Kommerzialisierung

US-Nationalparks erwägen aus Geldnot Konzern-Sponsoring

Der Lower Cathedral Lake gehört zu den malerischsten Orten des Yosemite Nationalparks in Kalifornien.

Der Lower Cathedral Lake gehört zu den malerischsten Orten des Yosemite Nationalparks in Kalifornien.

Foto: imago/imagebroker

Werden klamme US-Nationalparks bald von Wirtschaftskonzernen gesponsert? Ein alter Plan sieht das vor – und wird nun neu diskutiert.

New York.  Yellowstone, Grand Canyon und Smoky Mountains – auf kaum etwas sind die Amerikaner so stolz wie auf ihre 59 Nationalparks. In den beliebtesten wie Yosemite in Kalifornien sind viele Zeltplätze auf Monate ausgebucht, Millionen zahlende Besucher kommen. Dafür müssen aber auch riesige Gebiete instandgehalten werden, die lediglich ein paar Tausend Besucher pro Jahr anlocken – zum Beispiel die fast menschenleeren Parks in Alaska. Das verschlingt Milliarden Dollar an Steuergeldern. Viele Nationalparks sind trotzdem dringend renovierungsbedürftig.

„Seit Jahren ist die Finanzierung ungenügend“, klagt Theresa Pierno, die Geschäftsführerin der National Parks Conservation Association (NPCA), die sich dem Schutz der Parks verschrieben hat. Der Reparaturstau für die Gebiete – zusammengenommen größer als Italien – beträgt etwa zwölf Milliarden Dollar. Zum hundertsten Jubiläum des National Park Service (NPS) wird nun diskutiert, wie neue Einnahmequellen aufgetan werden können. „Yosemite, gesponsert von Starbucks?“, fragte die „Washington Post“ bereits provokativ. Die Befürchtung: Das Naturerbe könnte von Unternehmen vereinnahmt werden.

Ohne Unterstützung aus Staatshaushalt geht es nicht

Von Eintrittsgeldern und Spenden allein können sich die Parks nicht finanzieren. Für das laufende Geschäftsjahr, das im Oktober 2015 begann, erhält der Service mit seinen 22.000 Mitarbeitern gut drei Milliarden Dollar aus dem Staatshaushalt. Darin sind wegen der Jubiläumsfeier – der National Park Service wird am Donnerstag 100 Jahre alt – schon Zuschüsse erhalten.

Washington will nun lieber alternative Geldquellen anzapfen als mehr Steuergeld aufzuwenden. Die USA haben Staatsschulden von mehr als 19 Billionen Dollar. Deshalb wurde ein alter Plan aus der Schublade gezogen, der durch „philanthropische Partnerschaften“ Sponsoring der Privatwirtschaft zulässt. Das heißt zwar nicht gleich, dass Yellowstone oder Grand Canyon – nach dem Vorbild von Sportstadien oder anderen öffentlichen Einrichtungen – gegen gewisse Entgelte in Coca-Cola- oder McDonald’s-Nationalpark umbenannt werden können. Aber es ist ein erster Schritt in diese Richtung.

Nationalparks würden kommerzialisiert

Die Namen von Spendern, auch von Unternehmen, dürfen künftig etwa Fahrzeuge der Ranger oder Sitzbänke in den Parks zieren. Auch Wegschilder, Broschüren und Poster könnten in Zukunft gesponsert werden. Corporate America – die Welt des Kommerzes und der Großkonzerne – würde auch in den Nationalparks sichtbar werden.

Das provoziert Kritik. „Der National Park Service ist bereit, aggressiv nach Sponsoring zu suchen und sein Personal als Geldbeschaffer auszunutzen“, sagt die Organisation PEER, eine Vereinigung öffentlicher Angestellter, die sich für Umweltschutz einsetzen. Der Plan stelle einen beispiellosen Schritt in die Abhängigkeit von Unternehmen dar, meint PEER-Direktor Jeff Ruch. Mit dem Sponsoring billige man, dass NPS-Entscheider sich zu Günstlingen der Konzerne machen ließen.