Hamburg

Otto Group lockt Geldgeber mit Zins von vier Prozent

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Oliver Schade
Alexander Birken,
Vorstandsvorsitzender
der Otto Group

Alexander Birken, Vorstandsvorsitzender der Otto Group

Foto: dpa

Hamburger Versandhändler sammelt über Hybridanleihe 300 Millionen Euro ein. Für Investoren birgt diese Anlageform Risiken.

Hamburg.  Es ist erst das zweite Mal in der langen Unternehmensgeschichte des Otto-Konzerns, dass der Hamburger Versandhändler diesen ungewöhnlichen Weg zur Kapitalbeschaffung beschritten hat. Nach 2005 hat die Otto Group nun erneut eine sogenante Hybridanleihe platziert und über dieses Finanzinstrument 300 Millionen Euro eingesammelt. Für „allgemeine Unternehmenszwecke“, wie es aus der Zen­trale in Bramfeld heißt.

Institutionelle Anleger wie Banken und Versicherungen haben genauso zugeschlagen wie Privatpersonen. Und das kann mit Blick auf wichtige Kennzahlen kaum verwundern. Denn Otto bietet einen Zins von jährlich vier Prozent. Bereits ab einem Betrag von 1000 Euro konnte man das Papier zeichnen. Auch Sönke Niefünd, Leiter der Vermögensverwaltung bei der Hamburger Privatbank Otto M. Schröder, kommt zu dem Schluss: „Die Anleihe als Beimischung macht auch für Privatanleger Sinn.“

Hybridanleihen nicht ohne Risiko

Allerdings sind Hybridanleihen nicht ohne Risiko. Schließlich handelt es sich um nachrangige Papiere. Das heißt: Sollte der Otto-Konzern während der Laufzeit Insolvenz anmelden müssen, wäre das Geld wohl weg. Denn die Kapitalgeber würden eben nur nachrangig vom Insolvenzverwalter bedient. Derzeit bei der Otto Group an eine Pleite zu denken, ist allerdings fernab jeder Realität. Das Unternehmen floriert. Der Umsatz ist im Geschäftsjahr 2017/18 um mehr als neun Prozent auf 13,65 Milliarden gestiegen, der Gewinn vor Steuern, Zinsen und Abschreibungen (Ebitda) legte um 2,7 Prozent auf 750 Millionen Euro zu. Auch eine Verschiebung der jährlichen Zinszahlungen in Höhe von vier Prozent ist derzeit nicht zu befürchten. Allerdings könnte Otto die Zinszahlungen im Notfall aussetzen.

Nach sieben Jahren hat der Konzern zudem das Recht, die Anleihe zurückzuzahlen. Die Geldgeber könnten das Papier aber auch schon während der Laufzeit verkaufen – über die Börse. Hier besteht jedoch das Risiko, dass die Anleihe unter den Ausgabekurs von 100 Prozent fällt. Denn auch Anleihen unterliegen nicht selten starken Kursschwankungen. Bestes Beispiel dafür ist ein Papier von Hapag-Lloyd. Die Hamburger Reederei hatte im Juli 2017 eine Anleihe mit einem Zins von 6,75 Prozent ausgegeben. Der Kurs an der Börse entwickelte sich bis vor wenigen Wochen gut. Als Hapag-Lloyd aber Ende Juni eine Gewinnwarnung herausgeben musste, stürzte der Kurs innerhalb kurzer Zeit unter 100 Prozent. Mittlerweile liegt er wieder bei 103 Prozent.

Komplizierte Bilanzrichtlinien

Der Grund für die Wahl einer Hybridanleihe ist übrigens komplizierten Bilanzrichtlinien geschuldet. Denn im Gegensatz zu einer normalen Anleihe wird diese Form der Geldaufnahme als Eigenkapital angerechnet. So steigt die Eigenkapitalquote durch die Anleihe bei Otto nach Konzernangaben von 19,1 auf 23 Prozent. Der positive Nebeneffekt: Durch das Mehr an Eigenkapital wird es für Otto nun auch einfacher und billiger, an Bankkredite zu kommen.

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