Fast-Food-Kette

McDonald’s testet Frischfleisch – aber nur in den USA

Foto: Peter Kneffel / dpa

Frischfleisch statt Tiefkühlbuletten: In den USA probiert McDonald’s die Fast-Food-Revolution. Das Ziel: ein grundlegener Imagewandel.

New York/Berlin.  Es wäre eine Revolution in der Fast-Food-Geschichte: McDonald’s denkt über eine Offensive mit Frischfleisch nach. Der Marktführer probiert derzeit in 14 Filialen im US-Bundesstaat Texas das Burger-Braten mit frischem Hackfleisch anstelle von tiefgekühlten Buletten aus.

In Deutschland jedoch ist „aktuell kein derartiger Test geplant“, heißt es auf Anfrage bei McDonald’s Deutschland in München. Das Fleisch für die Burger wird hierzulande sofort nach der Verarbeitung zu sogenannten Patties schockgefrostet. Diese werden tiefgekühlt an die Restaurants geliefert und landen dann auf dem Grill. Zu den Vorteilen des Verfahrens gehört laut dem Konzern, dass es zu keinen Geschmacksveränderungen des Fleisches kommt und die Haltbarkeit verlängert wird. Man schaue jedoch interessiert auf die Tests in den USA. Fraglich bleibt, ob die Aktion eine PR-Strategie ist oder doch ein weiterer Wandel in der Konzernstrategie.

Versuch eines radikalen Imagewandels

So oder so passt die Aktion zur neuen Aufstellung, die Vorstandschef Steve Easterbrook dem Fast-Food-Riesen verordnet hat. Seit seinem Amtsantritt im März 2015 schnürt Easterbrook an einem Anti-Krisen-Paket, um den ramponierten Ruf des Konzerns zu reparieren. Statt Antibiotika-Hühnerfleisch kamen etwa die Trendgemüse Grünkohl und Spinat ins Angebot. Außerdem ist die Idee, Frühstück ganztägig anzubieten, in den USA nach Anlaufschwierigkeiten aufgegangen.

Im ersten Quartal 2016 lockte der Konzern – auch mit Billigangeboten – überraschend viele Kunden in seine Restaurants. McDonald’s erwirtschaftete einen Überschuss von 1,1 Milliarden Dollar (rund eine Milliarde Euro) und lag damit um gut ein Drittel über dem Vorjahr. In den USA stiegen die Verkäufe etablierter Filialen, die seit mindestens 13 Monaten geöffnet sind, um 5,4 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Weltweit legten die Verkäufe um 6,2 Prozent zu. „Unsere Trendwende greift“, verkündete Easterbrook daraufhin stolz.

Anlauf mit dem Bio-Burger scheiterte

In Deutschland und Frankreich allerdings gebe es „Gegenwind“ durch starken Wettbewerb. Lokale Burgerketten wie „Hans im Glück“ setzen den Platzhirsch unter Druck. Auch Burger King, Nummer zwei im deutschen Markt, hat eine Franchise-Krise hinter sich und bläst mit einem Bringdienst und neuen Restaurants zum Angriff auf den Marktführer. Als Reaktion versuchte McDonald’s in Deutschland mit einem Hamburger aus Biofleisch zu punkten, stellte den Versuch jedoch jüngst wieder ein. Das Echo sei zwar positiv gewesen, aber der „McB“ sei „noch kein Produkt im Angebot für alle Gäste. Bio ist noch eine Nische“, hieß es aus der deutschen Zentrale.

Mit dem Konzept „Restaurant der Zukunft“ setzt man nun auf einen Umbau der Restaurants mit mehr Service, hochwertigerer Ausstattung und einem Bestellsystem, das individuellen Wünschen mehr Rechnung tragen soll. Der gesamte Umbau soll bis Ende 2019 abgeschlossen sein. Insgesamt gibt es in Deutschland derzeit 1478 Schnellrestaurants der Kette und rund 58.000 Mitarbeiter.

„Geschmacklich etwas besser“

Fraglich bleibt, wie sich eine grundlegend neue Produktionsmethode mit frischem Fleisch auf den Betrieb und die Kosten auswirken würde. Denn das ursprüngliche Konzept der Burger-Brüder McDonald’s, Richard „Dick“ und Maurice, orientiert sich an der Produktion der Autoindustrie. Sie führten die Fließbandfertigung, das „Speedee Service System“, in der Gastronomie ein: Wenige Handgriffe – und fertig ist das Endprodukt.

Ist es aber überhaupt ein Vorteil, wenn die Frikadelle frisch zubereitet und nicht blitzgefrostet wird? „Ich bin mir sicher, dass frisches Fleisch geschmacklich etwas besser ist“, sagt Ernährungsexpertin Susan Roberts von der Tufts-Universität in Boston. Allerdings sei die Tiefkühl-Technik mit schockgefrorenem Fleisch ein guter Weg, um Bakterien vorzubeugen und Keime fernzuhalten.

Frische Zutaten gelten bei mangelnder Hygiene oder Aufmerksamkeit der Mitarbeiter als Einfallstor für Krankheitserreger. „Wenn ich bei McDonald’s essen würde, wären mir gefrorene Buletten lieber“, sagt Roberts deshalb. (mit dpa)