Verbrauchertipp

Chancen und Risiken: Wie Sie die richtige Geldanlage finden

Sind Gold oder Immobilien eine Alternative? Wo gibt es noch relativ hohe Zinsen? Sollte man noch in Aktien investieren? Was bringen die sogenannten Dividendenwerte unter den Unternehmensanteilsscheinen? Das Abendblatt hat mit Experten über die Chancen und Risiken von fünf unterschiedlichen Anlagearten gesprochen.

Sind Gold oder Immobilien eine Alternative? Wo gibt es noch relativ hohe Zinsen? Sollte man noch in Aktien investieren? Was bringen die sogenannten Dividendenwerte unter den Unternehmensanteilsscheinen? Das Abendblatt hat mit Experten über die Chancen und Risiken von fünf unterschiedlichen Anlagearten gesprochen.

Foto: imago/PhotoAlto

Das Abendblatt stellt fünf Alternativen für Sparer vor. Experten erklären, wo es hohe Zinsen gibt, ob sich Gold und Immobilien lohnen.

Hamburg.  Viele Jahre lang ging es stetig bergauf am Aktienmarkt, in Zeiten mit historisch niedrigen Zinsen auf Spar- und Festgeldkonten und einer zuletzt spürbar steigenden Inflationsrate galten die Anteilsscheine an Unternehmen daher lange als eine gewinnbringende Alternative für die Geldanlage.

Doch nun wächst die Unsicherheit am Aktienmarkt. Seit seinem Hoch im Januar hat der Deutsche Aktienindex (DAX) rund 14 Prozent an Wert eingebüßt. Es ist einen Schaukelbörse: Mal erholen sich die Aktienkurse, dann fallen sie wieder. Die Geldanlage ist noch schwieriger geworden. Bei fest verzinsten, sicheren Anlagen wie Staatsanleihen ist der Realzins negativ. Nach Abzug der Inflationsrate von dem geringen Zinsertrag steht ein Verlust. Das Kapital schmilzt dahin.

Sind Gold oder Immobilien eine Alternative? Wo gibt es noch relativ hohe Zinsen? Sollte man noch in Aktien investieren? Was bringen die sogenannten Dividendenwerte unter den Unternehmensanteilsscheinen? Das Abendblatt hat mit Experten über die Chancen und Risiken von fünf unterschiedlichen Anlagearten gesprochen.


Festgeld
Diese Anlageform ist in Deutschland unverändert beliebt, weil sie einfach, transparent und vergleichsweise sicher ist. Die meisten Banken zahlen zwar fast keine Zinsen mehr, doch bei Spezial­instituten gibt es immerhin noch gut ein Prozent Zinsen für eine einjährige Anlage. So bietet die schwedische Bank Klarna 1,10 Prozent für einen Anlagezeitraum von zwölf Monaten und 1,25 Prozent Zinsen für zwei Jahre. Aber: Bei einer Inflationsrate von 2,5 Prozent wie im Oktober hat der Sparer unter dem Strich einen Kaufkraftverlust von 1,25 Prozent pro Jahr, wenn er sein Geld für zwei Jahre anlegt. „Angesichts der niedrigen Konditionen sollten sich Sparer nicht länger als zwei, drei Jahre binden, um umschichten zu können, wenn die Zinsen wieder steigen“, sagt daher Doris Kappes von der Verbraucherzen­trale Hamburg.

