Hamburger Unternehmen

Pullis mit Klett-Motiven für jede Stimmung

Trutz von Klodt gründete das StartUp feralstuff

Trutz von Klodt gründete das StartUp feralstuff

Foto: Andreas Laible

Immer anders gekleidet: Auf den Klamotten des Hamburger Modelabels feralstuff kann man mehr als 100 Motive zum Wechseln befestigen.

Meistens tut er es mehrmals täglich. Das erste Mal morgens zu Hause, dann später ein paarmal im Büro. Und manchmal auch noch abends. Je nachdem, in welcher Stimmung er ist. Ob ihm nach Pommes, Smarties oder Ananas ist, ob er Lust auf einen „Veggi Day“ hat oder sich wie der „Master of Space“ fühlt. Entsprechend seiner jeweiligen Laune ändert Trutz von Klodt sein Outfit ein paarmal am Tag. Doch während sich andere für einen neuen Look komplett umziehen müssen, wechselt der 28-Jährige einfach nur das Motiv auf seinem Kapuzenpullover aus. Oder auf dem T-Shirt. Oder auf der Tasche. Oder dem Rucksack.

Auf den Sachen befindet sich eine Flausch-Fläche, auf die bedruckte oder bestickte Dreiecke via Klett befestigt werden können – sogenannte Patches. Mehr als 70 Motive hat feralstuff im Angebot. In Kombination mit verschiedenen Kapuzenpullovern, Sweatern, T-Shirts und Jutebeuteln ergibt das „die coolsten und individuellsten Klamotten, die man sich vorstellen kann“, sagt Trutz von Klodt. Die Ideen für ein Motiv werden von ihm und einem vierköpfigen Team gemeinsam entwickelt, von einer Grafikerin entworfen und schließlich in einer Druckerei in Hamburg produziert. Rund zwei Wochen dauert es von der ersten Idee bis zum Verkauf des Patches mit dem Motiv im Onlineshop. „Angesichts dieser kurzen Produktionszeit können wir auf aktuelle Geschehnisse reagieren und entsprechende Motive kreieren“, sagt Trutz von Klodt. So wie vor Kurzem, als feralstuff kurzfristig einen Patch mit Löwen ins Programm aufnahm, nachdem ein amerikanischer Arzt im Nationalpark von Simbabwe den beliebten Löwen Cecil erschossen hatte. Wer es persönlicher haben will, der kann im Onlineshop eigene Bilder hochladen und als Dreieck verwenden. Kosten für die Patches: ab 12,90 Euro. Für ein Shirt fallen 29,90 Euro an, für einen Sweater 59,90 Euro und für einen Kapuzenpullover 69,90 Euro.

Feralstuff profitiert davon, dass viele Kunden auf individuelle Mode setzen

Der Erfolg von feralstuff, was so viel wie ungezähmtes, wildes Zeug heißt, kommt langsam ins Rollen: Alleine in diesem Jahr hat das Unternehmen bereits nach eigenen Angaben rund 2000 Pullover, Shirts, Taschen, Mützen und Kappen sowie mehr als 4000 Patches verkauft. Zwei bis drei Klett-Dreiecke kauft jeder Kunde – durchschnittlich. Es gibt aber auch Sammler, die jeden neuen Patch kaufen und inzwischen weit mehr als 100 Motive haben. Das persönliche Lieblingsmotiv von Trutz von Klodt sind Tiere, er selbst ist seit 20 Jahren Vegetarier. Sein Motto: „Patch statt Pelz“.

Die Idee zu Klamotten mit wechselbaren Motiven hat Trutz von Klodt, der nach der Trutz- und Schutzburg benannt ist, vor rund zwei Jahren mit seinem Freund Jonas Sieben entwickelt. Damals trug er seinen alten Abi-Pullover, der qualitativ zwar noch gut erhalten war, dessen Motiv aber total verwaschen und längst veraltet war. „Daher wollten wir einen Pullover kreieren, den man ewig tragen kann. Dessen Motiv nie alt wird – weil man es regelmäßig austauschen kann“, sagt Trutz von Klodt und meint: Ein Kleidungsstück von hoher Qualität, das man immer wieder neu gestalten kann – anstatt es neu zu kaufen.

