Kommentar

Gefährliches Monopoly

Die Schiffsfinanzierung nach dem deutschen KG-Modell wird nicht wiederkommen. Vor allem Hamburg war von den 1990er-Jahren bis zum Beginn der Welt-Finanzmarktkrise 2008 die Hochburg dieser Art von Kapitalsammlung. Banken schreiben nun immense Summen an faulen Schiffskrediten ab und Privatanleger ihre Einlagen in Hunderten Schiffsfonds, die bereits insolvent sind oder die im Laufe des Jahres womöglich noch Insolvenz werden anmelden müssen.

Manche Charterreeder und Emissionshäuser behaupten, abgesehen von gewissen Übertreibungen bei der Bestellung neuer Schiffe, sei der Boom seinerzeit stets vom soliden Wachstum des Welthandels und der Nachfrage nach immer neuer Tonnage getragen worden. Dass das nicht stimmt, sieht man beim Blick auf die heutigen Schifffahrtsmärkte: Die nächste Runde hat begonnen, ebenfalls getrieben von großer Gier. Günstiges Kapital fließt in Schiffe, die von derzeit eher schlecht ausgelasteten asiatischen Großwerften serienweise billig produziert und von Reedereien in wachsender Zahl auf den Markt geworfen werden.

Der Unterschied zu den vergangenen zwei Jahrzehnten ist hauptsächlich dieser: Deutschland spielt in der neuen Monopoly-Runde am Schiffsmarkt nicht mehr mit. Griechen, Asiaten, Nordamerikaner kaufen sich moderne Flotten zusammen. Angesichts der noch immer gravierenden Überkapazitäten in bestimmten Segmenten des Schiffsmarktes – etwa bei kleineren Containerfrachtern – führt das noch schneller und heftiger zur Entwertung der Flotten im Eigentum deutscher Banken und Privatanleger. Die Spekulationsblase platzt. In diesen Wochen und Monaten.