Wer sein Geld lieber bei einem In­stitut mit Filialen statt online anlegt hat mit der Ziraat Bank (0,85 Prozent für ein Jahr) oder der Deniz Bank (ein Prozent für zwei Jahre) eine Alternative. Beide Institute unterhalten Filialen in Hamburg. Der Kaufkraftverlust ist allerdings noch etwas höher. Alle in den Tabellen (siehe oben) aufgeführten Banken haben ihren Sitz in Ländern, die von der Ratingagentur Moody’s mindestens ein Aa1-Rating haben. Das bedeutet, dass die Anlage als sicher gilt. Das Ausfallrisiko ist auf die kurze Anlagedauer so gut wie vernachlässigbar. Das ist wichtig, weil die Leistungsfähigkeit der jeweiligen Sicherungsfonds von der Bonität der Länder abhängt. „Wer auf ein bestimmtes Ziel spart und das Geld in wenigen Jahren wieder benötigt, sollte bei einer sicheren Anlage bleiben“, sagt Verbraucherschützerin Kappes.


Dividendenstarke Aktien
Viele Aktien werfen Renditen ab, die deutlich höher sind als die Zinsen auf Tages- und Festgeld. Dennoch dürfen diese Aktien nicht mit einer Zinsanlage gleichgesetzt werden. Wer aber mit Kursschwankungen leben kann, für den sind dividendenstarke Aktien eine interessante Alternative. Neben möglichen Kurssteigerungen versprechen die Anteilsscheine eine hohe Dividendenrendite. Beispiel: Die Aktie des Shoppingcenter-Betreibers Deutsche Euroshop kostet rund 28 Euro. 1,50 Euro sollen als Dividende ausgeschüttet werden, was einer Rendite von 5,4 Prozent entspricht. Die Dividende wird nach der Hauptversammlung ausgeschüttet.

Exklusiv für das Abendblatt hat die Internetplattform Dividendenadel lukrative­ Dividendenaktien ermittelt. Bis zu neun Prozent Rendite wie bei Freenet sind möglich. Der Hintergrund: Gerade in Zeiten von schwankenden Kursen erweisen sich dividendenstarke Titel als relativ stabil. „Aber die Anleger dürfen sich nicht von der Dividendenrendite blenden lassen“, sagt Christian W. Röhl, Geschäftsführer der Internetplattform Dividendenadel. Entscheidend sei, dass die Ausschüttung nachhaltig ist und nicht aus der Substanz des Unternehmens gezahlt werde. Alle in der Tabelle aufgeführten Aktien sind seit Jahren zuverlässige Dividendenzahler, etwa Siemens, Fielmann oder Münchener Rück. Die Optikerkette Fielmann hat seit mehr als einem Jahrzehnt die Ausschüttung Jahr für Jahr erhöht.

Aber auch bei Dividendentiteln geht eine hohe Rendite mit einem höheren Risiko einher. „Freenet ist eher eine Aktie für spekulative Anleger“, sagt Röhl. „Der Telekommunikationsdienstleister kann Kunden verlieren, wenn der neue Mobilfunkstandard 5G kommt.“ Konservativen Anlegern rät Röhl eher zu Münchener Rück oder Siemens. Wichtig sei, im Depot Dividendentitel aus verschiedenen Branchen zu haben.


Sparplan mit Aktien
Wer Geld vorerst entbehren kann und es nicht zu einem bestimmten Zeitpunkt benötigt, muss sich um die Schwankungen am Aktienmarkt nicht sorgen. „Den idealen Zeitpunkt für den Einstieg in den Aktienmarkt gibt es nicht“, sagt Bernd Schimmer, Wertpapierstratege der Haspa. „Wichtig ist, dass man das Anlagekonzept auf Basis der persönlichen Risikobereitschaft langfristig durchhält.“ Ein langfristiges Investment in breit gestreute Aktien wie in einen globalen Aktienfonds bringt die höchsten Renditen (siehe Grafik). Sie liegen zwischen 7,9 Prozent (10 Jahre Anlagezeitraum) und 5,4 Prozent (20 Jahre).

