Kosmetik

Das Geschäft mit den schönen Augenbrauen in Hamburg

Auf Expansionskurs: Nun ist Doreen Koch mit ihrer Twinkle Brow Bar auch im Alsterhaus

Auf Expansionskurs: Nun ist Doreen Koch mit ihrer Twinkle Brow Bar auch im Alsterhaus

Foto: Andreas Laible

Kosmetikstudios wie die Twinkle Brow Bar liegen im Trend. Die Zahl der Neueröffnungen ist rasant gestiegen.

Hamburg.  Was ein paar kleine Haare mehr oder weniger ausmachen können. Jünger aussehen lassen, zum Beispiel. Interessanter. Oder die Augen vergrößern. Wenn man Doreen Koch fragt, ist die Wirkung auf jeden Fall enorm. Es geht um Augenbrauen, gerne auch als Rahmen für das Gesicht geadelt. „Da kann man richtig viel machen“, sagt die Wahlhamburgerin. „Aber auch viel falsch.“ Sie kennt sich aus mit Haaren und mit Make-up. Vor gut drei Jahren hat sie sich mit einem kleinen Studio rund um das Auge selbstständig gemacht. Damals gehörte sie zu den Pionieren, inzwischen hat die 33-Jährige ihre vierte Twinkle Brow Bar eröffnet, beschäftigt im Familienbetrieb 30 Mitarbeiter, plant die Expansion nach Berlin – und ist so etwas wie die Meisterin der Augenbrauen.

Haare mit Wurzeln rausziehen

Warum Twinkle? Das ist englisch und heißt übersetzt so viel wie zwinkern, blinzeln. Und das tut man nun mal mit den Augen. Jenny Andresen ist an diesem Morgen die erste Kundin in dem kleinen Shop im runderneuerten Beauty-Bereich des Hamburger Alsterhauses. Die 29-Jährige sieht müde um die Augen aus und ein bisschen skeptisch, als sie auf einem der Behandlungssessel Platz nimmt. Aber sie hat einen Gutschein, den sie einlösen will.

Knapp 20 Minuten braucht Twinkle-Mitarbeiterin Ilka Scholle, um die Brauen der Hamburgerin mit der sogenannten Fadentechnik in Form zu bringen. „Das Gute an der Methode ist, sie sehr sanft und gleichzeitig genau ist. Der Flaum wird mit entfernt, wodurch eine sehr klare Form entsteht“, sagt Chefin Doreen Koch. Ganze Haarreihen werden samt Wurzel rausgezogen. Im Alsterhaus kostet die Basisbehandlung 19 Euro, in den anderen Twinkle Brow Bars sind es zwei Euro weniger. Zum Schluss gibt es eine Massage mit beruhigendem Gel.

Das Bewusstsein für Augenbrauen sei in den vergangenen Jahren gestiegen, sagt Doreen Koch. Models mit ausdrucksvollen Brauen, wie die Britin Cara Delevingne, leiteten den Trend ein. Modezeitschriften und Blogger berichten längst regelmäßig, Tutorials instruieren über perfekte Styling-Tipps. Allein in Hamburg gibt es inzwischen knapp 20 Browbars – Tendenz steigend. „Aber als ich angefangen habe, wollte mir die Bank keinen Kredit geben“, erinnert sich die Twinkle-Brow-Bar-Gründerin Koch. Die gebürtige Rostockerin hatte nach ihrer Friseur-Lehre und einer Weiterbildung als Hair- und Make-up-Artist bei internationalen Modeschauen, TV-Shows und in der Werbung als Stylistin gearbeitet – und Hausfrauen und Promis geschminkt. „Wenn man so viele Erfahrungen gesammelt hat, weiß man, was Kleinigkeiten im Gesicht ausmachen“, sagt die zierliche Frau. Augenbrauen, wusste sie früh, sind ihr Thema.

Auszeit im Alltag

Bei Reisen in die USA, nach London und in die Türkei sah sie, dass es dort schon spezialisierte Studios gab – und dass sie funktionierten. Im Juni 2014 eröffnete sie ihren ersten Shop auf 35 Quadratmetern im Einkaufszentrum Hamburger Meile. Für Vermietungen war eine Frau zuständig, das sei ihr Glück gewesen, sagt sie und lacht. Mit 40.000 Euro Startkapital ging es los. Ehemann Jan Koch, ehemaliger Profi-Fußballer und studierter Betriebswirt, baute mit seinem Vater den Laden um. „Wir haben aufgemacht und die Kunden sind gekommen“, sagt Doreen Koch. Über Mund-zu-Mund-Propaganda sprach sich das Konzept herum. „Mini-Spa-Feeling“ nennt Koch das. „Eine kleine Auszeit im Alltag“, für welche die Kosten in der Haushaltskasse nicht auffallen. Irgendwann kamen so viele, dass sich auf den Center-Gängen lange Warteschlagen bildeten. „Da herrschte manchmal Ausnahmezustand“, sagt die Geschäftsfrau. Inzwischen gibt es ein Wartenummern-System.

