Mobiltelefone

Smartphone-Pionier Blackberry baut keine Handys mehr

Der kanadische Smartphone-Hersteller Blackberry steigt aus der Hardware-Produktion aus. Das Unternehmen will sich auf Software konzentrieren.

Der kanadische Smartphone-Hersteller Blackberry steigt aus der Hardware-Produktion aus. Das Unternehmen will sich auf Software konzentrieren.

Foto: Caroline Seidel / dpa

Blackberry will aus dem Hardware-Geschäft aussteigen. Überraschend kommt die Ankündigung nicht. Wohin steuert der Smartphone-Pionier?

Waterloo.  Das Zitat versteckt sich in einer mehrere Seite umfassenden Mitteilung und bedeutet für Blackberry dennoch einen grundlegenden Strategiewechsel: „Das Unternehmen plant, alle eigenen Hardware-Entwicklungen einzustellen und will diese an Partner outsourcen“, wird CEO John Chen darin zitiert. Der kanadische Smartphone-Pionier erhofft sich davon, Kosten zu senken und will sich auf Software konzentrieren.

Der Blackberry-Bericht vom Mittwoch offenbart, wie sehr der Konzern am Smartphone-Markt zu kämpfen hat: In dem Ende August abgeschlossenen zweiten Geschäftsquartal verbuchte Blackberry einen Verlust von 372 Millionen US-Dollar nach einem kleinen Gewinn von 51 Millionen Dollar ein Jahr zuvor. Der Umsatz fiel von 490 auf 334 Millionen Dollar. Der Marktanteil war zuletzt an die Marke von 0,1 Prozent geschrumpft.

Letzte Modelle schon von Fremdhersteller

Die Ankündigung schließt allerdings nicht aus, dass künftig weiterhin Smartphones mit dem Blackberry-Label erscheinen. Dass der Konzern die Hardware nicht mehr selbst baut, passt in die Unternehmenspolitik verfolgte: Das Smartphone mit dem Namen DTEK50 und den jüngst angekündigten Nachfolger DTEK60 fertigte bereits der chinesische Technikkonzern TLC, der hierzulande Smartphones unter der Marke Alcatel vertreibt. Die Geräte sind mit einer von Blackberry besonders auf Sicherheit optimierten Version von Android ausgestattet.

Der Smartphone-Markt ist stark von Android-Handys dominiert. Beinahe 294 Millionen Geräte mit dem Betriebssystem von Google wurden im ersten Quartal 2016 verkauft, fast sechsmal so viele wie die 51,6 Millionen iPhones. Allerdings fährt Apple immer noch den Löwenanteil der Gewinne ein, während andere Hersteller kaum schwarze Zahlen erzielen. In der Absatzstatistik landet Microsoft mit Windows Phone mit 2,6 Millionen Geräten abgeschlagen auf Platz drei. Und die Blackberry-Smartphones fallen mit 0,6 Millionen Stück schon fast aus der Statistik raus.

Blackberry wirbt mit Sicherheit

Das Aus der Produktion kommt für Beobachter nicht überraschend. Bereits vor mehr als einem Jahr hatte Blackberry-Chef John Chen dem Sender CNBC gesagt, dass er ein Aus in Betracht ziehe, wenn das Geschäft nicht wieder profitabel laufe. Blackberry versucht in diesem schwierigen Umfeld eine Nische zu besetzen. Es will Apps und Funktionen auf Android-Handys bringen und wirbt damit, dass seine Software mehr Sicherheit als die Konkurrenz biete. Der Blackberry-Messenger und der sogenannte Hub, eine Nachrichtenzentrale für alle Mitteilungen, laufen bereits auf dem Google-Betriebssystem.

Im zweiten Quartal dieses Jahres hat sich der Software-Umsatz verdoppelt. Vorstandschef Chen sieht daher einen Wendepunkt. Offenbar reagierten auch Anleger an der Börse positiv auf die Zahlen. Die Blackberry-Aktie legte nach der Ankündigung im vorbörslichen US-Handel um sechs Prozent zu. (mit dpa)