Automesse

Deutsche Firmen zeigen Neuheiten bei Motorshow in China

Die neue E-Klasse von Mercedes ist ein deutliches Stück länger als bisher und mit mehr Platz auf der Rückbank. Zu kaufen gibt es das Modell aber nur in China.

Die neue E-Klasse von Mercedes ist ein deutliches Stück länger als bisher und mit mehr Platz auf der Rückbank. Zu kaufen gibt es das Modell aber nur in China.

Foto: How Hwee Young / dpa

Auf der Automesse in Peking präsentieren die Hersteller ihre Innovationen – und spekulieren auf Wachstum an Chinas Oberklassenmarkt.

Peking.  Auf der Automesse in China warten die Hersteller mit zahlreichen Neuheiten auf. Mit dabei sind auch zahlreiche deutsche Hersteller. So präsentiert Mercedes seine neue und verlängerte E-Klasse: Auf der Motorshow in Peking steht sie in einer Version mit 14 Zentimetern mehr Radstand. Damit trägt der Hersteller nach eigenen Angaben dem überdurchschnittlich hohen Anteil an Chauffeur-Fahrzeugen auf dem chinesischen Markt Rechnung.

Der auf 3,08 Meter gewachsene Radstand der jetzt 5,06 Meter langen E-Klasse kommt laut Mercedes ausschließlich den Hinterbänklern zugute. Diese profitieren allerdings nicht nur von mehr Beinfreiheit, sondern bekommen auch eine neue Bedienkonsole in der Mittelarmlehne. Sie bietet unter anderem einen USB-Anschluss, ein klimatisiertes Ablagefach, gekühlte Becherhalter sowie erstmals bei Mercedes einen Touchscreen, mit dem man vom Fond aus das Infotainment steuern kann.

Obwohl sich wohl auch manche Taxikunden oder Familien in Europa über mehr Beinfreiheit im Fond freuen würden, erteilt Mercedes solchen Nachfragen eine Absage: Die lange E-Klasse wird gemeinsam mit einem chinesischen Partner in China gebaut – und auch nur dort verkauft.

Smart gibt sich betont sportlich

Sportlich zeigt sich Smart mit dem neuen Brabus-Modell und kündigt den Verkaufsstart für diesen Sommer an. Die Autos lässt die Mercedes-Marke beim Bottroper Tuner Brabus veredeln. Der Motor leistet dem Hersteller zufolge 80 kW/109 PS. Damit beschleunigt der Smart laut Hersteller in 9,5 beziehungsweise 10,5 Sekunden von null auf 100 km/h und erreicht maximal zwischen 165 und 180 km/h.

Den Verbrauch gibt Smart für den Zweitürer mit mindestens 4,5 und für den Viertürer mit 4,6 Litern an. Der geschlossene Zweitürer Fortwo kostet mindestens 19.710 Euro, das Cabrio steht ab 22.970 Euro in der Liste. Für den Viersitzer Forfour verlangt Smart mindestens 20.520 Euro.

Porsche mit neuer Motorgeneration

Neuheiten auch von Porsche: Nach 911 und Boxster baut der Hersteller nun auch im Cayman eine neue Motorengeneration ein und führt das Mittelmotorcoupé – wie den Boxster – künftig als Baureihe 718. Die geschlossene Version des 718 Boxster feiert ihre Weltpremiere auf der Motorshow in Peking und kommt im September zu den Händlern. Die Preise beginnen bei 51.623 Euro für den Cayman und 64.118 Euro für den Cayman S, teilte Porsche mit. Damit liegt der Cayman preislich erstmals unterhalb des Boxsters.

Wie im Roadster ersetzen mit der Modellpflege nun auch im Coupé aufgeladene Vierzylinder die bisherigen Sechszylinder-Boxermotoren. Im Grundmodell leistet der zwei Liter große Motor 220 kW/300 PS und 380 Nm. Für den Cayman S nennt Porsche 2,5 Liter Hubraum, 260 kW/350 PS und 420 Nm. Je nach Motor und Getriebe erreicht der Cayman aus dem Stand in bestenfalls 4,2 Sekunden Tempo 100 und beschleunigt bei Vollgas auf bis zu 285 km/h. Den Verbrauch gibt Porsche mit 6,9 bis 8,1 Litern und den CO2-Ausstoß mit 158 bis 184 g/km an.

In China mehr Absatz im Oberklassenmarkt

Die auf der Messe vorgestellten teuren Autos liegen im Trend und decken sich mit den Markterwartungen. So sagt auch Audi-Vertriebschef Dietmar Voggenreiter, dass sich der Oberklassemarkt in China in den kommenden Jahren schneller entwickeln wird als der Gesamtmarkt. „Wir werden langfristig in China ein höheres Wachstum am Premiummarkt sehen“, sagte Voggenreiter am Montag zur Eröffnung der Pekinger Automesse. Trotz des langsameren Wachstums im Vorjahr sei das Potenzial groß. Während es in Europa 20 Prozent Premiumfahrzeuge gebe, seien es in China erst neun Prozent.

Weltweit rechnet Audi auf seinen drei großen Märkten in Europa, den USA und China mit fünf bis sechs Prozent Wachstum in diesem Jahr, sagte Voggenreiter. In China legten die Ingolstädter im ersten Quartal allerdings erst um 4,7 Prozent im Vergleich zum Vorjahr zu, obwohl der Premiummarkt um gut zehn Prozent wuchs. Voggenreiter war mit seiner China-Prognose auch bewusst zurückhaltend, da 2015 und 2016 „Übergangsjahre“ mit Modellwechseln seien.

BMW rechnet mit höheren Absätzen

Auch BMW rechnet in China im laufenden Jahr mit einem kleinen Absatzplus. „Wir erwarten ein einstelliges Wachstum“, sagte Vertriebschef Ian Robertson zu Reuters am Montag in Peking. Das gelte sowohl für die BMW Group als auch für Premiumfahrzeuge auf dem weltgrößten Automarkt insgesamt. Die Pkw-Nachfrage werde vermutlich um einen mittleren einstelligen Prozentsatz zulegen, „vielleicht etwas mehr“, sagte Robertson. Die Höhe hänge von der wirtschaftlichen Entwicklung ab.

Im vergangenen Jahr hatte BMW den Absatz auf dem weltgrößten Pkw-Markt um 1,7 Prozent auf gut 460.000 Fahrzeuge gesteigert. Verantwortlich für das langsame Wachstum in diesem Jahr sei auch die die Umstellung der Produktion auf den neuen X1, sagte Robertson. Insgesamt fertigen die Münchner derzeit vier Modelle in der Volksrepublik – den kompakten Geländewagen X1, den 3er und den größeren 5er sowie den kleineren 2er Active Tourer. Die Zahl der Modelle soll sich in den kommenden Jahren auf sechs erhöhen.

Konkurrent Daimler nannte keinen konkreten Ausblick für den Absatz in China. China-Vorstand Hubertus Troska verwies auf die Prognose des Herstellerverbandes CAAM, der für dieses Jahr von bis zu acht Prozent Zuwachs ausgeht. Mercedes sei „positiver Dinge“, sagte Troska. Die Stuttgarter wachsen derzeit mit großen Schritten in China. Im ersten Quartal legten die Auslieferungen um mehr als ein Drittel zu. Vom Erfolg im Reich der Mitte hängt ab, ob die Schwaben das Ziel schaffen, bis 2020 an BMW und der VW-Tochter Audi vorbeizuziehen und wieder dauerhaft der größte Premiumanbieter weltweit zu werden. Nach drei Monaten gelang dies bereits 2016. (dpa/rtr)