Tierhaltung

Tierwohllabel verteuert Schweinefleisch um 20 Prozent

Schweine sollen mehr Platz in den Ställen bekommen.

Schweine sollen mehr Platz in den Ställen bekommen.

Foto: Marijan Murat / dpa

Mit dem geplanten staatlichen Tierwohllabel soll die Schweinehaltung besser werden. Verbraucherschützer fordern noch strengere Regeln.

Berlin.  Mehr Platz in den Ställen, begrenzte Tiertransporte und ein Verbot von betäubungslosen Kastrationen von Ferkeln – dies sind nur einige der rund ein Dutzend neuen Bedingungen für die Haltung von Schweinen, die Landwirte in Deutschland künftig erfüllen müssen, wenn sie ihr Fleisch unter dem geplanten Staatlichen Tierwohllabel verkaufen wollen.

„Mein Ziel ist es, Deutschland zum Trendsetter beim Tierwohl zu machen“, kündigte Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt (CSU) bei der Vorstellung der Kriterien am Dienstag an. „Ich will eine neue Zeit in der Tierhaltung einleiten.“

Produkte nicht vor 2018 erhältlich

Verbraucher sollen mit der neuen Kennzeichnung sofort Fleischprodukte erkennen können, bei deren Erzeugung bessere Bedingungen eingehalten wurden als die gesetzlichen Mindeststandards. Ziel des Ministers ist es, dass mittelfristig 30 bis 40 Prozent des Schweinefleischs nach den neuen Kriterien produziert und verkauft wird.

Die Produkte sind aber nicht vor 2018 erhältlich. Die ersten Betriebe werden frühestens nächstes Jahr qualifiziert. Ein Gesetzentwurf dazu sei in Arbeit.

Verbraucher bereit, mehr zu zahlen

Die Herstellung und Vermarktung nach den Ansprüchen des Labels verteuere die Produkte um mindestens 20 Prozent. Dennoch sieht Schmidt gute Chancen für eine große Nachfrage: „88 Prozent der Verbraucher sind nach Umfragen bereit, mehr für Fleisch zu bezahlen, wenn die Tiere besser gehalten werden.“ Gleichzeitig biete das Tierwohllabel aber auch Landwirten gute Chancen, über dieses Qualitätssiegel ihre Einnahmen zu stabilisieren.

Agrarminister Schmidt plant staatliches Tierschutzlabel
Agrarminister Schmidt plant staatliches Tierschutzlabel

Konkret sieht das Staatliche Tierwohllabel zwei Kategorien vor: Eine Eingangsstufe und eine Premiumstufe. In beiden Klassifizierungen ist die Haltung von Schweinen – wie Platzangebot, Futter, Stallstruktur, Tiergesundheit, Transportdauer oder Schlachtung – definiert. In der Eingangsstufe sind die Bedingungen schlechter als in der Premiumstufe, doch beide Kategorien liegen laut Schmidt „deutlich über den gesetzlichen Standards“.

Das Label soll langfristig auch auf andere Tierarten erweitert werden

So stehen den Tieren in der Eingangsstufe im Schnitt rund 30 Prozent mehr Fläche im Stall zur Verfügung als bislang vorgeschrieben, in der Premiumstufe müssen es 70 Prozent mehr sein. Das Kupieren von Schwänzen ist in der oberen Stufe komplett verboten, Tiere dürfen auch nicht mehr als sechs Stunden transportiert werden statt bisher acht Stunden. Zudem werden alle Bauern zu jährlichen Fortbildungen zu Tierschutzthemen verpflichtet.

Die Aufzucht eines Tieres in der Eingangsstufe kostet die Erzeuger und Landwirte laut Ministerium etwa 20 bis 30 Euro mehr als bislang, in der Premiumstufe 50 Euro. Für die notwendigen Investitionen müssten die Bauern entsprechend höhere Preise erzielen. Das Label soll langfristig auch auf andere Tierarten erweitert werden. Mit der Geflügelwirtschaft sei das Ministerium bereits in Gesprächen.

Verbraucherschützer kritisieren die Kriterien als unzureichend

Den Verbraucherschützern geht die Initiative jedoch noch nicht weit genug. Die geplanten Tierwohlkriterien „sind schwächer als die des bislang am Markt erhältlichen Label des Deutschen Tierschutzbundes“, kritisiert Klaus Müller, Vorstand des Verbraucherzentrale Bundesverbands (vzbv) gegenüber dieser Redaktion. „Wir haben uns vom Bundesminister einen Standard für ein staatliches Label gewünscht, der sich stärker am Label des Deutschen Tierschutzbunds orientiert und somit schon in der Eingangsstufe deutliche Verbesserungen für das Tierwohl bedeutet.“

Lediglich das Premiumlabel verdiene weitestgehend seinen Namen. „Die Einstiegsstufe kann aber nur als Übergangsphase für die Tierhalter gesehen werden“, meint Müller. Für diese Stufe muss im Gesetz eine Dynamik vorgesehen werden, damit sich Standards für die Tiere konsequent verbessern.“

„Freiwilliges Label ist der grundfalsche Ansatz“

Auch die Verbraucherorganisation ist nicht zufrieden: „Ein freiwilliges Label ist der grundfalsche Ansatz, weil es für Millionen von Tieren keinerlei Verbesserungen bringen wird und uns weiter weg bringt von der dringend gebotenen Lösung für 100 Prozent der Nutztiere“, sagt der Geschäftsführer Martin Rücker dieser Redaktion.

„Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt sollte die Pläne für sein freiwilliges Tierwohllabel zurück in die Schublade legen und auf gesetzliche Vorgaben hin arbeiten, damit alle und nicht nur einige wenige Nutztiere tiergerecht gehalten werden.“