Menschlich gesehen

Der Elbeschiffer

Sein Berufswunsch stand früh fest. Als Dietrich von Fournier im Wolgaster Hafen die Besatzung an Deck beim Angeln beobachtete, war ihm klar: „Die Arbeit mit dem Hobby zu verbinden ist einfach ein Traum.“ Er selbst war schon als kleiner Knirps immer mit einer Angelrute unterwegs. Aus seinem Wunsch wurde Wirklichkeit. Von Fournier wurde Binnenschiffer und lenkt seit 32 Jahren Güter über die Wasserwege. Zu DDR-Zeiten waren es Kohle und Getreide, seit der Jahrtausendwende sind es Container über die Elbe – damit ist von Fournier unter den Binnenschiffern ein Exot. Nur das Angeln blieb auf der Strecke. Die westdeutsche Bürokratie verlangt für jedes Revier einen eigenen Angelschein, bedauert der 48-jährige Kapitän: „Das ist für einen Binnenschiffer leider unbezahlbar.“

Von Fournier erzählt gern und viel, immer gut gelaunt. Der Familienvater aus Mecklenburg-Vorpommern schätzt das kumpelhafte Leben an Bord, das morgendliche Schwimmen in der Elbe und abendliches Grillen. Er liebt Pop und Psychedelic Music, aber auch die Natur, besonders das urwüchsige Grün in seiner Heimat Anklam an der Peene, dem „Amazonas Deutschlands“. Fernreisen sind nicht sein Ding, da er Flugangst hat. In seiner Freizeit – alle 14 Tage für zwei Wochen – sitzt er deshalb oft im eigenen Motorboot und fährt mit Frau Anke und Tochter Lena-Sophie, 14, zur Ostsee oder zu benachbarten Seen. Auch zum Angeln.