Frankfurt-Hahn

Warum die Chinesen einen deutschen Flughafen kaufen

Der Flughafen Frankfurt-Hahn gilt als chronisch unrentable und wurde nun von einem chinesischen Baukonzern übernommen.

Der Flughafen Frankfurt-Hahn gilt als chronisch unrentable und wurde nun von einem chinesischen Baukonzern übernommen.

Foto: Fredrik von Erichsen / dpa

Ein chinesisches Unternehmen kauft den Flughafen Frankfurt-Hahn. Es ist bei weitem nicht die einzige Übernahme einer Firma aus Fernost.

Peking/Frankfurt.  Der chronisch unrentable Flughafen Frankfurt-Hahn ist seit Jahren das Sorgenkind der Politik in Rheinland-Pfalz und Hessen. Jetzt übernehmen Chinesen das risikoreiche Geschäft mit dem Flughafen, der nicht aus den roten Zahlen kam und der auch nicht ganz so nahe an der Mainmetropole liegt, wie sein Name suggeriert, sondern etwa auf halber Strecke zwischen Frankfurt und Luxemburg. Neuer Besitzer ist nun der Baukonzern Shanghai Yiqian Trading (SYT). Er will den Flughafen im Hunsrück zum Drehkreuz für chinesische Passagiere und Luftfracht ausbauen.

„Im Cargogeschäft erwarten wir mit dem Transport von Lebensmitteln nach Asien gute Geschäfte“, sagte Yu Tao Chou, Manager des neuen Besitzers. Die chinesische Mittelschicht habe großen Appetit auf westliche Waren wie etwa Fleisch. Gestärkt werden solle auch das Passagiergeschäft. Insbesondere Pauschalreisende aus Asien sollen nach Hahn gelockt werden.

Übernahmen sorgen für Schlagzeilen

Das Bundesland Rheinland-Pfalz erhält für seinen Airport-Anteil von 82,5 Prozent von den Chinesen einen niedrigen zweistelligen Millionen-Euro-Betrag. Ganz aus der Verantwortung ist das Land damit aber noch nicht, da bis 2024 noch Hilfen von insgesamt 70 Millionen Euro gezahlt werden müssen. Zweiter Anteilseigener ist mit 17,5 Prozent das Land Hessen. Auch dieses Aktienpaket solle bald gekauft werden, sagte Manager Chou.

Die rheinland-pfälzische CDU-Landtagsopposition sprach von einem großen Schaden für die Steuerzahler. Der Flughafen habe in Nachtragshaushalten rund 120 Millionen Euro verschlungen und solle nun für „läppische zehn Millionen Euro verscherbelt“ werden, sagte Alexander Licht, Vizechef der CDU-Fraktion. Es sei ein für die Allgemeinheit teurer „Notverkauf“ an die Chinesen.

Derzeit vergeht kaum ein Tag, an dem nicht eine weitere Übernahme europäischer Firmen durch chinesische Investoren verkündet wird. Vor knapp zwei Wochen war es das Rekordübernahmeangebot des Augsburger Roboterbauers Kuka durch den südchinesischen Kühlschrankhersteller Midea in Höhe von über 4,5 Milliarden Euro, das für Schlagzeilen sorgte. Ein chinesisches Unternehmen hat derzeit den Halbleiterausrüster Aixtron aus Herzogenrath im Blick. Interesse aus dem Reich der Mitte besteht zudem am Wiesbadener Kohlenstoffspezialisten SGL. Selbst der italienische Traditionsclub Inter Mailand ist bald in chinesischer Hand – der Einzelhandelsriese Suning Commerce übernimmt 69 Prozent der Anteile und zahlt dafür 270 Millionen Euro.

Strategie der kommunistischen Führung

Die Liste der chinesischen Investitionen allein in Deutschland in diesem Jahr ist lang: Die Shanghai Electric Group stieg im Frühjahr bei dem angeschlagenen Maschinenbauer Manz ein. Die Holding Beijing Enterprises übernahm Anfang Februar den Müllverbrennungsspezialisten EEW. Der Spezialmaschinenbauer Krauss-Maffei wurde im Januar vom größten Chemiekonzern Chinas, ChemChina, gekauft.

Zumindest hinter einigen Übernahmen steckt auch eine Strategie der kommunistischen Führung, welche die weltweite Einkaufstour chinesischer Unternehmen befeuert. Jüngsten Zahlen des chinesischen Handelsministeriums zufolge lagen Chinas Auslandsinvestitionen im vergangenen Jahr bei über 140 Milliarden Dollar. Von einer „neuen Ära des chinesischen Kapitals“ sprechen die Chinaforscher des Instituts Merics in Berlin. Der Trend: Die Volksrepublik wird zu einer treibenden Kraft globaler Kapitalströme. Schon heute gehört China zu den drei größten Auslandsinvestoren weltweit.

Nicht immer geht das wirtschaftliche Kalkül der Chinesen sofort auf: Für 30 Millionen Euro kaufte der Unternehmer Jonathan Pang 2007 den ehemaligen Militärflughafen Parchim in Mecklenburg-Vorpommern und wollte daraus ein internationales Luftkreuz mit zollfreiem Einkaufszentraum machen. Bislang ohne Erfolg. Ein anderer chinesischer Investor hatte 2014 den insolventen Flughafen Lübeck gekauft, um den Medizintourismus auszubauen. Ein Jahr später war der Airport erneut pleite.

Wirtschaftsminister Gabriel fürchtet Verlust von High-Tech

Die Übernahme des Augsburger Roboterherstellers Kuka hingegen deckt sich mit den Vorstellungen der staatlichen Wirtschaftsplaner. „Industrie 4.0“ und „Made in China 2025“ heißen die Parolen, die die kommunistische Führung ausgibt. Das Ziel: China soll nicht länger als Werkbank der Welt dienen, sondern zu einer globalen Ideenschmiede aufsteigen. Unternehmen wie Kuka passen da hervorragend ins Konzept.

Geld ist im Reich der Mitte derzeit zur Genüge vorhanden. Die chinesische Zentralbank, die unmittelbar der Regierung unterstellt ist, vergibt großzügig Kredite. Hinzu kommt der Wertverlust des Euro zur chinesischen Landeswährung. Chinesische Investoren empfinden Europa derzeit als günstig.

In Deutschland wächst nun die Angst vor der Finanzkraft aus Fernost. Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD) warnte angesichts der Kuka-Übernahme vor dem Verlust von High-Tech und wünschte sich europäische Bieter. Falls politische Anstrengungen neue Optionen ergeben sollten, werde man sie prüfen, teilte Kuka mit. Der chinesische Kühlschrankhersteller Midea bietet 4,5 Milliarden Euro. Gabriel müsste nun europäische Interessenten finden, die mehr Geld ausgeben können.