Billigflieger

Ryanair-Chef darf bleiben – Piloten wollten ihn loswerden

Foto: Niall Carson / dpa

Die Ryanair-Piloten fordern die Abwahl von Michael O’Leary. Doch die Aktionäre stellen sich hinter ihn. Abgestraft wird ein anderer.

Frankfurt/Main.  Michael O’Leary hat Glück gehabt. Die Aktionäre des Billigfliegers Ryanair stehen weiter hinter der Führung. Auf der Hauptversammlung in Dublin erhält der Ryanair-Chef am Donnerstag 98,5 Prozent der anwesenden Aktionärsstimmen, kaum weniger als die 99 Prozent von einem Jahr zuvor.

Die Turbulenzen mit Streiks und Flugausfällen in den vergangenen zwölf Monaten lasten die Anteilseigner offenbar nicht dem Konzernlenker an. David Bonderman, Chef des Verwaltungsrates, wird allerdings abgestraft: 70,5 Prozent nach 89 Prozent ein Jahr zuvor.

„Wir haben auf jeden Fall deutliche Mehrheiten“, sagt O’Leary. Ob er seinen Vertrag auch über 2019 verlängern werde? „Ich habe keine Ahnung, wann ich genug gehabt haben werde.“

Piloten haben Vertrauen ins Management verloren

Zur Abwahl aufgerufen hatten die deutsche Pilotenvereinigung Cockpit (VC) und der britische Pilotenverband Balpa. Das Verhältnis zwischen Management und Beschäftigten sei aus ihrer Sicht so stark beschädigt, dass es den weiteren Unternehmenserfolg gefährde. „Wir als Piloten, die eine maßgebliche Rolle für die weitere Zukunft des Unternehmens innehaben, haben das Vertrauen in das derzeitige Management verloren“, schrieben sie.

Ryanair kündigt wegen Streiks mögliche Stellenstreichungen an
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Piloten und Flugbegleiter streiten mit dem Management über Löhne und Arbeitsbedingungen. Die seien fast mit Stasi-Methoden vergleichbar, sagt VC-Verhandlungschef Ingolf Schumacher. „Wir haben es mit einem Regime zu tun, das Feindschaft und Überwachung nutzt, um seine Interessen durchzusetzen.“

Ryanair schüchterte streikende Flugbegleiter ein

So waren die Flugbegleiter, die vor zehn Tagen gemeinsam mit den Piloten in Deutschland streikten, gefilmt und mit Sanktionen belegt worden. Einschüchterungsversuche und Androhung von Disziplinarmaßnahmen müsse die Fluggesellschaft unverzüglich unterlassen, verlangte Verdi-Vorstandsmitglied Christine Behle. Die Tarifverhandlungen für die etwa 1000 Flugbegleiter in Deutschland werden an diesem Freitag fortgesetzt.

„Wir können uns nicht vorstellen, dass die gleichen Personen, die dieses System in zwanzig Jahren so weit getrieben haben, nun mit uns eine vernünftige Sozialpartnerschaft etablieren wollen“, kommentiert VC-Verhandlungsführer Schumacher, als die Aktionäre dem Ryanair-Management das Vertrauen ausgesprochen haben. Dazu gehöre auch, persönlich im Gespräch zu bleiben. Derzeit schreiben sich die beiden Tarifpartner oder telefonieren.

Bessere Arbeitsbedingungen wichtiger als Geld

Ryanair bietet seinen in Deutschland stationierten Piloten mittlerweile Festanstellung und Übernahme von Ausbildungskosten an, wie Ryanair-Manager Peter Bellew der „Zeit“ sagte. Doch den Mitarbeitern geht es nicht nur um mehr Geld, sondern vor allem um bessere Arbeitsbedingungen.

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So wünschen sie sich, dass sie nach jeweils nationalem Arbeitsrecht und nicht nach dem etwas laxeren irischen angestellt werden. Das sieht auch die EU-Kommission in Brüssel so. Ryanair müsse das in den einzelnen Mitgliedsstaaten geltende nationale Arbeitsrecht anwenden und die in der EU gültigen Sozialstandards beachten, sagte EU-Sozialkommissarin Marianne Thyssen der „Welt“.

Wieder Ryanair-Streik in der kommenden Woche

Am 28. September steht der nächste Streik bei Ryanair an: Dann treten die Flugbegleiter in Spanien, Italien, Portugal, Belgien und den Niederlanden in den Ausstand. In Italien wollen dann auch die Piloten die Arbeit niederlegen.

Die Zahlen des Konzerns sehen trotz Streiks recht gut aus. Im ersten Quartal des laufenden Geschäftsjahres 18/19 stieg der Umsatz um neun Prozent auf rund 2,1 Milliarden Euro. Die Zahl der Flugpassagiere legte um sieben Prozent auf 37,6 Millionen zu. Allerdings schrumpfte der Gewinn um ein Fünftel auf 319 Millionen Euro – wegen höherer Personalkosten und steigender Treibstoffpreise. Der Aktienkurs ist seit September 2017 um gut 30 Prozent gefallen.