Spritverbrauch

Durstiger Polo: VW entschädigt Besitzerin mit 2500 Euro

Karin Davidheimann stellte nach dem Kauf ihres VW Polos einen ungewöhnlichen Verbrauch fest.

Karin Davidheimann stellte nach dem Kauf ihres VW Polos einen ungewöhnlichen Verbrauch fest.

Foto: Verena Camen

Karin Davidheimann hat den VW-Konzern verklagt, weil ihr Polo 7,5 statt 5,1 Liter schluckte. Der Ausgang des Prozesses überrascht.

Essen.  Als Karin Davidheimann vor drei Jahren einen neuen Wagen anschaffen musste, standen zwei Kaufkriterien ganz oben auf der Checkliste. „Ich suchte einen flotten Stadtflitzer und zugleich ein sparsames Auto“, sagt die Frau aus Essen-Heisingen. Sie entschied sich für einen nagelneuen schwarzen Polo TSI, 90 PS, Benziner, EZ 10/2013. Ein schickes Auto, das jedoch schon bald zum Streitobjekt zwischen ihr und dem VW-Konzern werden sollte.

Es entbrannte ein langwieriger Rechtsstreit über den Spritverbrauch, dessen Ausgang jedem Verbraucher in Deutschland Mut macht. Denn die Essenerin hat den mächtigen Auto-Giganten in die Knie gezwungen. VW zahlte ihr eine Entschädigung.

Erste Tankfüllung warf Fragen auf

„Schon beim ersten Tanken fiel mir auf, dass der Wagen viel mehr verbrauchte als angegeben“, berichtet die ehemalige Stadtplanerin. Statt 5,1 Liter, wie von Wolfsburg versprochen, schluckte ihr Neuer 7,5 Liter – „glatte 50 Prozent mehr. ein Unding“.

Die empörte Polo-Fahrerin berichtete Freunden von dem Ärgernis, doch die meisten hätten mit einem abwehrenden Lächeln reagiert. „Ist doch nichts Neues“, habe es unisono geheißen. Und so fügte sich Karin Davidheimann – wenn auch mit Wut im Bauch – zunächst dem Schicksal. „Mein erster Gedanke: Was kann Lieschen Müller schon gegen einen Autokonzern ausrichten?“.

ADAC empfahl Davidheimann einen Anwalt

Doch dann, 2014, erfuhr sie, dass eine Verbraucherschutzorganisation einen Autohersteller erfolgreich verklagt hatte. Und ließ sich schließlich doch auf den Kampf David-gegen-Goliath ein.

Die Rechtsschutzversicherung (ADAC) empfahl ihr einen Fachanwalt für Verkehrsrecht in Essen, dieser schrieb die Konzernzentrale an, die sie wiederum zu einer autorisierten Werkstatt nach Rüttenscheid schickte.

Test scheiterte zunächst an Kosten

Im Dekra-Test lag der Verbrauch um 12,8 Prozent über dem offiziellen Wert. Doch dort ließ man sie am vereinbarten Termin geschlagene zwei Stunden warten, um ihr am Ende zu eröffnen: Der Test könne leider nicht durchgeführt werden, weil ungeklärt sei, wer die Kosten trage. Davidheimann findet dieses Gebaren noch heute „unverschämt“.

Im zweiten Anlauf kamen ihr Anwalt und Wolfsburg überein, dass ein Dekra-Prüfer in Ostdeutschland den Polo vier Tage lang auf dem Prüfstand testen sollte. Sie fuhr in den Osten, 650 Kilometer hin und kehrte triumphierend wieder zurück: Der Verbrauch des Polo, so ermittelte der Dekra-Mann, lag 12,8 Prozent über dem Soll-Wert, also jenseits der Toleranzgrenze von zehn Prozent.

Zuerst bot VW eine Entschädigung von lediglich 1067,71 Euro an

Daraufhin bot Wolfsburg eine Einmalzahlung von 1067,71 Euro an, doch diese lehnte Davidheimann ab. „Ich fahre ja nicht auf dem Rollband, sondern auf der Straße, und da verbrauche ich viel mehr.“ Schließlich landete die Causa „Davidheimann./.Volkswagen“ vor dem Landgericht, wo sie im Juni diesen Jahres mit einem für sie vorteilhaften Vergleich endete.

Fazit der außergerichtlichen Einigung: VW musste 2500 Euro Entschädigung an die Polo-Fahrerin aus Heisingen zahlen, zuzüglich 5700 Euro an den Dekra-Gutachter plus Gerichts- und Anwaltskosten.

Abweichungen kein Einzelfall

Der unterlegene Konzern zahlte – allerdings „ohne Anerkennung einer Schuld“. „Ich habe Recht bekommen, das war mir wichtig, denn was VW gemacht hat, ist Betrug“, sagt die Essenerin. „Wenn ich ein Pfund Kaffee kaufe, dann muss auch ein Pfund Kaffee in der Packung sein.“

Der Kraftstoffverbrauch von Automobilen ist seit jeher ein Aufreger. Eine US-Studie von 2013 wies nach, dass die Lücke zwischen den offiziellen Angaben der Hersteller und den realen Verbrauchswerten ständig wächst.

Auch jüngste Studien in Deutschland belegen, dass Fahrzeuge hierzulande dramatisch mehr Kraftstoff verbrauchen als von den Herstellern angegeben. Viele Modelle verbrauchen 20 Prozent mehr.

Dieser Text ist zuerst auf derwesten.de erschienen.