Dieselmotor

Neue Vorwürfe – Trickste auch Opel bei den Abgaswerten?

Ein Opel-Zafira Diesel mit dem Abgastestsystem der Deutschen Umwelthilfe.

Ein Opel-Zafira Diesel mit dem Abgastestsystem der Deutschen Umwelthilfe.

Foto: DUH

Die Deutsche Umwelthilfe wirft Opel systematische Abgastricksereien bei einem Dieselmotor vor – und geht juristisch gegen Opel vor.

Berlin.  Die Deutsche Umwelthilfe (DUH) erhebt schwere Vorwürfe gegen den Autohersteller Opel. Bei Abgasuntersuchungen der Dieselmodelle Zafira 1.6.CDTi und Astra 1.6 CDTi fand der Softwareexperte Felix Domke nach DUH-Angaben unzulässige Abschalteinrichtungen der Abgasreinigung. „Der Opel Zafira arbeitet über 90 Prozent der Zeit im illegalen Modus“, sagte DUH-Chef Jürgen Resch, als er die Untersuchung vorstellte. Anders formuliert: Die betreffenden Modelle sollen fast ständig mehr gesundheitsgefährdende Stickoxide ausstoßen, als offiziell angegeben.

Stimmen die Vorwürfe, haben sich die Opel-Ingenieure einiges einfallen lassen, um bei den amtlichen Tests alle Grenzwerte einzuhalten, auf der Straße dann aber nicht. So funktioniert die Reinigung beim Opel Zafira nur bei Temperaturen zwischen 17 und 33 Grad Celsius ungemindert. Die Behörden messen bei der Zulassung von Fahrzeugen in einer Umgebung, die zwischen 20 und 30 Grad warm ist.

Ab Tempo 140 schaltet sich die Abgasreinigung aus

Schnell fahren ist ebenfalls eine schmutzige Angelegenheit, denn bei Tempo 140 schaltet die Reinigungsleistung herunter. Offizielle Messungen werden bei maximal 120 Kilometern pro Stunde durchgeführt. Auch bei einer Fahrt in mehr als 850 Metern Höhe funktioniert die Reinigung nicht mehr vollständig. Bei der Zulassung konnte dies wohl nicht bemerkt werden. „Alle Prüfeinrichtungen liegen wenigstens 100 Meter tiefer“, sagte Resch. Schließlich spielt für die Funktionsfähigkeit der Anlage auch die Drehzahl eine Rolle. Bei mehr als 2400 Umdrehungen des Motors schaltet sich die Abgasreinigung Resch zufolge aus.

Bei insgesamt zehn Straßenmessungen des Opel Zafira und bei acht Messungen des Opel Astra 1.6 CDTi stellten die DUH-Tester im Schnitt eine fünf- bis 8,6-fache Überschreitung der Euro-6-Grenzwerte für Stockoxide fest. Trotz zurückhaltender Fahrweise habe gerade der Opel Astra sehr hohe Stickoxidemissionswerte gezeigt, sagt Resch. Das Schadstoffminderungssystem sei praktisch außer Kraft gesetzt.

Opel weist Einsatz einer Schummelsoftware zurück

Opel selbst ging in einer Mitteilung nicht im Detail auf die Ergebnisse ein und wies als Erstes einen nicht erhobenen Vorwurf zurück. „Opel bekräftigt nochmals, dass wir keine Software einsetzen, die feststellt, ob ein Auto einem Abgastest unterzogen wird“, hieß es. Dies habe auch die Untersuchungskommission des Bundesverkehrministeriums festgestellt. Eine solche Schummelsoftware hatte VW jahrelang in Dieselmotoren eingebaut.

Opel zweifelte auch die Methode der DUH an: Bei der Abgasreinigung würden verschiedene Faktoren wie die Drehzahl, die Temperatur oder die Höhe verknüpft. „Solch ein komplexes System lässt sich nicht in einzelne Parameter zerlegen.“

Umwelthilfe schickt Opel Unterlassungserklärung

Die Umwelthilfe will nun die Justiz einschalten. So hat Resch den Rüsselsheimern eine Unterlassungserklärung zukommen lassen. Damit will der Verein von Opel den Verzicht eines wichtigen Teils seiner Werbung erzwingen. Werbeaussagen des Unternehmens wie „kompromisslos umweltfreundlich“ oder „Abgasbestwerte auf Benziner-Niveau“ soll der Autobauer unterlassen. Resch zufolge hat Opel bis zum kommenden Mittwoch Zeit, die Erklärung abzugeben. Sollte das Unternehmen dies verweigern, will die DUH dies gerichtlich durchsetzen.

Auch hat der Verein bei der Staatsanwaltschaft Darmstadt eine Strafanzeige gegen eventuell Verantwortliche für die Abschaltpraxis gestellt. Die Behörde soll mehrere Tatbestände prüfen: vorsätzliche Gesundheitsgefährdung und Verbrauchertäuschung. Zudem vermutet die DUH, dass dem Staat Steuern entgehen, weil die Fahrzeuge nicht so umweltfreundlich sind, wie offiziell angegeben.

Opel wird vor die Untersuchungskommission geladen

Die Ergebnisse seiner Messungen hat der Verein an das zuständige Bundesverkehrsministerium weitergeleitet. Minister Alexander Dobrindt (CSU) wollte den Fall zunächst nicht bewerten. „Die Inhalte werden von der Untersuchungskommission geprüft“, kündigte ein Sprecher des Ministeriums aber an. Dobrindt hatte die Expertenrunde eingesetzt, um den VW-Skandal zu klären. In der kommenden Woche werde Opel vor die Kommission geladen, sagte der Sprecher.

Das Umweltministerium äußerte Zweifel an der Rechtmäßigkeit der Opel-Technik. „Jede Form der Abschaltung ist erst einmal rechtswidrig“, stellte ein Sprecher fest. Es gebe von dieser Regel nur wenige Ausnahmen. Zudem verwies der Sprecher auf den Sinn der den Grenzwerten zugrunde liegenden EU-Norm: „Das ist eine Norm für den Gesundheitsschutz, nicht für den Motorenschutz.“

Schwammig formulierte EU-Norm

Tatsächlich ist die Norm schwammig formuliert. Sie lässt eine geringere Abgasreinigung zu, wenn sonst der Motor leidet. Darauf redeten sich viele Hersteller heraus, als die Untersuchungskommission des Verkehrsministeriums vor Kurzem feststellte, dass die entsprechenden Einrichtungen an Dieselmotoren mehrerer Hersteller in der Regel bei geringen Temperaturen heruntergefahren werden.

Sollte die eingesetzte Technik illegal sein, hat Opel ein großes Problem. Schlimmstenfalls könnte das Kraftfahrtbundesamt den betroffenen Modellen die Typgenehmigung entziehen. Dann dürften sie nicht mehr verkauft oder betrieben werden.