Millionendeal

Otto verkauft Software-Firma, die in die Zukunft sehen kann

Alexander Birken ist der Vorstandsvorsitzende des Hamburger Handelskonzerns Otto

Alexander Birken ist der Vorstandsvorsitzende des Hamburger Handelskonzerns Otto

Foto: picture alliance/dpa

Blue Yonder sieht voraus, wie gut sich welche Mode verkauft. Warum sich der Hamburger Konzern dennoch von der Tochter trennt.

Hamburg. Der Hamburger Handelskonzern Otto trennt sich von einem seiner innovativsten Unternehmen: Voraussichtlich im August soll der Spezialist für Künstliche Intelligenz, Blue Yonder, an das amerikanische Computerunternehmen JDA Software veräußert werden, wie ein Otto-Sprecher am Mittwoch bestätigte.

Otto gehört zu den Gründungsinvestoren von Blue Yonder und hält derzeit noch 31,25 Prozent an der Karlsruher Tochtergesellschaft mit etwa 150 Mitarbeitern. Zweiter Investor ist die Beteiligungsgesellschaft Warburg Pincus. Ein Verkaufspreis wurde nicht genannt, es soll sich nach Abendblatt-Informationen aber um einen dreistelligen Millionenbetrag handeln.

Lieferzeiten und Retourenquoten reduzieren

Blue Yonder hat sich auf die Analyse von großen Datenmengen spezialisiert und ist dadurch in der Lage, präzise Vorhersagen etwa über die Verkaufszahlen bestimmter Artikel zu treffen. So können die Algorithmen etwa prognostizieren, wie viele Waschmaschinen in Bayern im April geordert werden oder welche Kleidungsstücke sich im Sommer gut verkaufen. In die Berechnungen fließen dabei Millionen von Daten ein, die von Bestellvorgängen in der Vergangenheit bis hin zu aktuellen Trendfarben reichen.

Für Handelsunternehmen sind solche Vorhersagen Gold wert, ermöglichen sie es doch, Lieferzeiten zu verkürzen, die Retourenquote zu senken oder den Kundenservice zu verbessern. Im Extremfall ist es so beispielsweise möglich, den Versand von Waschmaschinen vorzubereiten, bevor diese überhaupt real geordert wurden.

Konzentration auf Kernkompetenz

Dass sich der Handelskonzern Otto nun von diesem innovativen Unternehmen trennt, erscheint auf den ersten Blick überraschend. Immerhin hatte Konzernchef Alexander Birken im vergangenen Jahr noch in höchsten Tönen von dem Joint Venture geschwärmt.

Neben dem gebotenen Preis dürfte es vor allem zwei Gründe für den Verkauf geben: Zum einen konzentriere man sich im Rahmen der Konzernstrategie auf bestimmte Kernunternehmen wie den Onlinehändler Otto, About You oder Hermes, so der Otto-Sprecher. Zum anderen sei das Know-how zur Künstlichen Intelligenz mittlerweile fest in diesen Konzerngesellschaften verankert.

Unabhängig vom Verkauf wollen die Hamburger mit Blue Yonder zudem auch weiterhin eng zusammenarbeiten.