Hamburg

Auf dem Fußpflegethron: Urban spa expandiert

urban-spa-Gründerin Patrizia Wagner in der Filiale Papenhuder Straße

urban-spa-Gründerin Patrizia Wagner in der Filiale Papenhuder Straße

Foto: Michael Rauhe

Hamburger geben immer mehr Geld für Körperpflege aus. Davon profitieren Ketten wie urban spa. Weitere Standorte in der City geplant.

Hamburg.  Patrizia Wagner war es leid, immer nur am Schreibtisch zu sitzen. „Ich bin absolut kein Bürotyp“, sagt die energiegeladene Frau lachend. Ein Angestelltendasein kam für die Hamburgerin daher nicht infrage, das internationale Marketingstudium und einige Auslandserfahrungen brachten sie aber bald auf eine andere Idee: Warum gibt es in Deutschland nicht stylische Beautylounges wie in den USA?

Gedacht, getan. Sie recherchierte im Internet und tüftelte ein Raumkonzept aus. Vor acht Jahren machte sie sich selbstständig und eröffnete das erste urban spa. Heute finden die Hamburger die Beautylounge mit ihrer weiß-graubraunen Einrichtung an vier Standorten, in Winterhude, Uhlenhorst, Ottensen und Poppenbüttel. Zu den Angeboten zählen zum einen das klassische Programm mit Gesichtskosmetik (79 Euro für 75 Minuten) und Ganzkörpermassage (49 Euro für 50 Minuten), zum anderen Spezialitäten wie vegane Fußpflege für 46 Euro.

Was Wagner bei Reisen in New York oder Brasilien kennengelernt hatte, in Ländern, wo sich die Frauen beinahe wöchentlich eine neue Farbe auf die Fußnägel lackieren lassen, etabliert sich heute auch immer mehr in Deutschland. Bekannte Marken wie Nivea entwickeln eigene Spas, wo sich die Kunden mit Masken oder Massagen und den entsprechenden Cremes und Ölen verwöhnen lassen können. Wellnessanbieter wie Aspria oder Meridian springen auf den Zug auf. Und neben urban spa wachsen weitere Ketten wie Adam & Eve Kosmetikstudios – in Hamburg und anderen Städten.

Standorte in der City und in Norderstedt geplant

„Wir planen weitere Standorte in der Innenstadt, aber auch in Randlagen der Region wie Norderstedt“, sagt Wagner über ihre Expansionspläne. In der City will sie selber investieren, für kleinere Nachbargemeinden sucht die 35-Jährige Franchisenehmer. „Es gibt in unserer Branche noch Luft nach oben“, ist die Unternehmerin überzeugt. Einzig die Nachwuchskräfte machen ihr Sorgen. Kosmetikerinnen verdienen bei ihr zehn bis 15 Euro die Stunde plus Provisionen für den Verkauf von Produkten. „Aber vielen jungen Leuten fehlen heute das Durchhaltevermögen und die Disziplin für den Job.“

Marktstudien bestätigen, dass die Deutschen immer mehr Geld für Schönheit und Wellness ausgeben. „Der Event-Konsum spielt eine immer größere Rolle bei den Verbrauchern“, sagt der GfK-Konsumforscher Rolf Bürkl. Der Bereich Gesundheit und Wellness setzte nach aktuellen Angaben zuletzt 105 Milliarden Euro in Deutschland um. Weltweit ist das Schönheits- und Anti-Aging-Segment mit einem Marktvolumen von circa einer Billion US-Dollar (rund 883 Milliarden Euro) ebenfalls ein Schwergewicht der Industrie.

Gut sechs Millionen Deutsche interessieren sich nach einer Umfrage besonders für Wellness-Angebote. Bundesweit besuchen etwa zwei Millionen Menschen einmal im Monat ein Wellness-Studio. Mehr als die Hälfte der Frauen bevorzugen insbesondere Massagen, während Männer hingegen lieber in die Sauna gehen.

Der Erlebniswert ist auch Wagner wichtig. Sie hat die Räume so gestaltet, dass eine ganze Reihe Frauen nebeneinander auf dem Fußpflegethron Platz nehmen können, in erhöhter Position, mit Abstellflächen für das Gläschen Prosecco. „Wir haben im Sommer jeden Sonnabend Junggesellinnenabschiede“, sagt die Kosmetik-Expertin, die das Handwerk in etlichen Schulungen und Seminaren erlernt hat. Auch Kolleginnen buchten die Behandlungen gemeinsam, erzählt die Unternehmerin. Letztens sei eine Gruppe von Google gekommen, um sich im urban spa verwöhnen zu lassen. Zu den Kunden zählten aber auch Arztpraxen oder Steuerberaterkanzleien.

Vier Stunden pro Woche für die Körperpflege

„Jeder will doch gut aussehen, und wir haben hier besonders viele Berufstätige“, bestätigt Sultan Kara, eine alte Schulfreundin der Gründerin. Sie hat ihren Job als Architektin aufgegeben, um das Studio auf der Uhlenhorst zu führen. Beide Beautyexpertinnen beobachten, dass viele deutsche Frauen der Schönheit mehr Beachtung schenken als früher. Nägel mit Shellac, Waxing-Behandlungen, unechte Wimpern – der Fantasie sind bei der Pflege kaum Grenzen gesetzt. Eine internationale GfK-Studie in 22 Ländern zeigt, dass die Menschen im Schnitt vier Stunden pro Woche mit Körperpflege zubringen (Baden, Rasieren, Anziehen, Haare, Make-up).

Frauen wenden dafür mehr Zeit auf als Männer (42 Minuten/Tag versus 27 Minuten/Tag). Deutsche Befragte liegen hier über dem internationalen Durchschnitt. Die Gründe dafür: Die Befragten hierzulande nennen mit 70 Prozent am häufigsten, dass sie sich selbst gut fühlen möchten. Und etwas mehr als die Hälfte achtet auf ihr Äußeres, um dem Partner oder der Partnerin zu gefallen. Fast jeder Zweite (46 Prozent) will so gut wie möglich aussehen, um damit seine eigene Persönlichkeit auszudrücken.

Auch für Firmenchefin Wagner gilt: Sie möchte sich gut in ihrer Haut fühlen – und ihre Persönlichkeit, ihren Charakter ausleben. Ihre Studios, die jeweils etwa 15.000 Euro Umsatz im Monat einbringen, tragen dazu bei: Ihren früheren Bürojob vermisst sie keinen einzigen Tag.