Discounter

Aldi Nord und Süd schalten erstmals Werbung im Fernsehen

Aldi-Filiale: Der Discounter will mit seinem überschaubaren Sortiment gegenüber den großen Supermärkten punkten.

Aldi-Filiale: Der Discounter will mit seinem überschaubaren Sortiment gegenüber den großen Supermärkten punkten.

Foto: Imago / 7Aktuell

Der Discounter Aldi modernisiert sich: Jetzt schalten die Teile Nord und Süd erstmals eine gemeinsame Werbekampagne – mit Spots im TV.

Essen/Mülheim.  Der Göttervater Zeus bekommt Ärger, weil seine Partys auf dem Olymp viel zu teuer sind. Dann erfährt er, dass Götter auf der Erde viel günstiger einkaufen – und wird Kunde bei Aldi. Mit derlei Witz will Aldi künftig Kunden locken. Die Szene ist Teil einer großen Werbekampagne, mit der die Discounter Aldi Nord und Aldi Süd erstmals in ihrer Geschichte zusammen werben. Aldi will mit seinem überschaubaren Sortiment punkten. Das spare beim Einkauf Zeit – so die Botschaft.

Bei Werbespots wie diesen hätten Beobachter bislang als letztes an die beiden verschlossenen Familienunternehmen aus Essen und Mülheim gedacht. Doch nach dem Tod der beiden Gründer Theo und Karl Albrecht öffnet und modernisiert sich die Kette langsam. Die Unternehmen setzen auf schickere Inneneinrichtungen in den Filialen, mehr Markenartikel, Bio und Nachhaltigkeit.

Aldi bricht ein altes Firmen-Tabu

Und jetzt brechen sie mit einem weiteren Tabu: Ab Sonntag schaltet Aldi Fernseh- und Radiospots und wird ab dem 20. Oktober auch auf den Kinoleinwänden präsent sein. Bundesweit wurden rund 50.000 Plakatstandorte gebucht. Zudem wirbt der Berliner Rapper Fargo über den konzerneigenen Musikabo-Service Aldi Life.

Bisher erreichte die Kunden von Aldi lediglich das Prospekt „Aldi informiert“ und Anzeigen in Tageszeitungen. Der Verzicht auf sonstige Werbung war wichtiger Bestandteil der Philosophie der beiden Gründer.

Hinter den Kulissen schreitet die Kooperation voran

Zwar hat die gemeinsame Werbestrategie der beiden Unternehmen ost- und westlich der Ruhr auch künftig Grenzen: Während Aldi Süd auch in den sozialen Netzwerken wie Facebook vertreten ist, geht Aldi Nord diesen Schritt bislang nicht.

Doch in anderen Bereichen ist die Kooperation bereits sehr ausgeprägt. „Wir arbeiten intensiv im Einkauf zusammen und haben nahezu deckungsgleiche Sortimente und Lieferanten, sagt Jeanette Thull, Geschäftsführerin im Zentraleinkauf bei Aldi Süd. Lediglich die Verpackungen würden sich noch unterscheiden.

Wachstum vor allem im Ausland möglich

Der gemeinsame Einkauf ist der Grund für die große Marktmacht bei Preisänderungen. Ob nun die gemeinsame Werbemaßnahme der Startschuss für eine noch intensivere Zusammenarbeit bedeutet, ist unklar. Beide Albrecht-Stämme betonen, dass sie an dem Aldi-Äquator, der die Konzernwelt in Nord und Süd aufteilt, festhalten. Doch in Branchenkreisen wird bereits spekuliert, dass Aldi Nord und Süd sogar in absehbarer Zeit fusionieren könnten.

Denn zumindest in Deutschland können die Discounter nicht mehr viele Marktanteile hinzugewinnen. Aldi, Lidl, Netto und Penny teilen sich den Markt auf. Nach Zahlen des Handelsforschungsinstituts Nielsen ist der Anteil der Discounter am deutschen Lebensmitteileinzelhandel im vergangenen Jahr sogar leicht geschrumpft: Auf 38,1 Prozent – im Jahr zuvor waren es 38,5 Prozent. Auch die Zahl der Filialen schrumpft. Wachstum können Discounter vor allem im Ausland generieren.

Konkurrenzkampf mit Supermärkten

Mit der Werbekampagne kämpft Aldi wohl auch gegen die Konkurrenz. Das sind vor allem Supermärkte wie Rewe, die mit großzügigen Filialen Kunden anlocken. Die Aldi-Spots mit dem Slogan „Einfach ist mehr“ sollen nun auf die Vorteile eines überschaubaren Sortiments aufzeigen. „Bei der Auswahl von vielen Haarshampoos verlieren wir Zeit“, erklärt Thull. Dagegen sei das Aldi-Angebot überschaubar.