Frankfurt

Die Deutsche Bank schließt bis zu 200 Filialen

Präsentierten am Montag ihre neuen Pläne: die beiden CoVorstandsvorsitzenden
der Deutschen Bank Anshu Jain (r.) und Jürgen Fitschen

Präsentierten am Montag ihre neuen Pläne: die beiden CoVorstandsvorsitzenden der Deutschen Bank Anshu Jain (r.) und Jürgen Fitschen

Foto: Boris Roessler / dpa

Führungsduo senkt Renditeziel und reduziert umstrittenes Investmentbanking. Postbank-Mitarbeiter erhalten Kündigungsschutz bis 2017.

Frankfurt. Die Deutsche Bank beschneidet ihr Filialnetz massiv. Von den 700 Standorten in Deutschland sollen bis 2017 nur noch 500 übrig bleiben. Wie viele Jobs deshalb wegfallen, ließen die beiden Co-Vorstandschefs Anshu Jain und Jürgen Fitschen am Montag in Frankfurt offen. Die Bank will sich zudem aus bis zu zehn Ländern ganz oder zum Teil zurückziehen und sich in Europa auf nur noch fünf Länder konzentrieren – zusätzlich zum Heimatmarkt Deutschland. Die Tochter Postbank soll bis Ende nächsten Jahres an die Börse gebracht werden. Die Investmentbank – vor allem der Handel mit Rohstoffen und riskanten Derivaten – wird ebenfalls abgespeckt.

Jain und Fitschen hoffen, so aus der Defensive zu kommen, nachdem sie ihre Ziele zuletzt mehrfach verfehlt haben. Bei Börsianern und Investoren kam das Konzept nicht gut an: Die Aktie übernahm mit einem Minus von zeitweise mehr als fünf Prozent die rote Laterne im Deutschen Aktienindex (DAX). Ein Fondsmanager kritisierte, die Bank werde seit Jahren umgebaut, der große Wurf aber fehle. „Man hätte viel mutigere Schritte viel früher unternehmen können.“ Wenn der neue Anlauf auch nicht klappe, müssten die beiden Vorstandschefs gehen.

Jain und Fitschen erklärten, ein Rücktritt sei für sie kein Thema. Die neue Strategie müsse mit aller Kraft umgesetzt werden. „Wir bleiben global, aber wir müssen uns auf Länder konzentrieren, die für unsere Kunden die wichtigsten sind“, sagte Jain. Fitschen betonte: „Wir werden nicht mehr versuchen, alles für jeden zu sein.“ Das Institut bleibe aber eine Universalbank. Viele Investoren hatten auf eine Abspaltung des Privatkundengeschäfts und eine Zerlegung des Instituts in eine Filial- und Investmentbank gehofft. Der Aufsichtsrat entschied sich aber für die „kleine“ Lösung.

Die jetzt beschlossene „Strategie 2020“ wird teuer für die Deutsche Bank

Die Entscheidung über die neue Strategie war mit Spannung erwartet worden. Das Institut ächzt unter immer höheren Regulierungskosten, die im Branchenvergleich mageren Gewinne reichen den Investoren nicht mehr. „Die Deutsche Bank war in den letzten 30 Jahren ein mäßiges Investment. Ich weiß nicht, warum sich das ändern sollte“, äußerte sich ein zweiter Fondsmanager ernüchtert. Jain und Fitschen räumten ein, dass vieles nicht erreicht wurde, was sie bei ihrem Amtsantritt im Juni 2012 versprochen hatten. „Wir haben zahlreiche Rückschläge erlebt“, sagte Jain: „Es steht außer Zweifel, dass wir mehr hätten tun und mehr hätten erreichen können.“

Ihr lange verteidigtes Renditeziel von zwölf Prozent nach Steuern gaben die beiden Co-Chefs am Montag auf. Künftig werden mindestens zehn Prozent angepeilt, aktuell schafft die Bank gerade mal drei Prozent. „Ich wollte mit etwas Realistischerem herauskommen – und das dann auch erreichen“, erklärte Jain. Auch die Commerzbank peilt eine Rendite von zehn Prozent an, hält dies aber zunehmend mit Blick auf die Märkte für schwierig. US-Rivalen wie Goldman Sachs, an denen sich die Deutsche Bank eigentlich messen lassen will, liegen locker darüber.

Die jetzt beschlossene „Strategie 2020“ ist teuer. Der geplante Konzernumbau kostet zunächst etwa 3,7 Milliarden Euro. Allein das Ziel, die Bilanz der Investmentbank von bislang 900 Milliarden Euro um 200 Milliarden Euro zurückzufahren, dürfte das Ergebnis um insgesamt rund 800 Millionen Euro schmälern.

Der Protest der Postbank-Mitarbeiter war erfolgreich – auch in Hamburg

Der für den Konzernumbau zuständige Vorstand Stefan Krause schloss nicht aus, die Postbank an einen Konkurrenten zu verkaufen, statt das Institut an die Börse zu bringen. Der „sicherste Weg“ sei derzeit aber der Börsengang, der Ende 2016 stattfinden soll. Über kurz oder lang wolle die Deutsche Bank dann komplett aussteigen. Krause zeigte sich zuversichtlich, dass der Börsengang gelingen wird: „Jeder wird investieren, der daran glaubt, dass die Postbank Teil der Konsolidierung in Europa sein wird.“ Die Postbank-Aktie verteuerte sich am Montag um fast 13 Prozent. Allerdings sind nur gut drei Prozent der Anteile frei handelbar.

Die 15.000 Postbank-Mitarbeiter müssen dabei erst mal nicht um ihre Jobs zittern. Die Gewerkschaft Ver.di – die im Aufsichtsrat mit für die Abspaltung gestimmt hatte – boxte den Kündigungsschutz bis 2017 durch, für den viele Postbanker in den vergangenen Wochen auf die Straße gegangen waren – auch in Hamburg. Hoffnungen, welche die Deutsche Bank mit dem Einstieg bei der Postbank 2008 verbunden hatte, haben sich nie erfüllt. Heute belastet die Tochter mit ihren 14 Millionen Kunden den Mutterkonzern, weil Spareinlagen und Hypotheken- und Wohnungskredite die Konzernbilanz aufblähen. Mit einem Verkauf kann die Deutsche Bank ihre Bilanz mit einem Schlag deutlich verkleinern.

Ohnehin hat die Postbank als Tochterunternehmen des Branchenprimus in den vergangenen Monaten mehrfach für negative Schlagzeilen gesorgt. Viele, vor allem ältere Kunden waren zum Beispiel verärgert darüber, dass beleghafte Überweisungen seit 1. April gebührenpflichtig sind. Die Bankführung begründete diesen Schritt mit den aus ihrer Sicht zu hohen Kosten. Erst auf Druck der Öffentlichkeit wurde die Einführung der Gebühr im Nachhinein ein wenig aufgeweicht.

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