Luftfahrt

Airbus erwägt Aus für A380 - Konsequenzen für Hamburg

Hochrangiger Manager stellt Produktion des Riesenfliegers nach 2018 infrage. Aktie bricht nach Gewinnwarnung ein.

Hamburg. Zwar hat sich der Mega-Flieger Airbus A380 zuletzt eher schleppend verkauft. Dennoch kam diese Nachricht völlig überraschend: Der Hersteller denkt über das Ende des doppelstöckigen Jets nach. Der Konzern werde den Flugzeugtyp ab dem Jahr 2018 entweder mit sparsameren Triebwerken modernisieren oder aber die Produktion einstellen, kündigte Finanzchef Harald Wilhelm am Mittwoch in London bei einer Investorenveranstaltung an.

Dies ist offenbar aber ein Extremszenario. „Wir haben zum A380 noch eine Menge vielversprechender Karten auf der Hand“, sagte Firmensprecher Stefan Schaffrath. Man prüfe eine Reihe von Möglichkeiten, das Flugzeug weiterzuentwickeln. „Wir glauben an den A380“, sagte Tom Enders, Vorstandschef des Mutterkonzerns Airbus Group, auf der gleichen Veranstaltung.

Sein Problem: In den nächsten Jahren kommen immer mehr zweistrahlige Flugzeuge modernster Technologie auf den Markt, die bis zu 400 Passagiere zu ähnlich geringen oder gar geringeren Kosten pro Fluggast befördern können als der A380 mit vier Triebwerken und mehr als 500 Sitzen. Boeing hat mit dem Modell 777-8 einen solchen Jet für Anfang nächsten Jahrzehnts angekündigt, aber auch Airbus selbst will bereits 2017 mit dem A350-1000 ebenfalls ein Flugzeug dieser Kategorie auf den Markt bringen.

Vor diesem Hintergrund drängt besonders Tim Clark, Chef des wichtigsten A380-Kunden Emirates Airline, auf eine sparsamere Ausführung des Airbus-Flaggschiffs. Er fordert Berichten zufolge eine Antwort von dem Hersteller, ob man eine modernisierte Version des Megajets mit einem um zehn bis zwölf Prozent reduzierten Verbrauch bauen wolle oder nicht, schon innerhalb der nächsten Monate.

Doch betriebswirtschaftlich gesehen stellt dies Airbus vor eine enorme Herausforderung: Im kommenden Jahr will man in der Produktion des A380, der im Jahr 2005 erstmals abhob, die schwarzen Zahlen erreichen. Erst dann würde man beginnen, die Entwicklungskosten von rund zwölf Milliarden Euro wieder hereinzuholen.

Jede substanzielle Veränderung an dem Flugzeug – insbesondere die Ausstattung mit moderneren Triebwerken – würde aber weitere Entwicklungskosten von bis zu zwei Milliarden Euro verursachen.

Für den Fall, dass Airbus eine solche Ausführung des Jets bauen will, hatte Emirates-Chef Clark die Bestellung von 60 bis 70 weiteren Maschinen in Aussicht gestellt. Bisher wurden bei dem Hersteller insgesamt 318 Maschinen des Typs A380 geordert, allein 140 Aufträge kamen von Emirates. Rund 150 Flieger wurden bisher an zwölf Kunden ausgeliefert. „Es laufen weitere aussichtsreiche Verkaufskampagnen“, sagte Schaffrath, „wir erwarten im nächsten Jahr Ergebnisse.“

Die Zukunft des A380 ist auch für den Airbus-Standort Hamburg von erheblicher Bedeutung. Zwar ist das Werk auf Finkenwerder das Kompetenzzentrum für die A320-Familie der Kurz- und Mittelstreckenjets. Mehr als jeder Zweite dieser Flieger, die sich bestens verkaufen, wird an der Elbe gebaut.

Doch für das A380-Programm hat Airbus nach früheren Angaben allein in der Hansestadt 2300 neue Arbeitsplätze geschaffen. Die Werkserweiterung in das Mühlenberger Loch hinein war nicht zuletzt mit dem A380-Projekt begründet worden. In Hamburg werden Rumpfsegmente für dieses Flugzeug gefertigt und an die Endmontagelinie nach Toulouse geliefert. Außerdem erhalten alle der Megajets hier ihre Innenausstattung und ihre Lackierung. Nach der Fertigstellung werden Maschinen, die für Kunden in Europa oder im Nahen Osten bestimmt sind, in Hamburg ausgeliefert, die übrigen fliegen dafür nach Toulouse zurück.

Abgesehen von den verwirrenden Signalen zum A380 gab es für Airbus am Mittwoch eine schlechte Nachricht zu dem neuen mittelgroßen Langstreckenjet A350: Die für Sonnabend geplante Auslieferung des ersten Exemplars verzögert sich. „Die Übergabezeremonie wurde auf unbestimmte Zeit verschoben“, teilte die arabische Fluggesellschaft Qatar Airways mit, die den ersten A350 bekommen soll. Angaben zu den Gründen für die Verzögerung machte das Unternehmen nicht. Tom Enders gab sich zuversichtlich, dass die Zeremonie noch vor Ende des laufenden Jahres nachgeholt werden könne.

Zuletzt hatte sich auch die Auslieferung des ersten für die katarische Fluggesellschaft bestimmten A380-Jets um mehrere Monate verzögert. Der als besonders anspruchsvoll geltende Qatar-Airways-Chef Akbar al-Baker hatte die Innenausstattung des Flugzeugs bemängelt und von Airbus Nachbesserungen verlangt.

Unterdessen kündigte die Airbus Group an, dass der operative Gewinn des Konzerns im Jahr 2016 wegen der Umstellung der Produktion vom A330 auf den A350 und wegen der Entwicklung des neuen A330neo vorübergehend stagnieren wird. Die Aktie brach daraufhin am Mittwoch um rund zehn Prozent ein.