Neue Porsche-Zentren in Hamburg

Der Sportwagenhersteller baut in Eidelstedt und am Berliner Tor. Investitionen betragen rund 30 Millionen Euro

Hamburg. Nicht nur die Sportwagen von Porsche sieht man häufig anderen Autos davonfahren. Auch das Unternehmen ist derzeit flotter unterwegs als viele Konkurrenten: Die Stuttgarter Volkswagen-Tochter ist der einzige deutsche Hersteller, der im vergangenen Jahr den Absatz auf dem schrumpfenden Heimatmarkt steigern konnte – um 1,4 Prozent auf 20.799 Fahrzeuge.

Und 2014 wird nach Einschätzung von Klaus Zellmer, Chef von Porsche Deutschland, erst recht ein gutes Jahr. Dazu soll schon die Markteinführung des neuen Modells Macan, eines kleinen Bruders des Luxus-Geländewagens Cayenne, beitragen.

Große Hoffnungen setzt Zellmer aber auch in die Hamburger Niederlassungen: „Die Hansestadt ist ein sehr wichtiger Markt für uns“, sagt er. Nachdem der Umsatz der zwei Vertriebsstandorte in der Stadt in den vergangenen beiden Jahren im deutlich zweistelligen Prozentbereich gesteigert werden konnte, was kein anderes Porsche-Zentrum in Deutschland erreicht habe, will die Firma 2014 mindestens 1000 Neuwagen in Hamburg verkaufen.

Darüber hinaus soll die Investition von 30 Millionen Euro in den Neubau der zwei Standorte dem Geschäft in den nächsten Jahren zusätzlichen Schub geben. „Der Wirtschaftsstandort Hamburg wird durch das Bekenntnis von Porsche zu unserer Stadt nachhaltig gestärkt“, sagt Wirtschaftssenator Frank Horch zu den Plänen. Die Hansestadt sei eine Hochburg der Sportwagenmarke: Nirgendwo sonst in Deutschland gebe es im Verhältnis zur Einwohnerzahl so viele Porsche-Fahrzeuge wie an Alster und Elbe.

„Extrem gut sind wir hier mit dem Cayenne unterwegs“, ergänzt Zellmer. Und seit Jahren sei auch die Cabrio-Ausführung des Modells 911 in Hamburg außergewöhnlich beliebt.

Derzeit entsteht in Eidelstedt eine der größten Porsche-Niederlassungen Europas. Auf einem 22.000 Quadratmeter großen Areal nahe dem Autobahndreieck Hamburg Nord-West entsteht ein Gebäude mit einer Bruttogeschossfläche von gut 5700 Quadratmetern. Realisiert wird das Projekt von der Volkswagen Immobilien GmbH. Verglichen mit dem bisherigen Standort am Nedderfeld in Lokstedt könne man die Werkstattkapazitäten an der Holsteiner Chaussee mehr als verdoppeln, heißt es von Porsche. „Unsere Kunden sind sehr anspruchsvoll, was die Dienstleistungsqualität angeht“, sagt Zellmer. Die Lage sei außerdem ideal, um Kunden aus dem nördlichen Umland Hamburgs betreuen zu können.

Bereits Anfang 2015 sollen in Eidelstedt knapp 60 Beschäftigte die Arbeit aufnehmen. Auf das zweite neue Autohaus, das am Berliner Tor errichtet werden soll, muss der Sportwagenhersteller jedoch noch deutlich länger warten – es wird nicht vor 2016 fertig sein. Das neue Gebäude von etwa 9600 Quadratmetern Geschossfläche, in das die Mitarbeiter aus dem bisherigen Porsche-Zentrum in der Eiffestraße umziehen sollen, wird von dem Projektentwickler Maas & Raffay gebaut.

„Die Architektur unserer Niederlassungen muss klaren Vorgaben folgen“, sagt Zellmer. „Von der geschwungenen Aluminium-Fassade versprechen wir uns einen hohen Wiedererkennungswert.“

Auch die Unternehmensberatung Porsche Consulting, die seit September 2013 in Hamburg vertreten ist und hier derzeit rund 50 Mitarbeiter hat, könnte aus dem Eppendorfer Zeughaus-Quartier an den neuen Standort ziehen. Auf dem insgesamt 10.000 Quadratmeter großen Grundstück der ehemaligen Gewerbeschule an der Ecke Lübecker Straße und Wallstraße entsteht darüber hinaus ein Bürohochhaus. Nach Angaben von Hans-Werner Maas, Mitinhaber von Maas & Raffay, beläuft sich der Gesamtinvestitionsbetrag für das Projekt „Hanse-Gate“ auf rund 65 Millionen Euro. Unabhängig von den Neubauten stockt Porsche schon bis April – mit Blick auf die Einführung des Macan – die Belegschaft in Hamburg von derzeit 139 auf 160 Personen auf.

Dass es den Stuttgartern derzeit gelingt, den Marktanteil von 0,7 Prozent auf dem Heimatmarkt auszubauen, ist für den Branchenexperten Stefan Bratzel von der Fachhochschule der Wirtschaft in Bergisch Gladbach wenig erstaunlich: „Das Premium-Segment läuft besser als der Rest des Automarkts.“ Der Sportwagenhersteller habe aber zudem „schon seit Jahren vieles richtig gemacht“, sagt Bratzel. So habe es das Unternehmen seiner Meinung nach sehr gut verstanden, die Produktpalette behutsam auszuweiten, „ohne Porsche dadurch zu einer ‚Jedermann-Marke‘ zu machen“ – eine Leistung, die von der zahlungskräftigen Klientel nicht nur in Hamburg offensichtlich geschätzt wird.