Online-Marktplätze

Handwerkerportal – Wie eine US-Firma MyHammer kaufte

Jeff Kip ist Chef des US-Handwerkerportals Homeadvisor. Das Unternehmen hat die Berliner Plattform MyHammer gekauft.

Jeff Kip ist Chef des US-Handwerkerportals Homeadvisor. Das Unternehmen hat die Berliner Plattform MyHammer gekauft.

Foto: Reto Klar

Handwerker bieten auf dem Marktplatz MyHammer Arbeiten rund um das Haus an. Die Berliner Firma wurde von US-Unternehmern übernommen.

Berlin.  Ein vergilbter Anstrich, ein verkalkter Durchlauferhitzer, eine defekte Kochplatte, die streikende Heizung oder ein verschlissener Fußboden – Handwerker sind gefragte Menschen. Wer sich bei solchen Arbeiten nicht auf Empfehlungen von Freunden verlassen kann oder eine Fachkraft kennt, hat ein Problem. Und selbst dann ist Geduld gefragt: Wartezeiten von neun Wochen sind an der Tagesordnung, wie Zahlen der Handwerkskammer zeigen. Denn nie zuvor liefen die Geschäfte für Handwerker so gut wie jetzt. Das Internet macht die Suche einfacher.

Jeff Kip hat sich auf die Vermittlung von Handwerkern im Internet spezialisiert. Mieter oder Hausbesitzer bieten auf seinem Marktplatz Handwerkern Arbeitsprojekte an. Der Amerikaner aus Boston (US-Bundesstaat Massachusetts) ist neuerdings alle paar Wochen in Berlin. Er ist Chef des Internet-Marktplatzes Homeadvisor – in den USA Marktführer bei den Handwerksleistungen rund ums Haus. „In den USA sehen wir gigantische Wachstumsräume. Wir glauben, dass das in Europa genauso ist“, sagt er.

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Marktführer in Europa

Das ist der Grund, warum Homeadvisor das Berliner Unternehmen MyHammer für eine nicht genannte Summe gekauft hat. „Aus strategischer Sicht ist es wichtig, Marktführer in Deutschland, Frankreich und Großbritannien zu sein, wenn man Marktführer in Europa werden will“, skizziert der CEO von Homeadvisor seine Strategie. „MyHammer ist der eindeutige Marktführer in Deutschland und die deutsche Wirtschaft ist die größte in Europa.“

Dienstleistungen rund ums Haus werden immer häufiger über das Internet organisiert und online gebucht. In der Altersgruppe der 30- bis 49-Jährigen hat bereits jeder Fünfte (21 Prozent) Dienstleistungen rund um den Haushalt schon einmal im Internet gebucht, so eine Studie des Branchenverbandes Bitkom aus dem Jahr 2017.

Suche nach Malern und Lackierern

MyHammer hat sich diesen Trend detaillierter angesehen und 600.000 Aufträge an Handwerker und handwerksnahe Dienstleister untersucht. In Hamburg wird das Internet mit Abstand am häufigsten genutzt, um professionelle Helfer für Haus und Garten zu finden. So liegt die Zahl der Ausschreibungen in Hamburg, gemessen an der Anzahl der Haushalte, mehr als 83 Prozent über dem bundesweiten Durchschnitt. Auch in Berlin ist die Nachfrage nach Fachkräften aus dem Netz rund 56 Prozent höher als üblich.

Kip will das digitale Angebot auf diesem Gebiet optimieren. „Wir wollen uns auf Handwerksleistungen rund ums Haus konzentrieren – und auf einem hohen Qualitätsniveau. Wir werden weiter das machen, was wir bereits tun, aber wir wollen noch besser werden.“ Dazu bietet Technologie viele Optionen. „Kunden sollen in Zukunft statt mit Mails auch per VoiceChat oder per Video mit dem Handwerker kommunizieren können. „Man kann sich da viele Möglichkeiten vorstellen, auch neue Technologien bei der Bezahlung sind denkbar“, sagt Kip.

Bedarf an Fachkräften

Im vergangenen Jahr suchten Auftraggeber im Internet am häufigsten nach Malern und Lackierern. Rund 11,6 Prozent aller ausgeschriebenen Aufträge fallen in diese Kategorie. Ähnlich begehrt sind auch Umzugs- und Transportunternehmen. Etwa jede zehnte Anfrage richtet sich an einen professionellen Umzugshelfer. Einen großen Bedarf an Fachkräften aus dem Netz gibt es zudem in den Bereichen Sanitär, Heizung, Klima (8,1 Prozent), Elektrik (5,8 Prozent) und Fliesenlegen (5,3 Prozent).

MyHammer finanziert sich über regelmäßige Beitragszahlungen der registrierten Handwerker. Für Auftraggeber ist die Nutzung des Portals mit keinen Kosten verbunden. Das Unternehmen beschäftigt 60 Mitarbeiter und bezeichnet sich selbst als Deutschlands größtes Handwerker-Portal im Internet.

Übernahme durch Homeadvisor

„Als MyHammer zum Verkauf stand, waren wir sehr interessiert“, sagt Jeff Kip. „Wenn es einen liquiden Marktplatz gibt, der gut läuft und bei dem Marke und Produkt gut sind, ist das viel einfacher als das aus dem Nichts aufzubauen.“ Mit der Übernahme durch Homeadvisor wurde MyHammer Teil eines europäischen Verbunds von Handwerkerplattformen, zu dem auch die jeweiligen Marktführer in Frankreich, www.Travaux.com, und in den Niederlanden, www.werkspot.nl, sowie www.instapro.it in Italien gehören.

Über die Plattformen der Gruppe wurden im vergangenen Jahr europaweit rund zwei Millionen Aufträge im Wert von mehr als vier Milliarden Euro im Jahr eingestellt. Etwa 60.000 Handwerksbetriebe in sechs Ländern sind auf den Portalen aktiv und nutzen die digitalen Angebote.

Hoher Wiedererkennungswert

Die Marke MyHammer solle auf jeden Fall erhalten bleiben, sagt Kip. „Weil der Namen einen großen Anteil am Wert der Marke hat und einen hohen Wiedererkennungswert. Zudem funktioniert die Marke gut. Warum sollten wir diesen Wert aufs Spiel setzen.“

MyHammer wächst und arbeitet profitabel, wie den am Donnerstag veröffentlichten Geschäftszahlen zu entnehmen ist. Danach machte das Unternehmen im Jahr 2016 einen Umsatz von 9,5 Millionen Euro und einen Gewinn von 1,4 Millionen Euro. Im Jahr 2015 standen mit 8,1 Millionen Euro Umsatz und 500.000 Euro Gewinn deutlich niedrigere Zahlen in den Büchern.