Computerspiele

Mit „Super Mario Run“ ändert Nintendo sein Geschäftsmodell

„Super Mario Run“ ist zunächst für iPhones und iPads erhältlich.

„Super Mario Run“ ist zunächst für iPhones und iPads erhältlich.

Foto: Nintendo

Nintendo wagt den Sprung auf den Smartphone-Spielemarkt. Mit „Super Mario Run“ wirft das Unternehmen viele alte Gewohnheiten über Bord.

Berlin.  Es ist eine Premiere und gleichzeitig auch ein Wagnis für den Videospiel-Hersteller Nintendo: Mit der Veröffentlichung von „Super Mario Run“ bringt das japanische Unternehmen das erste Mal seinen berühmten Klempner mit der Latzhose auf Smartphones und Tablets. Am Donnerstag soll das Spiel für iPhones und iPads verfügbar sein (ein Erscheinungsdatum für Android steht noch aus).

Nintendo betritt den Smartphone-Spielemarkt nach eigenen Regeln: Kostenlos können Spieler lediglich einen kurzen Anfangsteil spielen, um das komplette Spiel durchzuspielen muss der Nutzer 9,99 Euro zahlen. Für ein Handyspiel ist das ein stolzer Preis. Bei anderen Smartphone-Titeln hat sich das sogenannte „Free-to-Play“-Modell durchgesetzt, bei dem das Spiel an sich kostenlos ist und die Anbieter versuchen, das Geld über virtuelle Artikel oder Hilfe beim Weiterkommen zu verdienen.

Nintendo lange skeptisch gegenüber Smartphone-Spielen

Für Nintendo ist das Spiel ein Paradigmenwechsel. Bislang hatte sich Nintendo, abgesehen von „Pokémon Go“, hartnäckig geweigert Spielehelden wie Mario, Zelda und Co. außerhalb ihrer Konsolen-Spiele auftreten zu lassen. Somit schuf das Unternehmen ein exklusives Nintendo-Universum – und ließ sich den Zugang dafür vom Kunden teuer bezahlen. Ein Konsolen-Spiel kostet häufig zwischen 40 und 60 Euro und damit also das Vielfache von „Super Mario Run“.

Der Schöpfer von Mario, Shigeru Miaymoto, stand dem Smartphone-Markt lange Zeit sehr skeptisch gegenüber. Dem Nachrichtenportal „Buzzfeed“ sagte er, dass er immer das Gefühl gehabt habe, auf Telefonen nicht ein vergleichbares Spiele-Erlebnis wie auf einer Spielekonsole bieten zu können.

Kritik wegen Online-Zwang

Und tatsächlich funktioniert Mario auf dem iPhone anders: So läuft der Klempner automatisch, der Spieler tippt nur auf den Bildschirm, um ihn zum Beispiel springen zu lassen. Während des Spielens ist eine permanente Internet-Verbindung notwendig – Nintendo will damit offenbar Raubkopien verhindern.

An diesem Online-Zwang entzündete sich bei vielen Fans schon vor der Veröffentlichung Kritik. Denn: Wer beispielsweise in ein Funkloch gerät, sitzt auf dem Trockenen. Ebenso bemängelten Nutzer, dass das Spielen im Ausland damit erschwert werde.

Der 64-jährige Mario-Schöpfer Miyamoto dürfte das anders sehen. Er ging auf große US-Medientour, um Werbung für „Super Mario Run“ zu machen, und spielte dabei zum Beispiel im Late-Night-TV selbst die Super-Mario-Melodie auf der Gitarre zusammen mit der Studioband. „Mario hat Millionen Menschen an Videospielen herangeführt und ich denke, dass er weiterhin diese Rolle spielen wird“, so Miyamoto. (les/dpa)