Mehrheit fordert: Holt Olympia nach Hamburg!

Fast 60 Prozent für eine Bewerbung. Wirtschaft appelliert an Scholz: „Packen Sie es an“

Hamburg. Hamburg soll sich erneut um die Ausrichtung der Olympischen Sommerspiele bewerben. Dazu hat die Handelskammer den Senat unmissverständlich aufgefordert. „Herr Bürgermeister, ich nehme Sie beim Wort, packen Sie es an“, sagte Kammerpräses Fritz Horst Melsheimer bei seiner Jahresansprache. Er bezog sich dabei auf Aussagen von Scholz im Abendblatt, die Stadt müsse wieder Mut entwickeln, große Projekte anzupacken.

Melsheimer präsentierte eine aktuelle Umfrage im Auftrag der Kammer, wonach sich 59 Prozent der Hamburger für eine erneute Bewerbung aussprechen und „nur 37 Prozent eher dagegen“, so der Präses. 77 Prozent der Befragten meinten, allein die Bewerbung könnte den Ruf Hamburgs als Weltstadt verbessern. Für die von Scholz aufgeworfene Frage, wie die Stadt 2035 oder 2040 aussehen soll, könne eine Olympiabewerbung „Katalysator und Leuchtturm“ sein, sagte Melsheimer vor rund 2200 Gästen bei der „Versammlung eines Ehrbaren Kaufmanns“. „Sie sollte ein Beispiel für nachhaltige und moderne Spiele des 21.Jahrhunderts setzen. Sie brächte den Sport und die Stadt voran.“

Das Rathaus reagierte zurückhaltend auf den Vorstoß der Wirtschaft. „Meiner Ansicht nach ist Hamburg immer noch begeisterungsfähig für Olympia“, sagte Innen- und Sportsenator Michael Neumann (SPD). Der Senat ziehe es aber vor, diskret im Hintergrund an dieser Frage zu arbeiten. „Alleingänge schaden nur. Wir werden uns nicht selbst ins Gespräch bringen. Das wäre kein hanseatischer Stil. Wir versuchen durch Qualität und Substanz zu überzeugen. Dieser Weg ist der klügere.“

Konkret bedeute das, dass zunächst das überparteiliche Entwicklungskonzept für den Hamburger Sport („Dekadenstrategie“) abgearbeitet werden soll. „Wir müssen die Sport-Infrastruktur in Ordnung bringen“, so Neumann. Der deutsche Olympische Sportbund habe ihm signalisiert, dass Hamburg den richtigen Weg gehe. Auch Scholz äußerte sich auf Abendblatt-Anfrage zwar wohlwollend, aber vage: „Hamburg muss in der Lage sein, sich eine Erfolg versprechende Bewerbung vorstellen zu können.“

Die Bewerbungsfrist für die Sommerspiele 2024 läuft im November 2015 ab. Das Internationale Olympische Komitee (IOC) entscheidet 2017 über den Ausrichter. Nach London 2012, Rio de Janeiro 2016 und Tokio 2020 sollte nach bisheriger IOC-Logik eine nordamerikanische Stadt an der Reihe sein, auch weil der US-Sender NBC rund 1,5 Milliarden Euro für die Übertragungsrechte zahlt. San Francisco, Philadelphia und Chicago haben Interesse. 2028 würde Olympia wahrscheinlich nach Europa zurückkehren. Madrid und Paris sind dann potenzielle Kandidaten.

Hamburg war 2003 mit seiner Olympiabewerbung in der nationalen Ausscheidung aus politischen (Aufbau Ost) und sportpolitischen Gründen (jahrzehntelange Distanz zum Leistungssport) an Leipzig gescheitert. Leipzig wiederum fiel ein Jahr später beim IOC schon in der Vorauswahl durch, weil die Stadt mit 500.000 Einwohnern zu klein war. Kommt es zu einer erneuten deutschen Kandidatur, wäre Berlin Hamburgs Rivale. Politiker und Sportfunktionäre favorisieren bei diesem Duell bislang die Hauptstadt.