Hamburger Motorradfirma Liberta meldet Insolvenz an

Firma verkaufte zu wenig Maschinen und hat zu hohe Kosten

Hamburg. Viel blitzendes Chrom, eine klassische Springergabel, eigens angefertigte, puristische Sitze. Auf den Maschinen der Hamburger Firma Liberta Motorcycles sollten die Fahrer ein Gefühl von „Easy Rider“ spüren – und das sogar ohne Motorradführerschein, denn der ist für die mit 50 Kubikzentimetern (ccm) kleinere der beiden Varianten nicht notwendig. Erforderlich ist für das Unternehmen allerdings eine Umstrukturierung. Seit Anfang Oktober befindet sich die Firma mit Sitz in der HafenCity im Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung.

„Wir konnten die hochgesteckten Absatzziele unserer ersten vollen Saison nicht umfänglich erreichen, was letztlich zu Liquiditätsengpässen geführt hat“, sagte Thomas Constantin, der seit Juni als Geschäftsführer tätig ist. Als „junges und dynamisches Start-up“ hätte man in der Vergangenheit vieles richtig, aber auch einiges falsch gemacht. Neben zu hohen Kosten sei der Verkauf hinter den Erwartungen geblieben. Laut Plan hätte eine mittlere dreistellige Stückzahl im ersten Geschäftsjahr an die Kunden gebracht werden sollen. Das sei zu ambitioniert gewesen, sagt Constantin. Seit Verkaufsstart im August 2013 rollen bis heute auf deutschen Straßen nur 150 Maschinen, die in der Nähe der chinesischen Metropole Shenzhen gefertigt werden. Grundsätzlich hätten die Maschinen – neben der 50-ccm-Variante gibt es ein 125-ccm-Modell – aber eine große, stetig steigende Fanbasis.

Constantin will nun zusammen mit dem bestellten vorläufigen Insolvenzverwalter Jörn Weitzmann aus der Hamburger Kanzlei Kilger & Fülleborn ein tragfähiges Sanierungskonzept entwickeln. Ein Investor werde gesucht, mit dem Synergieeffekte erzielt werden können. Der Geschäftsbetrieb soll weiterlaufen wie bisher, für Kunden sich nichts ändern. Von Mitte November an soll auch die neue Lieferung Motorräder erhältlich sein. Während die fünf Beschäftigten an Bord bleiben sollen, sind zwei der drei Gründer aus dem operativen Geschäft ausgestiegen. Als Gesellschafter seien sie der Firma aber nach wie vor verbunden.