Gemeinsam mit Jonas Sieben, der schon als 16-Jähriger einen Onlineshop für Kaugummis aufgezogen hatte, experimentierte er mit Magneten und Klebefolien, bevor sich die Klett-Variante durchsetzte. Über das Internet machten die Jungunternehmer ihre Idee publik und gingen nur drei Monate nach der ersten Idee mit ihrem Shop online – und verkauften im ersten viertel Jahr mehr als 200 Pullover. Rund 20.000 Euro haben die Freunde in das Unternehmen gesteckt – und dafür auf alles andere verzichtet. „Ich habe zu der Zeit in einer WG gewohnt und jeden Cent aus meinem Job in die Firma investiert, weil ich an das Produkt und dessen Erfolg geglaubt habe“, sagt Trutz von Klodt.

Feralstuff profitiert wie viele Onlinegeschäfte von einem sich wandelnden Einkaufsverhalten. Da die Menschen ihr Leben zunehmend vom heimischen Computer aus organisieren, shoppen viele eher im Internet als in der Innenstadt. Die Folge: Während mittelständische Boutiquen und Modehäuser nach Angaben des Bundesverbandes des Deutschen Textileinzelhandels (BTE) Umsatzeinbußen hinnehmen müssen, legen Onlineshops zu. Die Branchenexperten schätzen, dass 2014 rund drei Prozent mehr Bekleidung und Textilien per E-Commerce verkauft wurden. Damit steigt der Marktanteil der Onlineshops auf rund 15 Prozent. Ein weiterer Vorteil für feralstuff: „Viele mittelständische Modehändler setzen auf kleine individuelle Marken, um sich von der Konkurrenz abzusetzen“, sagt Axel Augustin, Sprecher des BTE. Insgesamt geben die Bundesbürger jährlich mehr als 60 Milliarden Euro für Bekleidung und Schuhe aus.

Trutz von Klodt hat ein gutes Händchen für neue Geschäftsideen. Noch während seines Studiums in den Niederlanden baute der angehende Betriebs- und Volkswirt sein erstes Unternehmen auf: Karmawood – ein Label für Holzsonnenbrillen, die inzwischen von zahlreichen Optikern vertrieben werden. In diesem Jahr hat er Karmawood verkauft, um sich ganz dem Auf- und Ausbau von feralstuff zu widmen. Denn er führt das Unternehmen inzwischen alleine, Jonas Sieben ist ausgestiegen. „Nachdem die Internetseite fertiggestellt war, brauchte er eine neue Herausforderung“, sagt Trutz von Klodt. Aber bitte, keine Missverständnisse: Befreundet sind die beiden noch immer, Jonas Sieben verantwortet nach wie vor die Firmen-Website.

Inzwischen werden die Produkte von feralstuff nicht mehr nur übers Internet verkauft, sondern auch im stationären Handel. In Hamburg hat ein Geschäft die Klett-Klamotten im Sortiment, deutschlandweit sind es bereits 20. Und sogar in der Schweiz, Österreich, Südkorea und Italien werden die Sachen vertrieben. „Bei der Berliner Fashion Week sind viele Kunden auf uns aufmerksam geworden“, sagt Trutz von Klodt, der nach dem Onlinemarkt jetzt den stationären Handel erschließen will. „Unser Produkt lebt davon, es zu sehen, zu fühlen und auszuprobieren“, so der Jungunternehmer. Von feralstuff alleine kann er noch nicht leben, er betreibt noch eine Website- sowie Onlineagentur und berät Firmen beim Einstieg ins E-Commerce. Aktuell tüftelt er an seinem nächsten Produkt: einer Hose mit austauschbaren Motiven. Er hängt nämlich an seiner Idee von Klebe-Klamotten. Wie eine Klette!