Hamburger Back-Factory will im Ausland wachsen

Filialen der Harry-Brot-Tochter werden größer. Jährlich sechs neue Standorte geplant

Hamburg. Peter Gabler wirkt entspannt. Und der Geschäftsführer der Back-Factory hat auch allen Grund dazu. Denn das von ihm geführte Hamburger Unternehmen hat es mittlerweile auf die Liste der 50 umsatzstärksten deutschen Gastronomieketten geschafft. Dabei war diese Entwicklung im Frühsommer 2002 nicht absehbar, als das Schenefelder Unternehmen Harry-Brot, der Mutterkonzern der Back-Factory, den ehrgeizigen Manager von Aldi-Süd an Bord holte. Harry-Brot hatte gerade ein neuartiges Verfahren entwickelt, mit dem Brot oder Brötchen vorgebacken und dann an den Einzelhandel (Bäckereien, Tankstellen etc.) ausgeliefert werden. In den Geschäften stellten die Beschäftigten die Backwaren dann in speziellen Öfen selbst fertig. Erstmals konnten so Brot und Brötchen von Lebensmittelkonzernen in Massen produziert und den privaten Kunden quasi frisch angeboten werden.

Harry-Brot erkannte schnell das Potenzial dieser Backwaren. Gabler gründete im Auftrag des Unternehmens mit der Firma Back-Factory eine neue Bäckereikette. „Unser erstes Geschäft war in Bielefeld“, erinnert er sich. „Am ersten Tag kamen 1150 Kunden.“ Auch in Hamburg funktionierte das Konzept sofort. „Im Jahr 2003 eröffneten wir in der Hansestadt die erste Filiale in Ottensen. Heute kommen noch jeden Tag rund 2000 Kunden in diesen Laden“, erzählt Gabler. Es wurden weitere Geschäfte angemietet, jedes um die 80 Quadratmeter groß. Doch diese Flächen waren, wie es sich später herausstellen sollte, viel zu klein.

Im Jahr 2009 machte das Unternehmen einen großen Sprung. Neben Brötchen und Brot kamen Salate, Pizzen und andere Snacks in die Vitrinen. Die Back-Factory musste deshalb bei den Flächen nachrüsten. „200 Quadratmeter mit Sitzgelegenheiten drinnen und draußen ist jetzt unsere Mindestgröße“, sagt Gabler, der bislang bundesweit 120 Filialen betreibt, davon vier in Hamburg. „Natürlich hätten wir in der Hansestadt gerne weitere Standorte, aber die Miethöhe muss stimmen“, sagt der Chef, der schon 65 Prozent seiner Standorte auf das neue Konzept umrüsten konnte. Gesucht werden ausschließlich die besten Lagen. Gabler will neue Zielgruppen ansprechen und die Verweildauer der Gäste in der Back-Factory steigern. Kaffee ist übrigens das Produkt, das am meisten zum Gewinn, den Gabler nicht nennen will, beiträgt.

Der Umsatz ist 2013 nur geringfügig auf 95 Millionen Euro gesteigen

Die Back-Factory profitiert davon, dass die Mutter Harry-Brot, die bereits seit mehr als 300 Jahren in Familienbesitz ist, neun Backbetriebe verstreut in ganz Deutschland betreibt. Sie wiederum beliefern die Filialen der Tochter. Brötchen kosten in den Filialen zwischen 17 und 29 Cent. Gabler und sein Team können auf dem IT-System des Unternehmens genau erkennen, wenn ein Produkt knapp wird und Nachschub erforderlich ist.

Das vergangene Jahr war in der Geschichte des Unternehmens das bislang erfolgreichste. Die Back-Factory erwirtschaftete pro Standort einen durchschnittlichen Bruttoumsatz von 790.000 Euro und einem Gruppenumsatz von 95 Millionen Euro – ein Plus von einem Prozent zum Vorjahr. „Unser Ursprung ist zwar die klassische Selbstbedienungsbäckerei, aber unsere Zukunft liegt im Schnellservice als Snackprofi für Backwaren“, sagt Gabler. „Was wir 2002 begonnen haben, macht heute der Lebensmitteleinzelhandel mit seinen Backstationen. Den Markt der klassischen SB-Bäckerei haben wir endgültig verlassen.“ Im Zuge der Neuausrichtung hat sich die Back-Factory von rund 20 der zuvor rund 140 Standorte getrennt. Sie passten nicht mehr in das neue überarbeitete Konzept. Betroffen davon waren insbesondere kleinere Standorte sowie Backshops mit ausgelaufenen Mietverträgen.

Neben den eigenen Filialen betreiben 45 Franchise- oder Systempartner, mit jeweils zwischen zwei bis acht Filialen einen Teil der 120 Standorte. Der Rest gehört dem Unternehmen selbst. „Auch in Zukunft wollen wir gesund und organisch wachsen“, blickt Gabler in die Zukunft. Fünf bis sechs neue Standorte sollen jedes Jahr hinzukommen. Interessant für das Unternehmen sind Städte ab einer Größe von 40.000 bis 50.000 Einwohnern. Neben dem deutschen Markt blickt Gabler mittlerweile vermehrt auf die europäischen Nachbarländer. Im vergangenen Jahr hat ein Franchisepartner sein erstes Geschäft im polnischen Breslau eröffnet. Und Gabler ist zuversichtlich, dass weitere Standorte – nicht nur in Deutschland – folgen werden. Essen müsse schließlich jeder Mensch – und das sogar mehrmals am Tag.