Atlantik

Das Feuerdrama auf dem Hamburger Hapag-Lloyd-Frachter

Das Containerschiff „Yantian Express“ bei der Beladung am Containerterminal Altenwerder. Das Schiff verbindet derzeit Nordost-Asien mit der Ostküste der USA und Kanadas.

Das Containerschiff „Yantian Express“ bei der Beladung am Containerterminal Altenwerder. Das Schiff verbindet derzeit Nordost-Asien mit der Ostküste der USA und Kanadas.

Foto: Hapag Lloyd 

„Yantian Express“ treibt mit brennenden Containern auf dem Nordatlantik. Die Mannschaft ist in Sicherheit. Fragen und Antworten.

Hamburg.  Seit fünf Tagen treibt die „Yantian Express“, ein Containerschiff der Hamburger Traditionsreederei Hapag-Lloyd, brennend im Atlantik. Die Mannschaft musste bei zum Teil sieben Meter hohen Wellen evakuiert werden. Die Löscharbeiten werden durch stürmisches Wetter erschwert. Das Abendblatt beantwortet die wichtigsten Fragen zu dem Drama.

Wie kam es zu dem Unglück?

Das Feuer brach am vergangenen Donnerstag gegen 6 Uhr morgens unserer Zeit in einem Container vorne auf dem Schiff aus. Es griff dann rasch auf danebenstehende Container über. Die Crew startete sofort Löschmaßnahmen, musste diese aber aufgrund der stürmischen See, in der sich das Schiff befand, abbrechen. Zu dem Zeitpunkt herrschte Windstärke 8 mit starken Böen aus westlicher Richtung. Die genaue Ursache für den Brand sei zurzeit noch unklar, sagte ein Hapag-Lloyd-Sprecher: „Aktuell steht die Eindämmung des Feuers im Fokus.“

Wo genau ist das Unglück geschehen?

Das Feuer entstand auf dem Nordatlantik, nordöstlich von Bermuda, etwa 650 Seemeilen vor der kanadischen Küste. Das Schiff hatte den Panamakanal durchquert und war auf der Fahrt von Colombo nach Halifax in Kanada.

Wie reagierte die Mannschaft?

Der Kapitän wendete das Schiff sofort, damit es dem Wind von hinten ausgesetzt ist. Ziel war es, die Flammen und den Rauch vom Bug wegzublasen, damit nicht weitere Teile des Schiffes von den Flammen erfasst werden. Am Sonnabend erreichte der Hochseeschlepper „Smit Nicobar“ den brennenden Frachter und begann sofort mit den Löscharbeiten. Gleichzeitig wurde die Evakuierung vorbereitet. Die komplette Crew der „Yantian Express“ sei aus Sicherheitsgründen am Wochenende unversehrt auf den vor Ort im Löscheinsatz befindlichen Hochseeschlepper „Smit Nicobar“ verlegt worden, so Hapag-Lloyd. Es sind acht Offiziere und 15 Crew-Mitglieder.

Wie ist die Situation derzeit vor Ort?

Am Montagnachmittag ist ein weiterer von Hapag-Lloyd angeforderter Hochseeschlepper, die „Maersk Mobiliser“, die in St. John’s auf Neufundland lag, zur Unterstützung eingetroffen. Die „Yantian Express“ treibt führerlos und befindet sich jetzt etwa 800 Meilen vor Nova Scotia. Die zwei Hochseeschlepper fahren vorne neben dem Schiff und bekämpfen das Feuer mit Löschkanonen. Wie die Reederei mitteilte, schreiten die Arbeiten zur Eindämmung des Feuers unter der Leitung von Smit, einem auf den Einsatz bei Schiffsunglücken spezialisierten Bergungsunternehmen mit Hauptsitz in den Niederlanden, in Zusammenarbeit mit der Besatzung vor Ort kontinuierlich voran. Ein Notfallteam in Hamburg von Hapag-Lloyd koordiniert den Einsatz. Die in Brand geratenen Container befinden sich im Bereich des Vorschiffs.

Sind weitere Stellen eingebunden?

Ja, die US-Küstenwache ist eingeschaltet, und da die „Yantian Express“ unterdeutscher Flagge fährt, ist auch die Bundesstelle für Seeunfalluntersuchung (BSU) in Hamburg involviert. „Hapag-Lloyd hat uns sofort informiert und berichtet uns kontinuierlich über die Lösch- und Bergungsmaßnahmen“, sagte BSU-Direktor Ulf Kaspera. „Sobald der Brand gelöscht und das Schiff in einem Hafen vertäut ist, schicken wir ein Team los, das sofort an Bord mit der Unglücksursachenermittlung beginnt.“ Brennende Schiffe auf hoher See kommen immer wieder mal vor.

Was hat das Schiff geladen?

Die Ladung biete einen Querschnitt der üblicherweise auf dieser Route transportierten Waren, erklärte Hapag-Lloyd. „Da sprechen wir hauptsächlich über Textilien, Autoteile, Nahrungsmittel wie Obst und Tiefkühlware sowie andere Handelswaren“, sagte der Sprecher. Es seien aber auch Container mit Gefahrgut an Bord. Wie viele es sind und was sie genau geladen haben, wollte er nicht sagen. Experten spekulieren, dass die rasche Evakuierung der Mannschaft mit dem Gefahrgut im Zusammenhang stehen könnte.

Was plant Hapag-Lloyd nun?

Die weitere Entwicklung auf der „Yan­tian Express“ sowie die nächsten Schritte würden kontinuierlich analysiert, sagte der Sprecher: „Zurzeit steht die Eindämmung des Feuers im Fokus.“ Deshalb sei auch noch gar nicht klar, ob der Frachter wie geplant nach Halifax oder in einen anderen Hafen gebracht wird. Der Sprecher: „Die Brandbekämpfung wird derzeit durch die zwei Hochseeschlepper fortgesetzt. Und es wird mit Hochdruck daran gearbeitet, den Schaden zu begrenzen.“ Gelingt es, den Brand zu stoppen, könnte die Crew auch zurück an Bord gehen.

Sind Frachter und Ladung versichert?

Das Containerschiff ist versichert. Üblicherweise erfolge die Versicherung eines Containerschiffs über mehrere Versicherer, die sich das Risiko teilen, so Hapag-Lloyd. Für mögliche Schäden an der Ladung komme normalerweise die Transportwarenversicherung der Kunden auf. Außerdem sei Hapag-Lloyd gegen mögliche Haftpflichtschäden unter anderem aus der Ladung versichert. Bei der „Yantian Express“ handelt es sich um ein 13 Jahre altes mittelgroßes Schiff, das 7510 Standardcontainer tragen kann. Geschätzt ist es noch etwa 15 Millionen Dollar wert.

Wie groß ist der Schaden?

Eine Einschätzung des Schadens an der „Yantian Express“ und der Ladung ist derzeit laut Reederei nicht möglich.

Was sagt die Unternehmensführung?

Vorstandschef Rolf Habben Jansen sagte, er sei froh, dass die Besatzung unbeschädigt evakuiert werden konnte: „Es ist das Wichtigste, dass kein Mensch verletzt oder getötet wurde.“