Atomausstieg

Die Stromkonzerne haben Angst vor der Atomrechnung

Kraftwerke wie das AKW Krümmel in Schleswig-Holstein müssen die großen Energiekonzerne langsam aber sicher aus ihren Plänen streichen – und das kostet.

Kraftwerke wie das AKW Krümmel in Schleswig-Holstein müssen die großen Energiekonzerne langsam aber sicher aus ihren Plänen streichen – und das kostet.

Foto: imago stock / imago stock&people

Deutschlands Energieriesen haben schon viel Macht und Geld verloren. Jetzt drohen neue Milliardenforderungen. Der Staat verlangt Geld.

Berlin.  Befreiungsschlag: Das ist das Wort der Stunde bei den einst übermächtigen Energiekonzernen in Deutschland. Eon und RWE – aufgespalten. Vattenfall, die Nummer drei mit dem deutschen Sitz in Berlin, schrumpft, weil die Braunkohlekraftwerke an einen tschechischen Versorger verkauft werden. Die Aussichten sind trüber, als es die Manager nach außen einräumen wollen.

Während Vattenfall vom stabilen Mutterkonzern in Schweden gestützt wird, haben die Energiewende und Managementfehler RWE und Eon an den Rand des Zusammenbruchs geführt. Scheinbar haben sie sich Luft verschafft: Eon hat die Stromerzeugung und den Großhandel in einer Tochter gebündelt und teilweise an die Börse gebracht. Letztlich soll die neue Tochter Uniper ganz verkauft werden.

Eon-Chef Johannes Teyssen reklamiert, die „richtige Antwort auf die so ungeheuren Veränderungen der Energiemärkte“ gefunden zu haben. RWE dagegen geht den umgekehrten Weg: Das klassische Geschäft bleibt beim Mutterkonzern, während erneuerbare Energien, Netze und Endkunden in einer neuen Tochter, Innogy, gebündelt werden. Kürzlich erfolgte der Börsengang.

Eon muss sich wohl neues Kapital besorgen

Doch die Probleme für die nun zersplitterten großen Energieversorger haben eigentlich gerade erst begonnen. RWE und Eon sind massiv überschuldet. Besonders bei Eon tritt das klar zutage, denn der Konzern macht sich durch das Abspalten von Uniper „nackig“, wie es Konzernchef Teyssen ausdrückt.

Mit rund zwölf Milliarden Euro steht der Firmenwert von Uniper noch in den Eon-Büchern. An der Börse ist er aber nur mit rund vier Milliarden Euro bewertet, denn die Aussagen für konventionelle Kraftwerke bleiben trübe. Nach Informationen unserer Redaktion steht so gut wie fest, dass sich Eon frisches Kapital besorgen muss.

RWE steckt in einer ähnlichen Misere. Sie ist aber besser versteckt: RWE hat mit Innogy sein Tafelsilber an die Börse gebracht, für ein Viertel der Aktien rund fünf Milliarden Euro kassiert. Um die schmerzhafte Bewertung des Problemkinds Kohle- und Gaskraftwerke kommt RWE damit herum.

Staat verlangt deutlich mehr Geld als erwartet

Was alle alten Energieriesen gemein haben: Es gibt noch eine gewaltige, unbezahlte Rechnung, die auf sie zukommt. Während sie weiterhin zuständig bleiben für den Rückbau ihrer Kernkraftwerke und die Verpackung des strahlenden Mülls, soll der Staat die Endlagerung übernehmen. Das lässt er sich aber teuer bezahlen und verlangt einen Risikoaufschlag, weil die Kostenentwicklung völlig unsicher ist.

Eine von der Bundesregierung eingesetzte Kommission will einschließlich Zinsen rund 25 Milliarden Euro haben – deutlich mehr, als die Konzerne dafür zurückgelegt haben. Das entsprechende Gesetz soll noch in diesem Monat angegangen werden, ein möglicher Termin für das Inkrafttreten ist der 1. Februar 2017. Die Folge: Noch einmal ein Milliardenverlust.