen laufen automatisch über das deutsche Einlagensicherungssystem im Auftrag der ausländischen Einrichtung. Umstritten ist, wie gut die nationalen Entschädigungsfonds für eine Bankeninsolvenz gerüstet sind. Deshalb sollte auch immer die Bonität des jeweiligen Landes berücksichtigt werden.


Viele Angebote sind nur per Internet nutzbar. Welche Banken in Hamburg
sind gut für Sparer?

Die Verbraucherzentrale Hamburg verweist auf die Deniz Bank, die Ziraat Bank und die Hanseatic Bank, die alle Filialen in der Stadt unterhalten. Bei der Hanseatic Bank gibt es einen Sparbrief mit jährlich steigenden Zinsen, bei dem Anleger auch vorzeitig wieder aussteigen können. Ein zweijähriges Festgeld bringt bei der Ziraat Bank 1,15 Prozent und bei der Deniz Bank ein Prozent Zinsen. Die drei Institute bieten auch Tagesgeldkonten an.


Für welchen Zeitraum sollte man sein Geld anlegen?
„Nicht länger als zwei bis maximal drei Jahre“, sagt Anke Puzicha von der Verbraucherzentrale Hamburg. Wenn die Zinsen steigen, werde das sehr langsam geschehen. „Bisher haben sich die Sparer immer geärgert, weil sie sich zu kurz gebunden haben.“ Bei der Wiederanlage des Geldes waren die Zinsen dann häufig noch niedriger. Doch allmählich zeichnet sich die Zinswende ab.