Sicherheitsbericht

Deutsche Bahn: Weniger Straftaten in Zügen und Stationen

Ein mit Graffiti besprühter Zug in Nordrhein-Westfalen. Die Kosten für das Säubern der Züge sind jedes Jahr hoch.

Ein mit Graffiti besprühter Zug in Nordrhein-Westfalen. Die Kosten für das Säubern der Züge sind jedes Jahr hoch.

Foto: blickwinkel / imago stock&people

Von Schwarzfahren bis Körperverletzung: Zuletzt sind Züge und auch Bahnhöfe wieder sicherer geworden – allerdings nicht für jeden.

Berlin.  Aufgeschlitzte Sitze, Schlägerei nach der Disco und Hooligans, die ihren Frust nach Niederlagen ihrer Clubs am Kontrolleur auslassen – in Zügen und auf Bahnhöfen gibt es immer wieder Stress. Zuletzt sind diese Orte für Reisende allerdings etwas sicherer geworden. Laut Bahn und Bundespolizei sank die Zahl der Straftaten 2015 um drei Prozent. Meist geht es um Schwarzfahren und Taschendiebstahl.

„Fakt ist, bei der Bahn passiert sechsmal weniger als im restlichen öffentlichen Raum“, sagte Bahn-Sicherheitschef Hans-Hilmar Rischke. Doch bestimmte Täter machen nach wie vor große Probleme. Und die eigenen Sicherheitsleute werden immer häufiger zum Opfer. Die Bahn stellte am Montag den aktuellen Sicherheitsbericht vor.

Hooligans will sich die Bahn künftig härter vorknöpfen. „Fußballfans sind verdammt wichtige Kunden“, sagt Rischke. Doch an Bahnhöfen treffen gewaltbereite Anhänger aufeinander. Die Folge: Randale, nicht nur beim Derby. Jedes Wochenende gebe es 55 bis 60 Straftaten. „Das bindet Kräfte, die uns an anderer Stelle fehlen“, sagt Bundespolizei-Präsident Dieter Romann. Die Bahn will sich beim Fußball was abschauen: Gewalttätige Hooligans sollen noch am Bahnhof direkt die rote Karte bekommen.

Vandalismus ging deutlich zurück. Im Vergleich zu 2012 zählte die Bahn 2015 nur noch halb so viele Fälle von beschädigten Sitzen, zerkratzten Scheiben oder zerstörten Fahrkartenautomaten. Trotzdem gab es Schäden von mehr als 26 Millionen Euro.

Graffiti verursacht hohe Schäden. Einen ganzen Zug zu bemalen – auch „bomben“ genannt – bringt in der Sprayer-Szene besondere Anerkennung. Die Bahn hat dadurch im Jahr einen Schaden von mehr als acht Millionen Euro. Dreimal könne man einen Zug reinigen, sagt Rischke. „Dann ist der Lack ab.“ Im vergangenen Jahr hatte das Unternehmen die Sprayer daher besonders im Visier – die Taten gingen um 15 Prozent auf 16.240 zurück.

Metalldiebe schlugen ebenfalls seltener zu. Die Bahn registriert ein Minus von 16 Prozent. Dennoch kamen deswegen rund 7000 Züge insgesamt 105.000 Minuten zu spät. „Kunden kamen nicht pünktlich zur Arbeit. Das muss ein Ende haben“, mahnt Rischke.

Angriffe gegen Mitarbeiter nehmen deutlich zu. Laut Rischke kommen die Täter aus allen Bevölkerungsgruppen: „Wir hatten Jugendliche, die Zugbegleiter anspuckten, ein 70-jähriges Ehepaar, das den Kontrolleur aus dem Zug stieß.“ Eine Mutter sei einem Mitarbeiter mit dem Kinderwagen so heftig ans Schienbein gefahren, dass er stürzte und mit dem Kopf aufschlug. Ein Geschäftsmann schüttete dem Zugpersonal heißen Kaffee ins Gesicht. Eine „Horde Wildgewordener“ habe eine Mitarbeiterin durch den Zug gehetzt und sie gezwungen, die Bluse zu öffnen. „Die Verrohung der Gesellschaft, der Mangel an Respekt vor Uniformträgern nimmt dramatisch zu“, warnt Rischke.

Terror ist für Bahn und Bundespolizei besonders aktuell. Es müsse jederzeit mit Angriffen in Deutschland gerechnet werden, betont Romann. Nach den Anschlägen in Paris und Brüssel seien Kontrollen im grenzüberschreitenden Bahnverkehr zu den Benelux-Ländern verstärkt worden. Man habe Kommunikationsketten verabredet, Mitarbeiter im Erkennen von Gefährdungshinweisen geschult. „Diese Gefahrenlage kann ganz unerwartet kommen“, warnt Romann.

Kameras sind laut Bahn eine wichtige Säule im Sicherheitskonzept. Im vergangenen Jahr wurde auf 70 Bahnhöfe neue Videotechnik installiert. Insgesamt sind rund 700 Bahnhöfe und jeder zweite Nahverkehrszug mit Kameras ausgestattet. In diesem Jahr soll es in Nürnberg, Hannover, Köln und Bremen neue Technik geben. Auch für mehrere Berliner Bahnhöfe, Hamburg, Frankfurt, Essen und Düsseldorf gibt es Pläne. „Überall da, wo die Technik nicht mehr zeitgemäß ist oder Ausfallerscheinungen zeigt, wird ertüchtigt“, verspricht Rischke. Zwischen 2013 und 2023 will die Bahn insgesamt 85 Millionen Euro in neue Kameras investieren. (dpa)