Fußball-Weltmeisterschaft

Lufthansa Technik bereitet schon den WM-Siegerflieger vor

Manuela Behrmann und Frank Koch in der Grafiker-Werkstatt bei Lufthansa Technik in Hamburg.  Auf dem Plotter liegt eine Folie, die als Lackierschablone dient

Foto: Andreas Laible

Manuela Behrmann und Frank Koch in der Grafiker-Werkstatt bei Lufthansa Technik in Hamburg. Auf dem Plotter liegt eine Folie, die als Lackierschablone dient Foto: Andreas Laible

Holt Deutschland den Titel 2018? Bei Lufthansa Technik werden für diesen Fall schon Vorbereitungen getroffen.

Hamburg.  Frank Koch hat die Endphase der Fußball-Weltmeisterschaft 2014 in Brasilien noch ganz besonders lebhaft in Erinnerung – aus beruflichen Gründen. „Das war schon wirklich sehr hektisch“, sagt er. Schließlich ist Koch bei Lufthansa Technik in Hamburg einer der Mitarbeiter des Teams, das den Siegerflieger-Aufkleber für den Jumbojet, der die Nationalmannschaft nach dem Titelgewinn nach Deutschland zurückflog, produziert hat.

„Wir hatten nur fünf Tage Vorlauf“, so Koch. Dabei gehört der goldfarbene Schriftzug mit einer Gesamtlänge von rund 13 Metern zu den größeren „Werken“ der Abteilung Graphic Solutions. Außerdem gab es noch einen zweiten Foliensatz für den Fall, dass Deutschland nur Vizeweltmeister geworden wäre: Die Worte „Danke, Jungs!“ hätten dann auf dem Flugzeug geprangt.

Jeder Aufkleber hat eine eigene Teile-Nummer

Sechs Mechaniker waren mit beiden Versionen nach Rio de Janeiro gereist, um den richtigen Aufkleber gleich nach dem Spiel anzubringen. Das dauerte immerhin acht Stunden. „Als die Kollegen anfingen, war das Spiel noch nicht abgepfiffen“, sagt Koch. Jedenfalls wurde der von der Hamburger Agentur Kolle Rebbe gestaltete Schriftzug ein PR-Erfolg: Auf Twitter war der Hashtag #siegerflieger zeitweise einer der weltweit meistgenutzten Begriffe.

„Auch für die diesjährige WM haben wir etwas vorbereitet“, sagt Koch. Es geht dabei um die Aufkleber für den Lufthansa-Airbus A321, der die Nationalmannschaft zu den Spielorten in Russland fliegen wird. Mehr darf Koch noch nicht verraten.

Auch ohne solche Sonderaufträge ist die Arbeit der Hamburger nicht langweilig. „Hier ist keine Stunde wie die andere“, sagt die Teamleiterin Manuela Behrmann. Schon die Vielfalt der von den Grafikern mit modernsten Geräten ausgedruckten Folien ist enorm: Ein Großraumflugzeug benötigt knapp 3000 Aufkleber, etwa zwei Drittel davon im Innenraum. Die kleinsten von ihnen sind fünf Millimeter hoch und für Kabelbeschriftungen gedacht. Einige der Klebefolien, etwa Warnhinweise an den Triebwerken, sind sicherheitsrelevant; ohne sie darf ein Jet nicht abheben. Wird ein solcher Aufkleber durch Hy­draulikflüssigkeit beschädigt oder löst er sich ab, muss ganz schnell Ersatz her.

2017 fertigte das Team 550.000 Aufkleber

Weil die Folien nach dem Anbringen ein fester Bestandteil des Flugzeugs sind, gelten auch für sie die üblichen luftfahrtrechtlichen Vorschriften. Das bedeutet: Jeder einzelne Aufkleber hat eine eigene Teile-Nummer, für jeden wird eine Dokumentation mitgeliefert, die dann zu den technischen Unterlagen des Flugzeugs gehört. Die Beschreibung der Folien umfasst jeweils sieben bis elf Seiten und enthält zum Beispiel Angaben über das Material, den Herstellungszeitpunkt und den Namen des Bearbeiters. „Im vergangenen Jahr haben wir hier 550.000 Aufkleber fertiggestellt“, sagt Behrmann. Manche von ihnen werden allerdings gleich wieder abgezogen: Es handelt sich um Schablonen für Lackierer. Diese Folien decken Teile des Flugzeugs ab, die beim Aufsprühen einer Farbschicht ausgespart bleiben sollen. Alle anderen Aufkleber auf der Außenhaut des Jets jedoch müssen enormen Belastungen standhalten: Die Temperatur kann sich innerhalb von 20 Minuten um 90 Grad Celsius verändern, die UV-Strahlung in elf Kilometern Flughöhe ist äußerst intensiv – und dann ist da noch der „Fahrtwind“ von mehr als 900 Kilometern pro Stunde. „Damit er keine Angriffsfläche hat, wird vor allem die Vorderkante der Folie nach dem Aufkleben mit einer Schicht Klarlack versiegelt“, erklärt Koch.

Spannend wird es immer dann, wenn Vorlagen für große Schmuckaufkleber von externen Designagenturen hereinkommen. Solche Entwürfe werden meist zweidimensional am Computer erstellt. Würde man sie unverändert auf den tonnenförmigen Flugzeugrumpf übertragen, kann es zu Überraschungen kommen. „Eine kreisrunde Form wie im Logo des FC Bayern München wirkt dann eiförmig“, so Koch. Daher muss man in solchen Fällen einen leicht eiförmigen Aufkleber drucken – er wird auf dem Rumpf als rund wahrgenommen. Gelegentlich vergessen Designer auch, dass am „echten“ Flugzeug die Tragflächen wichtige Bildelemente für die Betrachter verdecken würden.

Siegerflieger-Schriftzug in einezelnen Bahnen

Behrmanns Team hat die Erfahrung, auf so etwas zu achten. Unter den sieben Mitarbeitern sind Maler, Flugzeuglackierer, Flugzeugstrukturmechaniker sowie Schilder- und Lichtreklamehersteller. Hilfreich sei, dass sich das Material für die Aufkleber in den zurückliegenden Jahren deutlich verbessert habe, sagt Koch: „Wenn man die modernen Hochleistungsfolien mit Heißluft erwärmt, passen sie sich der Oberflächenkontur mit ihren Nietköpfen und anderen Unebenheiten gut an.“

Außerdem können großflächige Folien mit einer Perforation versehen werden, damit sich unter ihnen nicht so leicht Luftblasen bilden. Noch immer ist die Folienbreite allerdings auf rund 1,60 Meter beschränkt – Aufkleber wie der Siegerflieger-Schriftzug werden daher in einzelnen Bahnen aufgebracht.

Zwar gibt es am Lufthansa-Technik-Standort Sofia (Bulgarien) inzwischen ein zweites, etwas kleineres Grafikteam. Doch die Kollegen dort bearbeiten­ Routineaufträge, Neuherstellungen sind wegen der dafür erforderlichen Lizenzen den Hamburgern vorbehalten. „Nicht alle Wünsche von Kunden können wir genau nach ihren Vorstellungen umsetzen“, sagt Manuela Behrmann, „aber ein Nein haben wir uns abgewöhnt.“

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