Hamburg

Strompreise steigen um vier bis fünf Prozent

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Die Strompreise sollen im neuen Jahr um mehrere Prozent steigen

Die Strompreise sollen im neuen Jahr um mehrere Prozent steigen

Foto: imago/Rainer Weisflog

Energieversorgerbegründen Erhöhung mit verteuertem Einkauf. Kritik von Verbraucherschützern.

Essen/Hamburg.  Für viele Haushalte in Deutschland wird der Strom im neuen Jahr deutlich teurer. Um durchschnittlich vier bis fünf Prozent steigen die Preise zahlreicher Anbieter in der Grundversorgung. Ein Dreipersonenhaushalt mit einem Jahresverbrauch von 4000 Kilowattstunden zahlt dann nach Berechnungen des Vergleichsportals Verivox rund 55 Euro mehr im Jahr. Die Versorger begründen die Preiserhöhungen mit ihren gestiegenen Einkaufspreisen für den Strom. In diesem Jahr war der durchschnittliche Strompreis nach Zahlen der Bundesnetzagentur weitgehend stabil.

Kurz vor Ende der Ankündigungsfrist für mögliche Preiserhöhungen am Dienstag – sechs Wochen vor dem Jahreswechsel – verzeichnete Verivox 218 Versorger mit Preiserhöhungen im Dezember und zum 1. Januar. Ähnlich sieht das Portal Check24 die Situation: 160 regionale Stromversorger hätten ihre Preise bereits erhöht oder Erhöhungen angekündigt. „Erfahrungsgemäß kommen in den nächsten Wochen noch weitere Versorger dazu“, sagte der für Energie zuständige Check24-Geschäftsführer Oliver Bohr. Besonders viele Preiserhöhungen sind laut Verivox bisher in Baden-Württemberg und Hessen angekündigt worden. Der Hamburger Grundversorger Vattenfall ließ am Sonntag eine Abendblatt-Anfrage zur künftigen Preisstruktur unbeantwortet.

Versorger rechtfertigten die Preissteigerungen

Bei den beiden größten deutschen Stromversorgern E.on und der RWE-Tochter Innogy bleibt der Strompreis zum Jahreswechsel stabil, wie Sprecher beider Unternehmen sagten. Wie lange dies gilt, ist noch nicht entschieden. „Wir beobachten die Entwicklung“, sagte ein Sprecher von E.on. Zusammen haben die Essener Konzerne rund zehn Millionen Strom- und Gaskunden in Deutschland. E.on plant im Zuge eines groß angelegten Tauschs mit RWE, die Innogy-Kunden zu übernehmen.

Die Versorger rechtfertigten die Preissteigerungen. Die Beschaffungskosten seien in den vergangenen zwei Jahren um mehr als die Hälfte gestiegen, teilte der Branchenverband BdEW mit. Auch der Anstieg der Preise für CO2-Emissionszertifikate wirke kostentreibend. Kleinere Entlastungen bei anderen Bestandteilen des Strompreises könnten den Anstieg nicht ausgleichen.

Nach Ablauf der Preisbindung ist Preissteigerung möglich

Verbraucherschützer kritisierten diese Argumentation. „Als vor einigen Jahren die Börsenpreise gesunken sind, haben die Versorger auf ihre langfristigen Verträge verwiesen und die Einsparungen nicht an ihre Kunden weitergegeben“, sagte der Energieexperte der Verbraucherzentrale NRW, Udo Sieverding. „Jetzt sind sie bei steigenden Börsenpreisen schnell mit Preiserhöhungen dabei.“ Die Bundesnetzagentur beziffert den Anteil der Beschaffungskosten am Strompreis auf etwa 22 Prozent. Mehr als die Hälfte entfallen auf Umlagen, Steuern und Abgaben, ein knappes Viertel auf die Netzentgelte. Für den Stichtag 1. April 2018 hat die Behörde einen durchschnittlichen Strompreis über alle Vertragsarten von 29,88 Cent je Kilowattstunde ermittelt. Auf diesem Niveau bewegt sich der Preis seit 2016.

Einen Vertrag in der klassischen Grundversorgung mit vergleichsweise hohen Preisen haben laut Bundesnetzagentur knapp 28 Prozent der Haushalte. Eine Umstellung des Vertrages lohne sich für viele, so die Wettbewerbshüter. Ein durchschnittlicher Haushaltskunde habe zuletzt durch einen Lieferantenwechsel 68 Euro im Jahr sparen können. Für den Anbieterwechsel gibt der Monitoringbericht von Netzagentur und Kartellamt einige Tipps: Tarife mit Vorkasse oder Kaution sollten gemieden und die Vertragslaufzeit ein Jahr nicht überschreiten. Außerdem müssten die Verbraucher darauf achten, dass nach Ablauf der Preisbindung eine erhebliche Preissteigerung möglich sei.

( dpa/HA )

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