Versandhandel

Amazon neu: Morgens bestellt, abends geliefert

Zum Start liefert Amazon in Deutschland in 14 Metropolregionen noch am Tag der Bestellung.

Zum Start liefert Amazon in Deutschland in 14 Metropolregionen noch am Tag der Bestellung.

Foto: Henning Kaiser / dpa

Für 10 Euro liefert Amazon nun schon am Bestelltag aus. Der Service ist an sich nicht neu, Amazon erhofft sich aber viel davon.

Berlin.  Kurz vor dem wichtigen Weihnachtsgeschäft hat der Onlinehändler Amazon werbewirksam ein neues Angebot gestartet. Von sofort an liefert der Konzern in 14 deutsche Stadtregionen Pakete schon am Bestelltag aus, darunter Berlin, Hamburg und große Teile des Ruhrgebiets. Das Angebot umfasst mehr als eine Million vorwiegend kleinere Produkte, wie das Unternehmen am Donnerstag meldete. Amazon arbeitet für das Angebot mit den Paketdiensten DHL der Deutschen Post und dem Kurierdienst Stadtbote zusammen.

Nutzen können das Angebot grundsätzlich alle Amazon-Kunden. Pro Bestellung kostet das 9,99 Euro. Wer den Dienst Prime abonniert hat, zahlt ab einem Bestellwert von 20 Euro nichts. Die Artikel müssen am Morgen bestellt werden, wobei der Zeitpunkt je nach Region unterschiedlich sein kann, was unter anderem mit der Nähe zu einem der neun Logistikzentren Amazons zu tun hat. Geliefert werden soll zwischen 18 und 21 Uhr, Montag bis Samstag. Im Programm sind zunächst eher kleinere Produkte wie Elektronikartikel, Bücher oder Heimwerkerzubehör. Diese stammen nicht nur von Amazon selbst, sondern auch von selbstständigen Händlern, die ihre Waren über die Plattform des US-Konzerns anbieten.

Deutsche Post baut Paketdienst aus

Der sogenannte Same-Day-Delivery-Service ist grundsätzlich nicht neu in der Branche, die Einführung bei Amazon könnte dem Angebot allerdings einen Schub geben. Der Berliner Online-Modehändler Zalando testet ein solches Angebot bereits in Berlin und Köln. Dort bekommen ausgewählte Besteller bis 16 Uhr eine Nachricht, dass die Ware zwischen 19 und 21 Uhr zugestellt werden kann. Zalando arbeitet mit dem Dienstleister Liefery zusammen, an dem sich der Logistiker Hermes im Sommer beteiligt hat. Hermes wiederum gehört zur Hamburger Otto-Gruppe, die sich mit der Zustellung am selben Tag ebenfalls beschäftigt, aber noch kein eigenes Angebot hat.

Die Deutsche Post hat ihren schnellen Paketdienst bereits im vergangenen Jahr gestartet und dafür neben Amazon auch andere Onlinehändler gewonnen, etwa Lebensmittelversender wie AllyouneedFresh oder MyTime.

Eine Umfrage des Handelsinstituts ECC zusammen mit Hermes und SAP hatte ergeben, dass Onlineshopper vor allem auf eine flexible und transparente Lieferung wert legen. Dazu zählt die Möglichkeit, ein Paket an eine Nachbarn schicken zu lassen, wenn der Besteller nicht im Haus ist oder auch eine Sendung umzuleiten. Nur zwei Prozent der 10.600 befragten Onlineeinkäufer forderten eine Zustellung am selben Tag. Für die Mehrheit reichten zwei bis drei Tage als Lieferfrist aus. „Vielen Kunden ist eher eine stundengenaue Zustellung wichtig“, sagte ein Sprecher des Handelsverbands HDE.

Amazon will Amazon Prime attraktiver machen

Für Amazon ist der neue Zustellservice nur ein Baustein von mehreren, um den eigenen Abodienst Prime für die Kunden attraktiver zu machen. Neben kostenloser Zustellung bietet er unter anderem einen Filmdienst, eine Leihbücherei für den E-Book-Reader Kindle und einen Musikstreamingdienst.

Eine Gefahr für den klassischen Einzelhandel sieht der HDE nicht. Der Trend gehe dazu, klassisches Ladengeschäft und online zu verbinden, sagte der Verbandssprecher. Der deutsche Einzelhandel wird in diesem Jahr rund 471 Milliarden Euro umsetzen, rein online sind davon wohl knapp 42 Milliarden Euro.