Unister-Insolvenz

Ab-in-den-urlaub.de geht an tschechischen Finanzinvestor

Insolvenzverwalter Lucas F. Flöther verkauft gerade die Teile des Internetunternehmens Unister.

Insolvenzverwalter Lucas F. Flöther verkauft gerade die Teile des Internetunternehmens Unister.

Foto: Flöther & Wissing

Das Reisegeschäft der insolventen Internetfirma Unister geht an Rockaway Capital. Hinter dem Investor stehen auch Chinesen.

Leipzig.  Es ist dann doch etwas schneller gegangen: Noch vor wenigen Tagen rechnete Lucas F. Flöther, Insolvenzverwalter des Leipziger Internetunternehmen Unister damit, zumindest Teile im kommenden Jahr verkaufen zu können.

Jetzt hat er das komplette Reisegeschäft mit den bekannten Internetportalen ab-in-den-urlaub.de, fluege.de sowie urlaubstours.de, reisen.de, billigflüge.de und reisegeier.de an die Reisefirma des tschechischen Finanzinvestors Rockaway Capital veräußert. Darüber, wie viel Flöther für die Reiseportale einnimmt, schweigen sich beide Seiten aus. Bekannt ist, dass sie seit kurzem schwarze Zahlen schreiben. Die Gläubiger haben dem Geschäft bereits zugestimmt.

Tschechischer Investor will europäischen Marktführer

Rockaway Capital Travel übernimmt bereits zum 1. Januar kommenden Jahres. Im Reisegeschäft von Unister arbeiten derzeit 520 Mitarbeiter, ihre Stellen und die Standorte, vor allem in Leipzig, sollen erhalten bleiben, wie Flöther meldete.

Rockaway Capital Travel will das Geschäft mit Reise- und Flugbuchungen im Internet noch ausbauen. Das Unternehmen betreibt bereits das Portal Invia, nach eigenen Angaben Marktführer in Mittel- und Osteuropa. Hier sieht Jaroslaw Czernek, Investmentpartner bei Rockaway Capital und Aufsichtsratschef bei Invia, große Chancen. Er will „einen gesamteuropäischen Marktführer im Online-Reisesegment“ schaffen, wie er sagte. Invia gehört seit dem ersten Halbjahr 2016 zu Rockaway Capital und beschäftigt mehr als 700 Mitarbeiter.

Chinesischer Konzern aus Shanghai als Finanzier

Unterstützt beim Kauf wird Rockaway von CEFC aus Shanghai. Die China Energy Company ist nach eigenen Angaben das siebtgrößte chinesische Privatunternehmen mit mehr als 30.000 Mitarbeitern weltweit. Neben Energie und Finanzen beschäftigt sich der Konzern auch mit E-Commerce und will vor allem in Europa wachsen.

Unister-Insolvenzverwalter Flöther konnte am Freitag auch noch eines der Portale verkaufen, die sich nicht mit Reise befassen: Shopping.de geht an die Karlsruher Solute GmbH, die bereits das Portal billiger.de betreibt. Die 15 Mitarbeiter von shopping.de werden übernommen, ebenso das Lager. Auch hier wurde über den Kaufpreis Stillschweigen vereinbart. Flöther verkauft die Nicht-Reiseportale wie preisvergleich.de und news.de einzeln. Dort arbeiten noch rund 280 Beschäftigte.

Betrügerisches Kreditgeschäft und mysteriöser Absturz

Unister wurde 2002 gegründet und galt als Vorzeigeunternehmen in Ostdeutschland. Zuletzt ging dem Unternehmen das Geld aus. Gründer und Chef Thomas Wagner versuchte im Juli, einen Privatkredit zu beschaffen, fiel aber offenbar auf Betrüger herein. Auf dem Rückflug von einer geplanten Geldübergabe in Venedig stürzte das Kleinflugzeug mit Wagner an Bord ab, die Insassen starben. Kurz darauf meldete Unister — und in der Folge die Tochterunternehmen — Insolvenz an.

Die Umstände des Absturzes und des Kredigeschäfts sind immer noch nicht ganz aufgeklärt. Den Kreditvermittler aus Unna hat das Landgericht Leipzig jetzt angeklagt.