Ausverkauf nach dem Fest

Der Hamburger Textileinzelhandel reduziert seine Preise um bis zu 50 Prozent. Wer Geduld hat, kann noch mehr sparen

Hamburg. Welch ein Gewusel. Schon am Vormittag wünscht man sich angesichts der Menschenmassen, dass die Bürgersteige in der Mönckebergstraße noch breiter wären, als sie ohnehin sind. In den Kaufhäusern herrscht Enge. Überall wo noch ein wenig Platz ist, wird ein Ständer hingestellt mit dem Schild „Sale“. Nach Weihnachten beginnt der Ausverkauf in der Stadt. Vor allem wegen des bislang relativ warmen Winters werden Daunenjacken, dicke Pullover oder Winterschuhe reduziert. Mit dem Slogan „Bis zu 50 Prozent Rabatt“ wirbt zum Beispiel die Handelskette Esprit auf ihren Schaufenstern.

Tina und Ralf Schermann aus Hessen suchen in dem Getümmel nach günstigen Herrenhemden. „Ich habe ein schönes gefunden“, ruft Tina Schermann ihrem Mann zu. „Wir besuchen unseren Sohn, der hier studiert“, sagt Ralf Schermann, während sich seine Frau an der Kasse bei Appelrath-Cüpper anstellt. Immerhin haben sie 20 Prozent Rabatt bekommen. „Jetzt gehen wir zu Karstadt“, sagt Tina Schermann. Bis zu 70 Prozent Preisnachlass gibt das Kaufhaus für alle Weihnachtsmarktartikel. Wer richtig sparen will, kann heute schon fürs nächste Weihnachtsfest vorsorgen.

Ansonsten gibt es bis zu 50 Prozent. „Alles muss raus“, sagt der Chef von Karstadt an der Mönckebergstraße, Werner von Appen. „Wir wollen die laufende Winterkollektion bis zum letzten Stück verkaufen.“ Das gehe nur mit einem Nachlass. „Die Preise werden vermutlich in der nächsten Zeit nochmals weiter nach unten gehen“, sagt er. 70 Prozent Rabatt seien möglich. Denn wie auch die anderen Einzelhändler braucht Karstadt Platz für die Frühjahrs- und Sommerkollektion. Wer günstige Schuhe erwerben will, hat jetzt die Auswahl. Bei Görtz an der Poststraße gibt es einen Gutschein in Höhe von zehn Euro für jeden Kunden, der Schuhe im Wert von 49 Euro kauft. Der deutsche Marktführer Deichmann lockt mit dem Versprechen, dass sie beim Erwerb von zwei paar Schuhen das dritte Paar umsonst bekommen. Bis zu 40 Prozent Nachlass gibt es beim Schuhhändler Mephisto.

Auch viele Nobelgeschäfte buhlen mit hohen Preisnachlässen um die Kunden

Das Trendgeschäft Adidas Neo wirbt mit 20 Prozent Rabatt, während bei Abercombie & Fitch in der dunklen Atmosphäre des Ladens kaum Sale-Schilder zu sehen sind. Auch Luxusgeschäfte wie Ralph Lauren buhlen mit Preisnachlässen um die Kunden. Unter anderem hat das Unternehmen eine Damenbluse von 169 auf 112 Euro reduziert. Beim benachbarten Geschäft Airfield wurde für eine kurze schwarze Jacke aus edlem Material der Preis sogar von 399 auf 199 Euro halbiert – in der Hoffnung, dass sich zahlungskräftige Kunden finden. Im Alsterhaus hängt eine kurze Daunenjacke am Ständer. Sie wurde von 259 auf 190 Euro verbilligt. „Ich finde die Jacke toll“, sagt die Kauffrau Ines Teilert aus Langenhorn und geht in Richtung Kasse.

Für Kunden mit einem etwas größeren Geldbeutel lockt Unger am Neuen Wall im Schaufenster mit einer Nerzjacke für 5450 Euro. Das sind immerhin 2350 Euro Ersparnis gegenüber dem zuvor angesetzten Preis.

„Im vergangenen Jahr hatte der Einzelhandel seine Textilien schon drei Wochen vor Weihnachten reduziert“, sagt Wolfgang Linnekogel, Geschäftsführer beim Einzelhandelsverband Nord. Dieses Jahr haben die Händler jedoch darauf gesetzt, dass das Wetter vor Weihnachten doch noch etwas kälter wird. Insgesamt rechnet Linnekogel damit, dass die Hamburger Branche 2013 ein wenig besser abschneidet als im Vorjahr. „Wir erwarten 2,12 bis 2,2 Milliarden Euro Umsatz. Es hätte auch noch mehr werden können, wenn der Textil- und Schuheinzelhandel erfolgreicher gewesen wäre", so der Handelsexperte.

Linnekogel hofft jetzt vor allem auf jene Kunden, die Geldgeschenke zum Kauf von Bekleidung, Schuhen und anderen Dinge verwenden oder kurz vor Silvester noch ihre Gutscheine von Weihnachten eintauschen. „Da kann es noch Überraschungen geben“, sagt er. „Die Sparquote ist in Deutschland deutlich gesunken. Ich habe den Eindruck, dass die Kunden in diesem Jahr etwas mehr Geld ausgegeben haben, um sich etwas zu gönnen.“

Darüber freut sich auch Karstadt-Filialleiter Werner von Appen, der jetzt neben der Winterbekleidung unter anderem auch seine Haushaltswaren reduziert hat. „Nach Weihnachten ist dies für uns schon eine Tradition“, erklärt er. „Viele, die Gutscheine oder Geld geschenkt bekommen haben, investieren dies nun in neues Porzellan oder andere Wertsachen.“