Kellogg zieht von Bremen nach Hamburg

US-Konzern vertreibt seine Frühstücksflocken künftig von der Elbe aus in Nordeuropa. Umstrukturierung soll auch Kosten senken

Hamburg/Bremen. Es ist ein bezeichnender Name: „Cereal City“, auf Deutsch also „Stadt der Getreidekörner“ heißt der Ort Battle Creek im US-Bundesstaat Michigan im Volksmund. Hier erfanden die Brüder Kellogg vor mehr als 100 Jahren eher durch Zufall die ersten Frühstücksflocken der Welt. Und hier befindet sich bis heute auch der Hauptsitz der Kellogg Company, des Cornflakes-Weltmarktführers. Rund elf Milliarden Euro setzte der Konzern im vergangenen Jahr mit Produkten wie Frosties, Smacks, Honey Loops, aber auch mit zugekauften Marken wie Pringles-Chips um.

In Nordeuropa wird künftig Hamburg die „Cereal City“ sein, das Hauptquartier für die Geschäfte des Konzerns in den deutschsprachigen Ländern und in Skandinavien. Zu diesem Zweck verlagert die Kellogg Company ihre bisherige Zentrale für Deutschland, Österreich und die Schweiz von Bremen an die Elbe.

Zugleich wird die sogenannte Region Germanics mit der Region Nordics verschmolzen, die bisher die Länder Schweden, Finnland, Norwegen und Dänemark umfasste. Geführt wird der neue Bereich Northern Europe von dem bisherigen Kellogg-Deutschlandchef Wolfgang König. Der erfahrene Manager kennt Hamburg gut, begann er seine Karriere doch einst bei dem Nivea-Hersteller Beiersdorf. Er lebt bereits jetzt an der Elbe und pendelt derzeit noch nach Bremen.

Insgesamt rund 100 Mitarbeiter werden von der Weser voraussichtlich zur neuen Zentrale in Hamburg umziehen. Die Verlagerung ist bereits für Ende dieses Jahres geplant. Nicht betroffen ist hingegen die Produktion in Bremen, in der derzeit 300 Mitarbeiter beschäftigt sind. Eine Millionen Packungen werden dort täglich hergestellt und in 50 Länder exportiert.

Die Entscheidung für den neuen Nordeuropa-Standort Hamburg ist nach Informationen dieser Zeitung erst nach einer ausgiebigen Prüfung gefallen. Auch Kopenhagen, Berlin, München und Düsseldorf waren als Alternativen im Rennen. Für die Hansestadt sprachen offenbar die größere Nähe zu den skandinavischen Märkten, eine gute Infrastruktur sowie die generell hohe Lebensqualität an der Elbe, die es Kellogg besser als bisher ermöglichen soll, neue Mitarbeiter für sich zu gewinnen.

Für Hamburg ist der Umzug von Kellogg ein großer Erfolg, entwickelt sich die Elbmetropole damit doch immer mehr zu einem wichtigen Standort für die Lebensmittelwirtschaft. Neben den Amerikanern haben hier auch der Konsumgüterkonzern Unilever und der Tiefkühlhersteller Iglo ihre Deutschlandzentralen, darüber hinaus sitzt mit Edeka die größte Supermarktkette der Republik in der Hansestadt. Hinzu kommen mittelständische Lebensmittelhersteller wie der Essig-Produzent Kühne. Diese Nähe zu großen Entscheidern im Nahrungsmittelsektor soll bei der Verlagerung der Nordeuropa-Zentrale ebenfalls eine entscheidende Rolle gespielt haben.

Für Bremen ist der Weggang des US-Konzerns hingegen ein schwerer Schlag. Bereits 1963 wurde hier die Kellogg (Deutschland) GmbH gegründet, die Geschichte des Unternehmens in der Bundesrepublik ist seitdem eng mit der Stadt an der Weser verbunden, das dortige Werk wurde immer wieder mit Investitionen gestärkt

Zuletzt war es in der Produktionsstätte allerdings zu erheblichen Unruhen unter der Belegschaft gekommen, weil die Unternehmensleitung gegen den Willen der Mitarbeiter ein neues Arbeitszeitmodell einführen wollte, das im Kern den Wechsel von einer Fünf- auf eine Sieben-Tage-Woche vorsieht. Das Kellogg-Werk wird nun zwar auch weiterhin in Bremen bleiben, die Stimmung dürfte durch den Abzug der Verwaltungseinheiten aber kaum besser werden.

Offiziell begründet Kellogg die laufenden Umstrukturierungen zwar mit den großen Wachstumschancen im nordeuropäischen Raum. Man wolle sich als sogenannter Key Player im Müsli-Segment etablieren, den Snack-Bereich ausbauen und das Geschäft mit Cerealien, also den Frühstücksflocken stärken, hieß es.

Insbesondere die Zusammenlegung der Regionen dürfte aber auch mit der nicht ganz einfachen Lage von Kellogg in Zusammenhang stehen. Die Übernahme der Chipmarke Pringles im Jahr 2012 hat dem Konzern zwar einen deutlichen Umsatzschub beschert, in Deutschland wurde das Geschäft im vergangenen Jahr dadurch sogar verdoppelt. Im zweiten Quartal dieses Jahres stagnierte der Umsatz weltweit aber vor allem wegen einer schwachen Nachfrage im US-amerikanischen Heimatmarkt bei 2,8 Milliarden Euro. Der Gewinn schrumpfte im Vergleich zum Vorjahreszeitraum gar um 16 Prozent auf unter dem Strich 220 Millionen Euro.

Schon Anfang des Jahres hatte Kellogg-Chef John Bryant zum Kampf gegen die immer stärkere Konkurrenz und steigende Kosten aufgerufen. Einen Teil der Belegschaft will er bis 2017 abbauen, zudem sollen Fabriken und Produktlinien zusammengelegt werden. So sieht es das „Projekt K“ vor, das Sparprogramm, das Bryant als Ex-Finanzchef des Konzerns höchstpersönlich entwickelt hat. Binnen fünf Jahren sollen auf diese Weise Belastungen von mehreren Hundert Millionen Euro pro Jahr wegfallen.

Zu dem Programm gehört auch die Verschmelzung der Regionen. Nicht nur in Nord- auch in Südeuropa werden Einheiten aus Kostengründen zusammengefasst. Betroffen sind etwa die Länder Spanien, Italien und Portugal.

In der Bundesrepublik stehen die sogenannten Cerealien, also Frühstücksflocken wie Cornflakes oder Smacks, vor allem wegen der immer stärkeren Bedeutung der klassischen, als besonders gesund geltenden Müslis unter Druck. Während die Müslis nach Angaben der Marktforschungsgesellschaft Nielsen im vergangenen Jahr um sieben Prozent beim Absatz zulegten, wurden etwa drei Prozent weniger Cerealien verkauft.

Kellogg versucht zwar seit Längerem, mit eigenen Müsli-Varianten von dem Boom zu profitieren, hat hier nach Einschätzung von Experten aber noch erheblichen Nachholbedarf.