Eine Haifischhaut für Flugzeuge

Lufthansa Technik investiert rund 200 Millionen Euro in Innovationen und glänzt mit einem Rekordgewinn

Hamburg. Durch einen kräftigen Innovationsschub will sich Lufthansa Technik die Weltmarktführung für die nächsten Jahre sichern. Dazu werde man ein zentrales Innovationsmanagement am Firmenhauptsitz in Hamburg einrichten und die jährlichen Investitionen in Forschung und Entwicklung verfünffachen, sagte der Vorstandsvorsitzende August Wilhelm Henningsen bei der Bilanzvorlage: Während die Lufthansa-Tochter in den zurückliegenden fünf Jahren 50 Millionen Euro in Produkt- und Verfahrensinnovationen investierte, sollen es in den kommenden vier Jahren zusammen 200 Millionen Euro sein.

„Neue Materialien und Technologien bieten große Chancen, unsere Dienstleistungen ökoeffizienter, kostengünstiger und damit für unsere Kunden attraktiver zu machen“, sagte Henningsen. „Innovationen sind damit auch ein Haupttreiber für unser Wachstum.“ Es geht dabei unter anderem um Reparaturverfahren für Flugzeuge aus den neuartigen Kohlefaserwerkstoffen, um die Teilefertigung mit 3-D-Druckern sowie um die Entwicklung neuer Lacke mit Haifischhautstruktur, die den Treibstoffverbrauch senken.

Bereits in wenigen Wochen wird in Hamburg ein 20 Millionen Euro teurer Gebäudekomplex für das Werkstofftechniklabor – nach Angaben von Henningsen einer der wichtigsten Hightech-Bereiche des Unternehmens – in Betrieb genommen. Ein Team von rund 20 Personen untersucht dort künftig die Eigenschaften neuartiger Materialien.

Zwar hat die Passagiernachfrage in der Weltluftfahrt im Jahr 2013 um 5,2 Prozent zugenommen, und der Markt für die Wartung, Überholung und Reparatur von Flugzeugen expandiert um jährlich 4,5 Prozent. Doch international gesehen sei das Wachstum sehr ungleich verteilt, sagte der Lufthansa-Technik-Chef – das Wachstum finde vor allem in Asien und dem Mittleren Osten statt. Die immer noch angespannte Finanzlage vieler Fluggesellschaften in Europa und das weltweit stetig steigende Angebot an flugzeugtechnischen Dienstleistungen stellten die Branche weiter vor Herausforderungen, denn beide Faktoren verstärkten den Preisdruck auf die Anbieter.

„Vor diesem Hintergrund hat sich die Lufthansa-Technik-Gruppe sehr gut entwickelt“, so Henningsen. Mit einem Umsatzplus von 4,1 Prozent auf knapp 4,2 Milliarden Euro habe man die Position als Weltmarktführer leicht ausbauen können. Denn während die Erlöse mit Schwestergesellschaften aus dem Lufthansa-Konzern wegen vereinbarter Preissenkungen trotz eines umfangreichen Kabinenerneuerungsprogramms unverändert blieben, legte der Umsatz mit Kunden außerhalb der Lufthansa-Gruppe um sieben Prozent auf 2,6 Milliarden Euro zu. „Damit sind wir über dem Marktdurchschnitt gewachsen – und das haben wir uns auch für die nächsten Jahre vorgenommen“, erklärte Henningsen.

Der Gewinn hat sich noch deutlich stärker verbessert: Das operative Ergebnis kletterte um 23 Prozent auf den Rekordwert von 404 Millionen Euro, der Gewinn vor Steuern erhöhte sich um 26 Prozent auf 456 Millionen Euro. Wesentlich dazu beigetragen haben nach Angaben von Finanzvorstand Peter Jansen außer der Volumenausweitung die Effekte aus dem für den gesamten Lufthansa-Konzern beschlossenen Sparprogramm Score.

Weltweit ist die Beschäftigtenzahl von Lufthansa Technik im vorigen Jahr um etwa 440 auf gut 19.900 Personen gesunken. Eine Wartungstochter in Basel ist verkauft worden, ein Triebwerksüberholungbetrieb in Irland soll bis zur Jahresmitte 2014 geschlossen werden.

In Hamburg habe sich die Zahl der Beschäftigten mit rund 8000 Personen nur wenig verändert, hieß es, obwohl in den Jahren 2013 und 2014 insgesamt rund 400 Stellen in nicht unmittelbar produktiven Abteilungen durch freiwillige Maßnahmen wie etwa Altersteilzeitangebote abgebaut werden. „Wir schaffen auf der anderen Seite aber auch neue Stellen in wachsenden Bereichen“, sagte Henningsen. Im Hinblick auf neue Aufträge war 2013 ein außergewöhnlich gutes Jahr. So konnte die Zahl der betreuten Flugzeuge um 25 Prozent auf mehr als 2800 Maschinen gesteigert werden. Dabei umfasste allein ein Vertrag mit der skandinavischen SAS schon 140 Flieger. Derzeit läuft ein Kabinenmodernisierungsprogramm für die Langstreckenflotte der Lufthansa mit 79 Jets.

Bis zum Jahr 2018 soll der Umsatz um 60 Prozent steigen

In Hamburg, Manila, Malta und Peking erhalten alle Airbus A380, Boeing 747-400 sowie A340 und A330 die neue Businessclass-Ausstattung, ein neues Bordunterhaltungssystem und die modernste Internetverbindung per Satellitenantenne. Noch in diesem Jahr soll außerdem die erste in Hamburg als luxuriöses Reiseflugzeug ausgerüstete Boeing 747-8 an einen VIP-Kunden ausgeliefert werden, Anfang 2015 soll eine zweite Maschine des gleichen Typs fertiggestellt sein.

Für die nächsten Jahre nannte Finanzchef Jansen ehrgeizige Wachstumsziele. So soll der Umsatz bis 2018 um 60 Prozent steigen. Dazu will man den Marktanteil in Asien von vier auf fünf Prozent voranbringen und in Amerika von zwei auf fünf Prozent. Wegen der hohen Investitionen erwartet Jansen für 2014 nur einen operativen Gewinn von 320 Millionen bis 330 Millionen Euro: „Historisch gesehen wäre das aber immerhin unser zweit- oder drittbestes Ergebnis.“