Anklage

Fox-News-Chef Roger Ailes muss nach Sex-Skandal abtreten

Roger Ailes, Chef des rechtspopulistischen US-Senders Fox News, muss abtreten. Vor gut zwei Wochen hatte ihn gefeuerte Mitarbeiterin wegen sexueller Belästigung angezeigt.

Roger Ailes, Chef des rechtspopulistischen US-Senders Fox News, muss abtreten. Vor gut zwei Wochen hatte ihn gefeuerte Mitarbeiterin wegen sexueller Belästigung angezeigt.

Foto: FRED PROUSER / REUTERS

Sturz von Fox-News-Chef Roger Ailes: Nach einem Skandal um sexuelle Belästigung tritt der mächtigste Fernsehmacher der USA zurück.

Washington.  Er war einer der mächtigsten Fernsehmacher der USA: Roger Ailes, Geschäftsführer und Vorstandsvorsitzender des rechtspopulistischen TV-Senders Fox News, tritt zurück – gut zwei Wochen nach einer Anklage wegen sexueller Belästigung am Arbeitsplatz.

Im Vergleich sähe der Skandal um Sex und Machtmissbrauch, der seit Anfang Juli die amerikanische Fernsehlandschaft elektrisierte, hierzulande theoretisch ungefähr so aus: ZDF-Intendant Thomas Bellut steht seit Jahren auf „Heute Journal“-Moderatorin Marietta Slomka. Weil sie seinen permanenten sexuellen Avancen trotzt, kürzt er ihr Gehalt, reduziert ihre Sendeminuten und schmeißt sie am Ende raus. So soll es sich abgespielt haben, nicht im öffentlich-rechtlichen Fernsehen natürlich, sondern eben bei Fox News, dem einschaltquotenträchtigsten Kabelkanal in den USA.

Dort hat die 50-jährige Gretchen Carlson, 1989 Miss America und seit über einem Jahrzehnt in verschiedenen Formaten des Sprachrohrs der Konservativen auf Sendung gewesen, ihren bisherigen Boss Ailes vor den Kadi gezogen. Die in New Jersey eingereichte Anklage gegen den 76-Jährigen, der Fox News zum Frommen seines Besitzers Rupert Murdoch mit radikal-populistischer Berichterstattung zu einem Goldesel dressiert hat, hat es weit über das gewöhnliche Maß an Sexismus am Arbeitsplatz in sich.

Carlson wirft Ailes sexuelle Belästigung vor

„Wir beide hätten schon vor langer Zeit eine sexuelle Beziehung eingehen sollen“, zitierte Carlson den 76-Jährigen. Manche Probleme ließen sich so „leichter lösen“. Carlson wollte nicht. Wenn die Blondine ins Büro des bulligen Glatzkopfs bestellt wurde, der früher als Medienberater der Präsidenten Richard Nixon, Ronald Reagan und George Bush senior tätig war, musste sie sich regelmäßig umdrehen, „damit er ihren Hintern sehen konnte“, heißt es in der Klage. Nur eine von vielen Anzüglichkeiten.

Als Carlson sich bei Ailes über einen Co-Moderator beschwerte, der ihr jahrelang herablassend und belästigend gegenüber auftrat, tat Ailes die Vorfälle als Reaktionen einer „Männerhasserin“ ab. Sie solle sich mit den „Jungs“ einfach besser vertragen. Vor wenigen Tagen wurde Carlsson vor die Tür gesetzt.

Weitere Fox-Mitarbeiterinnen sprachen von unerwünschten Avancen

Mit ihrer Klage will sie Entschädigung für den erlittenen Karriereschaden erreichen und laut ihrer Anwältin Nancy Erika Smith ein Zeichen setzen gegen sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz. Roger Ailes ließ die Vorwürfe in einer Stellungnahme in Bausch und Bogen zurückweisen. Es handele sich um einen Akt der „Vergeltung“, weil Carlson wegen schlechter Quoten abgesetzt worden sei.

US-Medien berichteten allerdings von weiteren Anschuldigungen gegen Ailes, die zum Teil bis in die 60er-Jahre zurückreichen. Auch Megyn Kelly, Anchor-Frau bei Fox News, die im vergangenen Jahr dem republikanischen Präsidentschaftskandidaten Donald Trump so unangenehm geworden war, dass er einer TV-Debatte fernblieb, um nicht ihre Fragen beantworten zu müssen, sprach von unerwünschten sexuellen Annäherungsversuchen von Ailes vor etwa zehn Jahren. Der Sender-Chef wies die Anschuldigungen zurück.

Nach Roger Ailes plötzlichem Sturz wird Medien-Mogul Rupert Murdoch und 21-Century-Fox-Konzernchef die Geschäfte führen.