In Hamburg hat sich die Zahl der Kosmetikstudios nach der Statistik der Handwerkskammer binnen zehn Jahren zwischen 2006 und 2016 von 593 auf 836 erhöht. Spezialisierung spielt dabei eine zunehmende Rolle, vom Nagelstudio bis zur Wimpernverlängerung. „Die Möglichkeiten im Kosmetikbereich sind sehr umfangreich und es gibt ständig neue Trends“, sagt Doreen Koch. „Die Kundinnen wollen nicht mehr zur Kosmetikerin, die alles macht, sondern zum Spezialisten.“

Zu den Vorreitern im Geschäft mit den Augenbrauen-Styling „to go“ zählt das Unternehmen Benefit Cosmetics, das zum französischen Luxuskonzern LVMH Moët Hennessy – Louis Vuitton gehört. Zehn Shop-in-Shop-Browbars hat Benefit inzwischen in Hamburg eröffnet, im Alsterhaus, in Karstadt-Filialen und in Geschäften der Parfümerie-Kette Douglas. In einer knappen halben Stunde werden dort die Augenbrauen mit Heizwachs in Form gebracht und auf Wunsch auch gefärbt. Neu auf dem Markt ist die bb Browbar des Hamburger Unternehmers Björn Behrendt. Behandelt wird in einer Art offenem Pavillon, Schwerpunkt sind Augenbrauen, aber man kann auch Wimpern verlängern oder färben lassen. Gestartet war der Deutsch-Australier mit Geschäftspartnerin Emilia Benz im März im Elbe Einkaufszentrum. „Es wird sehr gut angenommen“, sagt er. Inzwischen hat das Unternehmen acht Mitarbeiter, in diesen Tagen eröffnet die zweite bb Browbar in der Europa Passage. Schon bald soll ein dritter Standort folgen.

Es ist nicht einfach, gute Mitarbeiter zu finden

Auch die Twinkle Brow Bar wächst. Im März 2016 eröffnete ein Shop im Harburger Phoenix-Center, im November folgte das Alstertal Einkaufszentrum. Doreen Koch und ihre Schwester Fanny teilen sich die Leitung, auch Ehemann Jan ist inzwischen in den Familien­betrieb eingestiegen und verantwortet als Business Development Manager Finanzen und Personal. Über Umsatzzahlen schweigt sich der 33-Jährige aus, Geschäftsgeheimnis. „Aber wir haben 60.000 Augenbrauen gezupft“, sagt er.

Zusätzlich werden weitere Behandlungen rund um Wimpern und Augen angeboten. Eine große Herausforderung ist es, gute Mitarbeiter zu finden. Im Moment arbeiten Kosmetikerinnen, Friseurinnen aber auch Quereinsteigerinnen in den Shops. „Wir lernen alle in vier bis sechs Wochen an“, sagt Doreen Koch. Eine offizielle Berufsbezeichnung als Brow-Stylist gibt es nicht. „Aber das wird sich ändern“, sagt sie.

Die Kochs jedenfalls tun alles dafür. Die Expansion des Familienbetriebs geht weiter. Im nächsten Frühjahr soll die nächste Twinkle-Brow-Bar im Hamburger Westen eröffnen. Erst seit Juni sind sie im Alsterhaus, übrigens direkt neben der Konkurrenz von Benefit. „Wir wollten in die Innenstadt“, sagt Doreen Koch. Es ist noch nicht so lange her, dass sie in dem Nobel-Kaufhaus als Freiberuflerin neben ihren Styling-Jobs für wenig Geld gearbeitet hat. Jetzt ist sie hier Chefin mit eigener Marke und seit neuestem auch mit einer Kosmetik­linie. Das erste Produkt ist ein Augenbraunstift, den es in sechs Farben gibt. „Wir wollten etwas, das einfach zu bedienen ist“, sagt sie. Kundin Jenny Andresen ist von ihrem ersten Mal ziemlich angetan. „Ich freue mich über die schöne Form“, sagt sie, während sie im Spiegel ihre Augenbrauen betrachtet. „Und es tat nicht weh.“