Kommentar

Handelskammer sollte sich auf Inhalte konzentrieren

Oliver Schade

Lange Zeit war es sehr ruhig in der Handelskammer. Die mächtige und traditionsreiche Institution kam primär ihrer ureigenen Aufgabe nach, die Interessen der Hamburger Wirtschaft zu vertreten. Sie gab Denkanstöße, half Unternehmen mit Rat und Tat und setzte zum Beispiel mit der Olympia-Diskussion zentrale Themen in der Stadt. Für ein wenig Unbehagen sorgte bei den Kammeroberen dann und wann die Debatte über den Sinn der Kammerpflicht, die schließlich auch mit dem Zahlen von Zwangsbeiträgen verbunden ist. Doch diese kurzen Gewitter saßen Geschäftsführung und Präsidium aus – bis sich die Wolken wieder verzogen hatten. Doch seit dem ersten öffentlichen Auftritt der sogenannten Kammerrebellen will die Schlechtwetterfront nicht mehr verschwinden.

Am Donnerstag durfte sich die breite Mehrheit der Kammer zumindest kurzfristig über einen Erfolg freuen. Präses Melsheimer wurde in seinem Amt bestätigt – und alle sechs Stellvertreter, welche die etablierten Kräfte vorgeschlagen hatten, erhielten die notwendige Mehrheit. Rebellen schafften es nicht ins Präsidium. Doch die kontroversen, mit rhetorischem Schwert geführten Diskussionen vor den Wahlen machten deutlich, dass der Streit innerhalb der Kammer längst nicht vorbei ist. Die Tatsache, dass die Rebellen nicht ins Präsidium eingezogen sind, wird eher zu einem Mehr an Konfrontation führen. Die Kammerführung muss nun einen vernünftigen Umgang mit ihren Gegnern finden. Denn Ignoranz wird den Konflikt verschärfen. Ein wenig Entgegenkommen dürfte dazu beitragen, dass sich die Kammer endlich wieder auf Inhalte konzentrieren kann.

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