Menschlich gesehen

Der Brenner

Der Weg zu den hochprozentigen Getränken war ihm nicht vorgezeichnet. Arndt Weßel,aufgewachsen in Ostfriesland, lernte Tischler, machte sein Fachabitur und wartete auf einen Studienplatz. Zur Überbrückung machte er ein Praktikum in einer kleinen Spirituosenfabrik. Dort entdeckte er eine Welt, die ihn faszinierte: Statt Holzverarbeitung zu büffeln, begann er eine Ausbildung als Destillateur.

„Mich begeistert an diesem Handwerk, dass man auch aus ungewöhnlichen Grundstoffen wie Roter Bete oder grünen Walnüssen alkoholische Spezialitäten herstellen kann“, sagt der 48 Jahre alte Destillateurmeister, der in Jork auf einem Bauernhof seine Spirituosen-Manufaktur Nordik betreibt. „Hier kann ich viel experimentieren.“ Doch anfangs war daran nicht zu denken. Weßel startete bei einem großen dänischen Spirituosenkonzern in Buxtehude, wo Millionen Liter Aquavit abgefüllt wurden. Nach dem Meisterstudium schaffte er es dort bis zum Werksleiter. Als das Werk 2010 geschlossen wurde, bot sich die Chance zu einem Neuanfang mit der eigenen Brennerei.

Seine Frau und die beiden Kinder mussten in dieser Zeit oft auf ihn verzichten. Aber jetzt ist die Aufbauarbeit geschafft, und Weßel gönnt sich wenigstens einen freien Tag in der Woche. Dann geht er gern mit seiner Hündin spazieren, die er aus einer spanischen Tötungsstation gerettet hat. „Auch habe ich wieder angefangen zu reiten.“