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Die deutschen Konzerne fahren 2016 Rekordgewinne ein

Timotheus Höttges, der Vorstandsvorsitzende der Deutschen Telekom AG.

Timotheus Höttges, der Vorstandsvorsitzende der Deutschen Telekom AG.

Foto: Marius Becker / dpa

Den deutschen Unternehmen geht es so gut wie nie. Die Bundesbürger haben wenig davon – ihre Vermögen sind im EU-Vergleich niedrig.

Berlin.  Es läuft richtig rund in Deutschlands großen Konzernen. Im laufenden Jahr steuern sie auf Rekordgewinne zu, wie das Beratungsunternehmen EY (Ernst & Young) ermittelt hat. Das wird vor allem die Aktionäre freuen, die sich auf ordentliche Dividenden einstellen können. Auch der ein oder andere Mitarbeiter kann sich möglicherweise auf Bonuszahlungen einstellen. An den meisten Deutschen wird der Zuwachs vermutlich vorbeigehen. Der Anteil der deutschen Aktionäre ist klein. Der Anleger setzt eher auf vermeintlich sichere, aber sehr niedrig verzinste Anlagen wie Sparbücher – entsprechend niedrig ist im EU-Vergleich das Vermögen, wie die Europäische Zentralbank (EZB) ermittelte. Griechen und Spanier besitzen da deutlich mehr.

Zunächst die nackten Zahlen: Die 100 umsatzstärksten börsennotierten Unternehmen Deutschlands wiesen in den ersten neun Monaten 2016 insgesamt 89,5 Milliarden Euro Gewinn vor Steuern und Zinsen aus, ein Plus von 24 Prozent im Vergleich zum gleichen Zeitraum 2015, wie EY ermittelt hat. Den Beratern zufolge handelt es sich um einen Rekordwert.

Daimler verzeichnete den größten Gewinn

Den meisten Gewinn verzeichneten dabei die Autokonzerne, allen voran Daimler. In den ersten neun Monaten betrug der Vorsteuergewinn 9,4 Milliarden Euro. Auf Platz zwei folgt der angeschlagene VW-Konzern. Trotz Abgasskandal kommen die Wolfsburger auf 8,6 Milliarden Euro. Rang drei belegt die Deutsche Telekom mit 8,2 Milliarden Euro.

Der Gewinn stieg übrigens nicht, weil sich das Geschäft kräftig ausgeweitet hat. Die Berater von EY ermittelten, dass der Gesamtumsatz der betrachteten Unternehmen um 2,7 Prozent auf 1,2 Billionen Euro sank. Die Firmen sind also unter anderem effizienter geworden in dem, was sie tun. Wer nun denkt, die Unternehmen hätten dafür Stellen gestrichen, irrt. Wie EY ermittelte, stellten die Konzerne in den ersten neun Monaten 2016 sogar ein. Die 100 umsatzstärksten börsennotierten Unternehmen beschäftigten zum 30. September rund 4,8 Millionen Mitarbeiter, 1,9 Prozent mehr als ein Jahr zuvor.

Banken wie die Deutsche Bank hatten Probleme

Es gab allerdings auch einige Sonderentwicklungen, die das Gewinnplus trieben. Verantwortlich für das starke Gewinnplus seien ferner Ergebnissprünge bei den Schwergewichten Eon, VW und Deutsche Telekom, sagte Mathieu Meyer, Mitglied der EY-Geschäftsführung. 2015 lief es zudem nicht ganz so gut – im Vergleich zu 2014 war der Gesamtgewinn gesunken. Die Messlatte für die Firmen lag daher nun niedriger.

Und die Berater von EY haben eine große Gruppe von Unternehmen nicht berücksichtigt, die allerdings nicht als Industrieunternehmen zählen: Beteiligungsgesellschaften, Versicherungen und Banken. Vor allem die Deutsche Bank und die Commerzbank, beides Konzerne aus dem Deutschen Aktienindex Dax, hatten in den ersten neun Monaten Probleme.

Das mittlere Vermögen der Privathaushalte beträgt 60.800 Euro

Das Gewinnplus deutet darauf hin, dass die Aktionäre im nächsten Jahr eine gute Dividende erhalten – allerdings wird das Geld nur bei wenigen Bundesbürgern landen. Dem Deutschen Aktieninstitut zufolge besaßen 2015 nur rund 14 Prozent direkt oder über Fonds Aktien, die Zahl hat sich seit Jahren kaum verändert. Und so werden die Unternehmensgewinne von 2016 die Einkommen und Vermögen der Deutschen kaum vergrößern.

Ohnehin sind die Deutschen im Vergleich zu anderen Europäern vergleichsweise unvermögend, wie eine Untersuchung der EZB ergab. Demnach beträgt das mittlere Vermögen (Median) der Privathaushalte in Deutschland 60.800 Euro. Rechnerisch ist das der Wert, der die reichere Hälfte des Landes von der ärmeren trennt. Selbst die Einwohner einiger Krisenländer stehen demnach besser da als wir: Das mittlere Vermögen etwa der Griechen liegt bei 65.100 Euro, das der Spanier beträgt sogar 159.600 Euro. An der Spitze der EZB-Liste finden sich die Luxemburger mit 437.500 Euro.

Deutsche wohnen seltener in der eigenen Immobilie

Am Ende der Skala findet sich Litauen (14.200 Euro) und Ungarn (26.200 Euro). Die Grenze zwischen Arm und Reich in der Euro-Zone liegt bei 104.000 Euro. Im Durchschnitt besitzt ein europäischer Haushalt 223.300 Euro – 207.300 Euro davon stecken in realen Werten, vor allem Immobilien. Auch deshalb ist der Vermögenswert der Deutschen vergleichsweise klein. Denn hierzulande bewohnten 2015 nur 51,9 Prozent eine eigene Immobilie. In Irland waren es 68,6 Prozent, in Spanien 78,2 Prozent.

Beim Einkommen schneiden die Deutschen besser ab: Ein Haushalt verfügt jährlich im Schnitt über 48.400 Euro. bei den Iren sind es 54.600 Euro. Auch hier führen die Luxemburger mit 87.200 Euro, am wenigsten bekommen die Ungarn: 10.800 Euro.

Für die Untersuchung wurden 84.000 Haushalte befragt, meist 2014. Eine gewisse Unschärfe haben die Ergebnisse, weil die Befragten den Wert ihrer Immobilien selbst angeben konnten. Staatliche Vermögensüberblicke gibt es allerdings nicht. Auch ist nichts über die Lebenshaltungskosten, die Sozialversicherungssysteme oder darüber, was öffentliche Leistungen jeweils kosten, erfasst.