Arbeitsagentur-Chef

Weise: „Flüchtlinge mit Job sollten hierbleiben können“

Zwei Syrer absolvieren ein Praktikum in einer Metallwerkstatt. Arbeitende Flüchtlinge sollten nach Ansicht des Chefs der Bundesagentur für Arbeit (BA), Frank-Jürgen Weise, leichter einen sicheren Aufenthaltsstatus erhalten.

Zwei Syrer absolvieren ein Praktikum in einer Metallwerkstatt. Arbeitende Flüchtlinge sollten nach Ansicht des Chefs der Bundesagentur für Arbeit (BA), Frank-Jürgen Weise, leichter einen sicheren Aufenthaltsstatus erhalten.

Foto: Jan Woitas / dpa

Viele Unternehmen zögern bei der Einstellung von Flüchtlingen. Arbeitsagentur-Chef Frank-Jürgen Weise wünscht sich mehr Klarheit.

Nürnberg.  Auch Flüchtlinge mit eingeschränktem Aufenthaltsrecht sollten nach Ansicht des Vorstandschefs der Bundesagentur für Arbeit (BA), Frank-Jürgen Weise, unter bestimmten Voraussetzungen in Deutschland bleiben dürfen. „Wenn jemand nicht kriminell ist, integriert in Sprache und Arbeit ist, dann spricht aus meiner Arbeitsmarktsicht sehr viel dafür, dass so jemand bleiben darf“, sagte der Chef der Arbeitsverwaltung.

Ein Flüchtling sollte in diesem Fall einen sicheren Aufenthaltsstatus erhalten, „der für ihn als Mensch und für den Arbeitgeber sicher ist“ – vorausgesetzt natürlich, dass die asylrechtliche Prüfung dies zulasse, fügte Weise hinzu. Denn ein Flüchtling, der die deutsche Sprache spreche und sich in gut in Deutschland integriert habe, sei für den deutschen Arbeitsmarkt „sehr wertvoll“, gab Weise zu bedenken.

Zustimmung zu Weises Vorstoß kommt aus der Union

Zumindest als Bundesagentur-Chef sage er ganz pragmatisch: „Ich habe viele offene Stellen. Und wenn ein Flüchtling eine Arbeit hat, ist das schön. Dann würde ich es unterstützen, dass er, wenn möglich, bleiben kann“, unterstrich Weise.

Aus der Union kommt Zustimmung zu der Forderung. Er begrüße den Vorschlag, sagte der arbeitsmarktpolitische Sprecher der Unionsfraktion, Karl Schiewerling, unserer Redaktion. „Er schafft wenigstens für eine Gruppe der Geflüchteten und für die Unternehmer Klarheit. Klarheit und Konsequenz brauchen wir dringend.“

Weise räumte allerdings ein, dass das aus der Sicht der Bundesagentur formulierte Interesse sich womöglich nicht immer mit dem decke, was er als Leiter des Bundesamtes für Migration zu vertreten habe. Das stehe womöglich „im Widerspruch zu meiner anderen Gehirnhälfte“. Beide Gehirnhälften kämpften noch miteinander, sagte Weise schmunzelnd. Weise ist neben seinem Amt als Bundesagentur-Chef seit Mitte 2015 auch Leiter des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge (BAMF).

Aufenthaltserleichterungen vor allem für Syrer

Bundesagentur-Kreise haben in der Debatte über Aufenthaltserleichterungen für gut integrierte Asylbewerber vor allem syrische Flüchtlinge im Blick. Vielen von ihnen gewährt das Bundesamt für Migration seit der Rückkehr zur Einzelfallprüfung nur noch einen subsidiären Schutz; damit dürfen sie zunächst nur ein Jahr in Deutschland bleiben.

Fachleute gehen aber davon aus, dass der Schutz bei Syrern angesichts der schwierigen Lage in deren Heimatland in vielen Fällen verlängert wird. Wegen der ungewissen Perspektive zögern manche Unternehmen mit der Einstellung von Syrern. (dpa)