Um sich kostengünstig den globalen Aktienmarkt in das eigene Depot zu holen, eignen sich spezielle Indexfonds. Diese sogenannten Exchange-Traded Funds (ETF) zeichnen die Entwicklung der Börsen-Indizes fast genau nach. Der Anleger geht mit dem Markt, kann also weder besser noch schlechter abschneiden. Schon mit monatlichen Beträgen von 25 oder 50 Euro kann man in solche Fonds einsteigen. Am besten eignet sich ein ETF auf den Weltaktienindex MSCI World. Er wird von ETF-Anbietern wie ComStage, iShares oder db x-Trackers angeboten. Der MSCI World enthält rund 1650 Aktien großer und mittel­großer Unternehmen.


Offene Immobilienfonds
Sie sind derzeit gefragt wie nie zuvor. 92,3 Milliarden Euro haben die Bundesbürger inzwischen in diese Anlageform investiert. Diese Investmentfonds investieren das Geld der Anleger vor allem in Bürogebäude, Einkaufszentren und Hotels – je nach Ausrichtung des Fonds stehen die Immobilien nur in Deutschland, in Europa oder sind weltweit verteilt. Schon ab einer Anlagesumme von 50 Euro kann man sich an diesen Fonds beteiligen. Die Erträge aus Mieteinnahmen und Objektverkäufen werden an die Anleger ausgeschüttet. Die zu erzielenden Renditen liegen ebenfalls über den Zinserträgen, die Tages- und Festgeldkonten derzeit im Durchschnitt abwerfen. Aber die beiden Anlagen sind nicht direkt miteinander vergleichbar.

Offene Immobilienfonds sind risikoreicher als Tagesgeldkonten und auch weniger flexibel. Nach einer aktuellen Studie der Ratingagentur Scope lag die durchschnittliche Rendite offener Immobilienfonds im vergangenen Jahr bei 2,7 Prozent – also nur unwesentlich über der Inflationsrate. Die langfristigen Ergebnisse der offenen Immobilienfonds sind von Turbulenzen während der Finanzkrise geprägt. Viele der Fonds wurden abgewickelt. Die Probleme wurden jedoch überwunden, und es gibt mittlerweile Vorkehrungen, dass sie nicht erneut auftreten können.


Gold
Das Edelmetall wird in unsicheren Zeiten gern als sicherer Hafen genutzt, hat die Anleger in diesem Jahr aber enttäuscht. Bis April notierte die Feinunze Gold (31,1 Gramm) noch bei 1350 US-Dollar, inzwischen sind es 1223 Dollar. Die Commerzbank ist aber optimistisch: „Wir erwarten zum Jahresende einen Goldpreis von 1300 Dollar je Feinunze“, heißt es in einer Analyse des Instituts. „Angesichts diverser politischer Unsicherheitsmomente kann sich die aktuelle Goldpreis-Erholung noch eine Weile fortsetzen“, sagt Jochen Intelmann, Chefvolkswirt der Haspa.

Die Sparkasse empfiehlt ihren Kunden, bei der Geldanlage auch eine geringe Menge Gold als Krisenwährung im Portfolio zu haben. Von den Krisen in diesem Jahr hat Gold jedoch nicht sonderlich profitiert. Weder der Handelskrieg zwischen den USA und China, eine steigende Inflationsrate in der Euro-Zone, die Gefahr einer erneuten Euro-Krise durch die Haushaltspolitik in Italien noch die jüngsten Kurseinbrüche an den Aktienmärkten konnten dem Goldpreis zum Durchbruch verhelfen.

Wer in Gold investieren will, steht vor einer großen Auswahl. Es gibt Barren von wenigen Gramm bis zu einem Kilo. Auch Goldmünzen stehen in verschiedenen Stückelungen zur Verfügung. Je kleiner die Stückelung, desto größer sind jedoch die Unterschiede zwischen An- und Verkaufspreis, und desto teurer kauft man Gold ein. So liegt der Unterschied zwischen An- und Verkaufspreis der Ein-Zehntel-Unze (Krügerrand) zwischen acht und 14 Prozent, bei einer ganzen Unze betragen die Aufschläge nur bis zu 3,8 Prozent.