Deutsche Bank

Ein Mann ohne Skandale rückt an die Spitze

John Cryan, 54, der
neue Mann an der
Spitze der Deutschen
Dank. Der
Brite arbeitete und
lebte zeitweise in
München und
spricht daher gut
deutsch

John Cryan, 54, der neue Mann an der Spitze der Deutschen Dank. Der Brite arbeitete und lebte zeitweise in München und spricht daher gut deutsch

Foto: dpa

John Cryan, der die Deutsche Bank bald lenkt, genießt einen guten Ruf. Die Probleme des Hauses dürften ihm vertraut sein.

Frankfurt. John wer? John Cryan also soll es richten bei der Deutschen Bank. Wieder ein Brite wie der ungeliebte Anshu Jain, 52, dessen Posten in der Doppelspitze Cryan, 54, schon in gut drei Wochen übernehmen soll. Wieder ein Banker, der über Jahre an den internationalen Kapitalmärkten das große Rad gedreht hat. Doch damit erschöpfen sich die bekannten Gemeinsamkeiten mit Jain auch schon.

„Er ist auf jeden Fall in die Skandale nicht verstrickt und verwickelt – das ist ja schon mal was heutzutage bei der Deutschen Bank“, lobt Aktionärsschützer Klaus Nieding von der Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz den neuen Mann an der Konzernspitze.

Doch wer ist der Mann, den Investoren schon als Heilsbringer für die Deutsche Bank sehen? In der Finanzwelt wird Cryan für seine Erfolge als Finanzvorstand der Schweizer Großbank UBS geschätzt. Die „New York Times“ lobt: „Cryan ist klug und sachbezogen und er weiß, wie man eine große Bank dazu bringt, bittere Pillen zu schlucken.“ Der UBS half Cryan bis 2011 bei der Umstrukturierung: Sie verabschiedete sich weitgehend vom Investmentbanking und baute die internationale Vermögensverwaltung aus. Cryan genießt noch heute große Anerkennung am Bankenplatz Zürich.

In der Deutschen Bank gilt der Brite als Branchenkenner ohne Stallgeruch, der zudem sehr gut Deutsch spreche und einen engen Bezug zum Heimatmarkt der Bank habe. Und auch die Probleme des Hauses dürften ihm bereits bestens vertraut sein. Zwar wurde Cryan erst 2013 in den Aufsichtsrat geholt, doch dort hat er Schlüsselpositionen: Als Vorsitzender des Prüfungsausschusses kontrolliert er die Bilanzen, im Risikoausschuss wacht Cryan über mögliche Gefahren.

„Es kommt ein neuer Chef, er steht aber vor den alten Problemen“, sagt der Analyst Jernej Omahen von Goldman Sachs. Ein Deutsche-Bank-Betriebsrat ist skeptisch, dass es einen wirklichen Wandel geben wird: „Es werden Menschen ausgetauscht, die neue Strategie ist aufs Investmentbanking ausgerichtet, und dabei wird es bleiben.“